16 Jahre lang hat das Grunge-Urgestein Soundgarden kein Album mehr aufgenommen. Zwischendurch war man 13 Jahre lang getrennt, bis 2010 die Reunion folgte und die anschließenden Reaktionen auf Touren von „großartig“ bis „schrecklich“ schwankten. Nun greifen die vier Rocker rund um Frontmann und Sänger Chris Cornell mit dem neuen Album „King Animal“ an.

Das Album besteht aus ingesamt 13 Songs und soll den endgültigen Neuanfang der Band aufzeigen. Eine neue Ausrichtung, eine neue Herangehensweise an das, was das Quartett stets ausmachte. Und überrascht muss ich feststellen: Das klappt hervorragend! Es ist immer noch ein Soundgarden-Album: Schwer, mürrisch, trotzdem irgendwie catchy und mitreißend. Aber es ist auch anders: Man merkt der Band an, dass sie gealtert und daher gereift ist. Die Arrangements wirken wohl überlegt und generell kommen die neuen Songs sehr erwachsen rüber.

Das fängt schon beim ersten Song „Been Away Too Long“ an. Kräftige Gitarrenriffs, scheppernde Drums und ein Cornell in Topform. Überhaupt zeigt Cornell endlich mal wieder, wozu er fähig ist, nachdem er seit der Trennung von Audioslave irgendwie eine Art Dürrestrecke durchlief. Es macht wieder Spaß, ihm zuzuhören und er schafft es nicht nur an vergangene Zeiten anzuknüpfen, sondern sogar, diese zu übertreffen.

Der erste Song stellt allerdings auch einen krassen Gegensatz zum Rest der LP dar. Alle anderen Songs sind noch einmal um einiges schwerer. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ob nun das vergleichsweise langsame „Bones Of Birds“, oder das viel rasantere „Attribution“ – Soundgarden besticht durch Klasse und Vielschichtigkeit. „By Crooked Steps“ wirft beispielsweise einige psychedelische Ansätze in den Pool, „Black Saturday“ und „Halfway There“ überraschen gleichermaßen durch Akkustikgitarren, für die Cornell durchaus nicht unbekannt ist und die gegen Songmitte durch Elektrik ergänzt werden. Der letzte Track „Rowing“ bildet dann einen tollen Abschluss von King Animal: Psychedelisch, langsam und mit einem mantraartigen „just keep on rowing“ als Devise.

Ich war im Vorfeld des Albums mehr als skeptisch darüber, ob Soundgarden denn überhaupt annähernd an vergangene Zeiten anknüpfen könnte. Es erschien mir einfach nicht plausibel, aber ich wurde nun doch eines besseren belehrt. King Animal ist ein tolles Album und eine klasse Rückmeldung von Cornell und Co. Durchweg erlebt man massiven Rock und nach zwei Jahren des Zweifels bin ich nun schlussendlich doch mehr als froh, dass Soundgarden wieder zurück sind. Chris Cornell schrieb ich bereits ab, zählte ihn als Gescheiterten an und dafür bestraft er mich mit diesem Album um so mehr. Ich sage es noch einmal: Ich bin froh, dass Soundgarden zurück sind und zitiere Chris Cornell: „I’ve been away for too long“.

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Tracklist:

  1. Been Away Too Long
  2. Non-State Actor
  3. By Crooked Steps
  4. A Thousand Days Before
  5. Blood on the Valley Floor
  6. Bones of Birds
  7. Taree
  8. Attrition
  9. Black Saturday
  10. Halfway There
  11. Worse Dreams
  12. Eyelid’s Mouth
  13. Rowing
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