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Der Wuppertaler Spinning 9 ist wohl einer der bestvernetzten Künstler in Deutschland. Einerseits ist er Teil der Glo Up Dinero Gang und damit wohl im Movement der Stunde. Auf der anderen Seite ist er Member von Soulja Boys Stacks on Deck Money Gang. Der aufgeweckte Leser ahnt, dass uns auf dem Debütalbum „Hinter der Hauptrolle“, welches letzten Freitag erschien, kein Boombap erwartet.

Wir haben ein sehr aufschlussreiches Interview mit dem Wuppertaler führen dürfen, in dem er seine Erwartungen an das Release bereits formulierte: Ihm ist wichtig, „für immer eine Basis in [seiner] Karriere“ geschaffen zu haben. So weit, so gut. Ich gebe zu, am Anfang war ich nicht besonders überzeugt. Das änderte sich allerdings mit wiederholtem Hören. Hier ist meine Chronik der Annäherung an ein Debütalbum eines vielversprechenden Künstlers:

Tag 1: Okay, aha, hm. Habe ich mir da einen Gefallen getan? „Hinter der Hauptrolle“ von Spinning 9 fängt zunächst bombastisch an. Für ein Intro ganz okay. Danach „100 Stacks“. Der Song klingt insgesamt immerhin besser, als der Titel vermuten lässt. Ich arbeite mich an der Tracklist entlang, doch erstmal kommt lange nix. Komische Flows, merkwürdige Betonungen und Anglizismus everywhere. Money Boy-Feature, Soulja Boy-Gastauftritt und am Ende sogar Kayef. War das nicht dieser komische YouTuber? Oh, Gott…

Tag 2: Nach dem Aufstehen kommt von irgendwo diese Melodie aus meinem Kopf. Tatsache: Ich verspüre Lust auf „100 Stacks“. Ist immerhin eingängig und gut gemacht. Ohrwurm gibt es gratis dazu. Darauf folgt „An Board“ mit hochkarätigem Feature. Frauenarzt spittet tatsächlich ein paar eindrucksvolle Bars, die am Tag zuvor geflissentlich missachtet wurden. Kann man machen und sollte man auch.

100 Stacks in der Tasche, 100 Stacks in nem ‘rarri
Outfit auch wieder nice und damit Eindruck machen auf Partys
Auch die fünf Sterne sind Standard
Immer wieder jeden Tag dafür dankbar
Wenn die Sonne untergeht Abflug mit den Gedanken an einer Strandbar!

Spinning 9 – 100 Stacks

Tag 3: Einzig und allein meiner journalistischen Sorgfaltspflicht geschuldet (und natürlich keinesfalls wegen der Refrains von „Der Turn Up ist real“ oder „Wenn er droppt“, die sich mantraartig in meinem Kopf wiederholen) wird „Hinter der Hauptrolle“ im Zug während der Rush Hour gepumpt. Geht auf einmal erstaunlich gut ins Ohr. Spinning 9 rappt flüssig, gekonnt und abwechslungsreich. Und dieses Ding mit den Refrains hat der Junge anscheinend auch verstanden. Leise höre ich mich im Zug singen: „Der Turn Up ist real! GODG, Squad Up, SOD – Bitch, der Turn Up ist real!“.

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Foto: Marvin Ströter

Tag 4: Mittlerweile feiere ich die meisten Songs von vorne bis hinten. „Heute nochmal“, „Retro“, „Orange County“ – kann ich alles mitrappen und fühl mich dabei tatsächlich gut. Nicht jede Zeile ist lyrisch auf Augenhöhe mit Nas‘ legendären Zeilen auf Illmatic, aber was solls? Das Album bietet mehr Singles als ein Freitagabend auf der Reeperbahn und hat somit vollste Daseinsberechtigung.

Ich will heute nochmal da raus, heute nochmal ins Rapgame
Heute nochmal Applaus und die gleiche Bitch in meinem Backstage
Würd‘ es alles so gehen, [nochmal!] würd‘ es alles so gehen
Würd‘ ich’s heute nochmal versuchen um das alles wieder zu sehen!

Spinning 9 – Heute Nochmal

Fazit: Man muss nicht jeden Song auf „Hinter der Hauptrolle“ feiern. Objektiv gesehen muss man allerdings attestieren, dass Spinning 9 fast alles richtig gemacht hat. Es gibt viele Hits, ein paar Tracks, auf die man auch hätte verzichten können, doch kaum Ausreißer nach unten. An anderer Stelle darf in dem Zusammenhang gerne über „Hausparty“ gestritten werden. Insgesamt hat der junge Mann sein selbstgestecktes Ziel übertroffen. Kein Album für die Ewigkeit, doch für den Abend im Club. Oder einfach für den iPod – whatever.

Rapper, die es schaffen positive Musik zu machen, um eine gute Zeit zu haben, gibt es leider immer noch zu wenig. Daher darf man Spinning 9 seine verspielte Herangehensweise an seine Musik nicht vorwerfen, sondern viel mehr respektieren und gutheißen. Oder man hört das Album, lässt sich überzeugen und feiert – so wie ich.

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