Ob ich am 13.12. im Kukuun, über dem trubeligen Weihnachtsmarkt auf St. Pauli, tatsächlich ein kleines Weihnachtswunder erleben durfte, sei einmal dahingestellt. Wunderbar war der Abend aber allemal. Someday Jacob hatten zum Konzert in Hamburg geladen und mit der Aussicht auf reichlich gute Musik nahm ich dankend an. Die Band hat 2015 ihr zweites Album „It Might Take A While” auf dem Haldern Pop Label veröffentlicht und konnte damit allerlei Lob einheimsen. Kein Wunder, saßen da unter anderem auch Grammy-prämierte Menschen, wie Vance Powell und Richard Dodd, hinter den Reglern.

Auf dem Weg zum Konzert, quer über die Reeperbahn, wurden meine Nerven schon arg strapaziert. Es war laut und obwohl der Weihnachtsmarkt auch Sonntags auf Hochtouren läuft, fühlte ich mich wenig weihnachtlich. Nachdem ich den Eingang zum Kukuun gefunden hatte, war ich allerdings schon viel entspannter. Der Club ist modern und ansprechend eingerichtet und hatte wenig mit dem rauchigen Kellerclub zu tun, den ich erwartet hatte. Das Publikum durfte den Abend sitzend verbringen, bei Kerzenschein und kühlen Drinks. Ich habe mich zu einem Aperol Spritz hinreißen lassen und ja, Mann darf das.

Nach einer Ankündigung durch Someday-Jacob-Frontmann Jörn Schlüter ließ Robert Carl Blank das Publikum per akustischer Gitarre auftauen und versetzte es in die passende Stimmung. Zwischen den oft nachdenklichen Stücken gab es einige Anekdoten rund um die Songs, die aus den 30 Minuten Vorprogramm bereits mehr, als nur eine Präsentation einiger Musikstücke werden ließ.  Und wenn diese Stücke bereits so toll klingen, ist eh alles klar. Publikum und Künstler waren bereits auf einer Wellenlänge und verstanden sich prächtig.

Nach ein paar warmen Worten vom alten Bekannten Robert Carl zur Begrüßung, begannen Someday Jacob. Es wurde lauter, doch die Atmosphäre blieb entspannt. Zum größten Teil wurde das neue Album präsentiert, wenn auch einige ältere Stücke dabei waren. Und auch, wenn Jörn Schlüters Stimmvolumen nicht mit dem eines Robert Carl Banks zu vergleichen ist, so besitzen doch alle Stücke eine ganz besondere Magie. Melancholisch, sehnsüchtig, treibend. Das ist zwar Folk-Rock, doch auch die großen Pop-Momente lassen sich finden. Dass so eine Musik nicht von der Hobby-Band des pubertären Nachbarsjungen kommt, lässt sich erahnen. An den Instrumenten stehen gestandene Musiker und jeder Einzelne beherrscht seines perfekt. Das hört man live in jedem Song. Die Einsätze sind perfekt abgestimmt und das Konzert hält auch in seiner gesamten Länge stets den Spannungsbogen. Hier sind absolute Könner am Werk!

Besonders schön: Die Single „Rain”, die bereits auf dem Vorgänger-Album „Morning Comes” von 2011 zu finden war sowie „Glory Boys”. Treibende Drums und ein Refrain zum Mitsingen. Nicht umsonst gibt es dazu ein Roadtrip-Movie. Das klingt nach Getriebensein, Ruhelosigkeit und nach der Suche nach dem Glück.

„I speak of beauty because I can

The wounded heart is the better man

To every cut comes a ray of light

One man’s dark is another man’s light”

Zudem gab es allerhand Geschichten zu hören, die das Tourleben so schreibt. Falls sich zum Beispiel das weibliche Publikum beim nächsten Someday-Jacob-Konzert fragt, ob Schlüpferwerfen eine angemessene Art ist, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen: Ja, ist es. Zum Abschluss eines tollen Konzertes gab es noch eine Zugabe zwischen den Stühlen des Publikums. Denn Musik entsteht im Austausch zwischen Menschen. Ebenso, wie gute Songs im Austausch zwischen den Bandmitgliedern entstehen, wird auch ein Konzert erst im Austausch zwischen Band und Publikum zu dem, was es schlussendlich ist. Eine sehr schöne Geste am Ende eines sehr schönen Konzertes, das mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Danke an Matthias Endlich für die Konzertfotos!