Slaves im Indra, Hamburg

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Mit ihrem neuen Album „Take Control“ haben Slaves aus dem britischen Kent endgültig gezeigt, dass sie britischen Punkrock nicht nur ordentlich an den Eiern packen können, sondern diese auch noch wild durch die Luft wirbeln können, während sie einem galant den Mittelfinger zeigen. Musik mit Ecken und Kanten, die von vorne bis hinten kaputt ist und auf alles orthodoxe pfeift – vor allem auf Hi-Hats.

Nun ist das Duo, bestehend aus Drummer und Brüllaffe Isaac Holman sowie Gitarrist und Bassist Laurie Vincent auf Tour unterwegs. Auch Hamburg beehrten sie hierbei im legendären Indra Musikclub. Nachdem erwähnte Platte für mich eines der besten Brit-Punk-Alben der letzten Jahre ist, lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, beim Konzert vorbeizuschauen. Eines sei vorweg gesagt: Es ist verdammt hoch her gegangen!

Life

Life im Indra, Hamburg

Aber der Reihe nach: Als Support-Band unterstützen die britischen Life aus Hull das Duo auf dieser Tour. Die Gruppe wurde erst im Februar 2013 gegründet und steht derzeit noch nicht bei einem Label unter Vertrag. Das hier ist also ein ganzes Stückweit frischer Shit, der da auf einen wartet – und was für welcher, holla die Waldfee!

Life im Indra, Hamburg

Das Quartett wartet mit einer mitreißenden Mischung aus Indie- und Alternative-Rock mit ganz dickem Punk-Einfluss auf. Vom ersten Song „Sugar God“ an sind sie voll dabei, Frontmann Mez tänzelt sich über die Bühne, Gitarrist Mick brüllt ins Mikrofon rein und es passt einfach alles zusammen. Nach dem Song fordern sie die Crowd auf, den berüchtigten Halbkreis zu schließen und siehe da: Sie machen es!

Tanzbare Musik, die weit weg von glatt geschliffenen Kanten ist und Song für Song immer besser auf die Zuschauer wirkt. Songs, wie „Go Go Go“, „Rare Boots“ und das abschließende „Popular Music“ sind schlichtweg unglaublich mitreißend! Wie die Crowd den Auftritt am Ende quittiert? Mit tosendem Applaus natürlich! Etwas, das man wiederum wirklich nicht oft bei einer Support-Band erlebt. Auch mir sind Life im Kopf stecken geblieben. Das hier ist ein ganz heißes Eisen und da wird noch eine ganze Menge folgen!

Slaves

Slaves im Indra, Hamburg

Nun gut, Life haben die Messlatte für diesen Abend also schon einmal ungewohnt hoch angelegt. Aber alle wissen: Da kommen gleich die Slaves! Das kann nicht weniger geil werden! Die Umbaupause geht vorüber, das Duo kommt endlich auf die Bühne. Wohin der Abend geht, zeigen sie bereits mit den ersten beiden Songs „Hows Amelia“ und „Spit It Out“. Dieser Abend wird eine Achterbahnfahrt à la Punkrock!

Slaves im Indra, Hamburg

Punkrock lebt vor allem über die Energie, die auf der Bühne transportiert wird. Daran wird man auch bei den Slaves einmal mehr erinnert. Der gewaltige und laute Sound, die Aggressivität in Isaacs Vocals, seine entschlossenen Dancemoves – und dann haut da zwischendurch immer wieder dieser Boogie-Flow rein (beispielsweise mit „Lies“), der die nötige Abwechslung bringt, das Publikum aber nicht minder durchdrehen lässt.

Stagediving? Klar! Pogo? Na, sicher! Temperaturen auf Anschlag? Als ob es bei ihnen anders sein könnte! Die Energie des Duos hat sich verlustfrei auf die Leute übertragen, die ihren Alltag vor der Tür des Indra stehen ließen und astrein durchdrehten. So muss das sein und nicht anders! Zwischendurch gab es immer wieder lustige Anekdoten zu hören, die typisch britisch witzig und trocken vorgebracht wurden.

Das heimliche Highlight des Sets? „Fuck the Hi-Hat“ natürlich! Mit entsprechender Ansage („Mich fragen immer alle, wo denn meine Hi-Hat sei“) und lautem Gebrüll der Crowd ging es in knapp 45 Sekunden absoluten Wahnsinn! Dieser Song wiederum ist auch das Slaves-Konzert in Extrem-Komprimiert: Durchdrehen, Spaß haben, sich von der Band überwältigen lassen. Höchst beeindruckt ging ich nach dem Konzert meines Weges nach Hause und für mich ist klar: Nochmal wirst Du diese krasse Band nicht in einem so idyllisch-kuschligen Venue sehen. Es sei doch gelacht für die beiden, wenn sie mit ihrer Art nicht baldigst zu den Everybody’s Darling der alternativen Musikszene werden.

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