Wer auf guten hausgemachten Punkrock steht, ist bei Smile and Burn an der richtigen Adresse! Am 03. Februar veröffentlichten sie ihren aktuellen und damit vierten Dauerbrenner „Get Better Bet Worse“ und haben damit mal wieder bewiesen, wie gut sie sind.

Natürlich muss so ein Album auch promotet werden und so ging es für Philipp, Sören, Wolli, Chris und Sascha im März auf große Tour. Dazu standen die Fünf am 23. März auch im Hamburger Hafenklang gemeinsam mit The Deadnotes auf der Bühne.

Vor dem Konzert habe ich mit Chris, Sascha und Sören ein sehr nettes Interview geführt, in dem sie mir verraten, welcher Filmtod für sie am ehesten in Frage käme, wie sie sich auf eine Tour vorbereiten und vieles mehr!

Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Euer Tour-Teaser war ja mal wieder ziemlich witzig, wie kommt ihr immer auf diese bekloppten Ideen? Ihr macht das auch immer selbst, richtig?

Sascha: Joa, aber das machen ja viele Bands in der Größe oder?

Sören: Na klar machen wir das selber, aber wie gesagt, viele Bands sind ja bei Facebook und so und da muss man halt Universalist sein. Bei Philipp ist halt der Vorteil, dass er das beruflich macht. Wenn er da Hand anlegt, dann ist es immer relativ professionell. Der macht ja auch viel bei den Musikvideos und das ist dann immer high quality.

Und wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Sören: Keine Ahnung! Beim Blöd-Quatschen steigert man sich immer so rein. Die Idee für den Teaser war auch ganz normal mit Philipp beim Abendessen. Dann haben wir uns da einfach so reingesteigert. Meistens ist das ja so, wenn man gar keine Ideen hat, macht man eine dumme Idee und dann haben wir das einfach so gemacht.

Apropos bekloppte Ideen. Das ist eure 1. Headliner Show mit 15 Terminen am Stück und insgesamt zwei Offdays, wovon einer ungeplant war. Andere touren Donnerstag, Freitag und Samstag.

Sascha: Inzwischen! Früher war das ja auch dieses Standartmäßige. Dieses Aufsplitten, das hat verkaufstechnische Gründe. Wahrscheinlich ist es auch besser für die Stimme. Ein Donnerstag, Freitag, Samstag wird halt besser besucht als ein Montag oder Dienstag.

Chris: Das hat auch was mit dem Alter zu tun glaube ich. Andere Bands haben sich das schon eingestanden, dass sie das nicht durchziehen können und wir sind jetzt dabei, das auch mitzukriegen. Was uns wohl auch besser tun würde, wenn wir nicht 15 Tage am Stück unterwegs wären.

Sascha: Wobei man sagen muss, jetzt so hinten raus wird Philipps Stimme wieder besser. Guter Wein kommt hinten raus!

Sören: Wir sind jetzt über den toten Punkt hinaus, wo man immer und immer weiter machen kann!

Also macht ihr das nochmal?

Chris: Ich sag mal: höchstwahrscheinlich anders.

Sören: Vielleicht da, wo wir jetzt den ungeplanten Offday hatten, beim nächsten Mal dann einen geplanten Offday.

Jetzt war das ja quasi das Worstcase-Szenario, dass ihr einmal nicht auftreten konntet. Ich hatte vor kurzem ein Interview mit einer Band und hab mit denen auch über Worstcase-Szenarien gesprochen und die meinten zu mir, das Schlimmste wäre mit Brech-Durchfall auf der Bühne. Was ist schlimmer?

Chris: Wir kennen da eine Story von *piep*. Brech-Durchfalll möchte wirklich keiner haben!

Sören: Wir kennen auf jeden Fall eine Band, der ist das schon mal passiert und: Nein! Das möchte wirklich niemand haben. Das ist wirklich das Worstcase-Szenario. Da kannst du ja gar nichts machen. Ich glaube auch, alles was einen auf der Bühne krass peinlich darstellen lässt – als Punker hat man ja den Vorteil, dass man mit den meisten Peinlichkeiten relativ cool umgehen kann – aber ich glaube selbst das, das ist einfach zu hart. Ich hab auch schon Konzerte gesehen, wo der Sänger neben die Bühne gekotzt hat. Das war dann am Ende cool, weil er das cool verkauft hat.

Sascha: Lustig war, dass der Sänger dann einfach ne Zeitung darüber gelegt und weiter gemacht hat.

Chris: Wir haben auch schon einiges erlebt, uns kann fast nichts mehr peinlich sein: von der Bühne gefallen, komplett den Amp gemutet, Fuß gebrochen.

Sören: Viele Kleinigkeiten haben wir schon durch. Brech-Durchfall ist das letzte was auf der Liste steht!

Wie kann man sich denn bei euch die Tourvorbereitung vorstellen? Habt ihr mehr Sport gemacht oder mehr getrunken, damit eure Leber abgehärtet ist?

Sören: Zur Vorbereitung mehr trinken! Auch geil! (lacht)

Chris: Wie Silvester, man nimmt sich immer einiges vor und dann ist der 1. Januar und man hat schon wieder ein Bier getrunken und geraucht und gegessen. Vor der Tour z. B.: „Ich muss Sport machen um das durchzustehen“ und dann macht man es halt eh nicht.

Sören: Ich war vor der Tour zweimal laufen und ich war 10 mal im Proberaum. Also ich hab mich top vorbereitet sag ich mal.

Sascha: Wir haben intensiver geprobt und auch eine Club-Probe gemacht, die man ja live bei Facebook sehen konnte. Jetzt so persönlich, halt Songs raufschaffen aber das wars. Philipp war auch joggen und meinte, er hat angefangen ein bisschen auf Ernährung zu achten.

Sören: Ich glaube wir haben die Grundfesten die bei so einer Tour stehen müssen und die haben wir gesattled. Was wir jetzt leider nicht geschafft haben – es gibt ja immer so Bands die schaffen immer noch Zeit für so Specials, so „hey wir schreiben noch mit der Support Band einen Song und der kommt am 1. Tourtag raus“ – das sind alles Sachen die cool sind…

Sascha: Aber auch unnötig. Dadurch, dass das Album auch erst einen Monat vorher rauskam, war halt auch viel Proben und so angesagt. Wir arbeiten ja auch alle noch oder haben andere Dinge zu tun und deswegen ist das schon alles sehr zeitintensiv und da muss man auch einfach mal ein bisschen realistisch sein.

Wie seid ihr auf The Deadnotes, eure Support-Band, aufmerksam geworden?

Sören: Ganz straight! Stichwort: Casting.

Chris: Hartes Voting! Jeder 1 Punkt oder 0 Punkte und ganz viele Bands in einen Topf und The Deadnotes haben es geschafft.

Sascha: Während einer Fahrt zu irgendeinem Festival haben wir alle Bands, die wir über einen gewissen Zeitraum gesammelt haben, bei Spotify angehört und dann immer bewertet und dann waren quasi The Deadnotes die Sieger.

Sören: Das Problem, das wir oft haben, ist, dass wir uns selten richtig einig sind bei so Sachen. Darum haben wir dieses Punkte-System eingeführt. Auch bei Songs, die auf ein Album kommen sollen; dann treffen wir uns einmal und hören alle 50 Demos durch und vergeben Punkte und gucken was am Ende die meisten Punkte hat. Da arbeiten wir dann weiter dran. Jetzt haben wir das bei der Support Band auch so gemacht und es sind alle zufrieden. Man kann nicht sagen, dass das System gescheitert ist.

Chris: Tolle Jungs!

Ihr ward viel mit den Donots unterwegs, konntet ihr euch bei denen etwas abgucken? Man hat ja schon so ein bisschen das Gefühl, dass sie so eure „Zieh-Väter“ sind.

Sascha: Guter Begriff! Das hab ich jetzt noch gar nicht so betrachtet. Aber auf jeden Fall – allein menschlich.

„Ich glaube es gab noch nie einen besseren Umgang, den wir als Support Band gespürt haben, als mit den Donots.”

Das war einfach so herzlich, man fühlte sich permanent willkommen und es war nie so, dass man Gegenteiliges zu spüren bekommen hätte – außer bei den Soundcheck Zeiten. Aber es ist ja auch klar, dass die Prioritäten da anders gesetzt werden.

Sören: Das haben wir uns auf jeden Fall bei den Donots abgeschaut. Der Vorband die Zeit beim Soundcheck kürzen.

Sascha: Ne, aber so eine Herzlichkeit, ich will da jetzt gar keine unnötigen Lächerlichkeiten anfangen. Man ist gemeinsam unterwegs und will eine schöne Zeit haben. Das ist ja eigentlich selbstverständlich. Wir haben auch viele anderweitige Erfahrungen gemacht, ansonsten…

Sören: Ich hab aber schon manchmal das Gefühl, gerade bei der Bühnenshow, dass wir uns da so ein bisschen was abgeguckt haben.

Sascha: Sören steht jetzt in der Mitte und nicht mehr außen.

Sören: Genau, wir haben unsere Bühnenaufstellung geändert, dass Philipp und ich quasi in der Mitte stehen. Das ist bei den Donots ja auch so, dass Guido und Ingo die Aktiven sind und die stehen ja auch so in der MItte und das haben wir deswegen geändert. Das ist das Offensichtliche und dann ist da natürlich noch ganz viel unter der Oberfläche.

Sascha: Ich muss sagen, Sören orientiert sich sehr an Alex.

Sören: Ich hab mir auch extra so eine Frisur zugelegt für die Tour!

Sascha: Ich meinte eigentlich so abgeh-technisch was die Bühne betrifft.

Sören: Man versucht sich einen Rockstar-Habitus zuzulegen, aber wenn es hart auf hart kommt ist man immer noch sehr menschlich und man behandelt alle Leute irgendwie nett. Das habe ich jetzt auch nicht von allen Bands so erlebt und die Donots stechen da schon krass heraus, wenn man Größe mit Sympathie mixt.

Das Album mit dem Namen „Get Better Get Worse“ ist seit Februar draußen. Sören hat in einem Interview gesagt, der Titel sei „lustig, aber irgendwie auch traurig“. Was meinst du damit?

Sören: Gott, da kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern! Der Titel – lustig und irgendwie auch traurig – ich weiß gar nicht mehr wie ich das gemeint habe. Der Titel klingt halt so super komprimitierend, ne? Das ist wahrscheinlich das Traurige an dem Titel, es ist halt mal so und mal ist es so. Es klingt so richtig nach: Man ist 30 und altersweise, es geht bergauf und bergab. Da kann man nichts machen. Also es klingt schon so ein bisschen traurig. Klassischerweise haben alle unsere Alben immer so hoffnungsvolle Titel gehabt die so ein bisschen vor jugendlichem Eifer gestrotzt haben und jetzt ist eben: mal so, mal so.

In einem weiteren Interview liegt ihr betrunken in einem Proberaum. Da sagt Philip, dass ihr das Wissen, welches ihr heutzutage über Promo habt wenn man eine Single veröffentlicht, gerne damals schon gehabt hättet. Welches Wissen fehlte euch denn genau?

Sören: Da haben wir schon sehr oft drüber gesprochen, da sind wir auch eher geteilter Meinung. Ich gebe mal so ein Beispiel: Beim 2. Album. Das haben wir alles selbst aufgenommen, das war dann fertig, auch Artwork – also Produkt an sich ist super. Aber der Promo-Zyklus war nicht so, wie man es allgemeinhin macht. Das erste Musikvideo kam ein halbes Jahr nachdem das Album draußen war. Einen Tag nach der Releaseparty in Berlin haben wir in Kiel gespielt und dann eine Woche in England, dort, wo das Album gar nicht veröffentlicht wurde.

„Das hat alles überhaupt keinen Sinn ergeben.”

Wir waren halt so Punker und das hat uns nie jemand gesagt. Das kostet ein Gespräch bei einem Bier und dann weiß man das. Wir haben in der Art und Weise da einfach nie drüber nachgedacht.

Sascha: Es war ja damals alles etwas szeniger. Man geht halt seinen Weg und das prägt einen, auch wenn man viele Umwege genommen hat.

Was würdet ihr gerne einmal ausprobieren, traut euch aber nicht?

Sascha: Musikalisch oder menschlich?

Alles!

Sören: Musikalisch wahrscheinlich auf jeden Fall Hip Hop.

Chris: Aber eigentlich machen wir ja alles was wir wollen, musikalisch.

Sören: Meistens! Ich würde auf jeden Fall mal probieren nur Musiker zu sein, also nur mit der Band zu tun zu haben, also einfach davonzu leben. Es gibt ja viele die dann einfach kündigen und dann schauen, wie sie sich durchwurschteln. Zum Beispiel Tillmann von Tiger Youth hat das auch mal ein Jahr lang gemacht, das waren zwar ganz andere Voraussetzungen aber halt einfach so. Das ist für uns so, wir sehen das halt nicht. Wir sehen unsere Konto Eingänge und unsere Konto Ausgänge udn sehen die Ausgänge sind größer als die Eingänge, also behalten wir unsere Jobs lieber. Ich hätte Bock das einfach mal zu probieren, aber das ist so ein Schritt, den man sich nicht traut, weil man denkt, das kann nicht funktionieren. Wenn man richtig viel Musik machen will, wird man diesen Schritt irgendwann gehen müssen. Es fehlt einem ja sonst einfach die Zeit.

Sascha: Das ist wirklich eine Herausforderung mit dem Musiker dasein. Wir müssen dann halt mal gucken, ob wir uns das irgendwann mal als gesamte Band trauen oder ob wir diese Semi-Professionalität erhalten kann und das unter einen Hut bekommt. Es wird mit dem Alter natrülich auch nciht einfacher, mit veränderten Lebenssituationen etc., da hat sich bisher nichts fundamental verändert, daher läuft es gerade so auch sehr gut. Mal schauen was so das Album bringt und das nächste Jahr.

Chris: Den Schritt in die Armut traue ich mich auch noch nicht.

Wenn ihr euch als Band einen Filmtot aussuchen könntet, welcher wäre das?

Chris: Den von Superman! Dem neuen Superman vs. Batman Film.

Sören: Wie stirbt der denn da?

Chris: Der stirbt und dann stirbt er wieder nicht. Der Film endet: man sieht das Grab von Superman und dann ist da Sand drauf undd dann rieselt der Sand so runter und du denkst so „Fuck!“.

Sören: Das heißt, du möchtest auch mal lebendig begraben sein?
Also ich würde wahrscheinlich so metaphorisch wie Boromir sterben. Einfach von außen von deutschsprachigen Punkbands torpediert, bis man in die Knie geht.

Chris: Oder so wie bei Game of Thrones „Rote Hochzeit“. Das war krass! Da sind wirklich alle gestorben die da mitgespielt haben.

Sören: Ok, also alle Bands. Wir sterben und dabei alle anderen auch! Casper mitreißen, Kraftklub mitreißen!

Und wer ist dann der König?

Sascha: Der Techniker.

Chris: Oder The Deadnotes, die sind ja erst 12. (Sören bricht in schallendes Gelächter aus).

Sören: Ok, wir haben zwei Tode gefunden! Entweder Game of Thrones-Schlacht oder wie Boromir – heldehaft!

Smile and Burn live im Hafenklang:

Smile & Burn: Festival-Tour 2017

Ich bedanke mich für das großartige Konzert, das lustige Interview und den feucht fröhlichen Abend! Wer Smile and Burn auch live erleben möchte, sollte sich diese Festivals nicht entgehen lassen:

  • 20.05. – B58 Fest
  • 22.06. – Southside Festival
  • 30.-02.07. – Abi Festival Lingen
  • 07.-08.07. – Happiness Festival
  • 22.07. – Seepogo Festival
  • 27.-30.07. – Helene Beach Festival
  • 05.08. – Mini Rock Festival
  • 09.-14.08. – Open Flair Festival
  • 12.08. – MUPA Festival
  • 18.-19.08. – Green Juice Festival
  • 18.-20.08. – Karben Open Air

[asa]B01MXCOEK2[/asa]