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Foto: Marvin Ströter

Am heutigen Freitag erscheint das erste Album von Rapper Spinning 9. Bevor ich in den kommenden Tagen meine zur Review mutierten Meinung über „Hinter der Hauptrolle“ zum Besten gebe, habe ich dem umtriebigen Mann noch ein paar Fragen stellen dürfen.

Der Wuppertaler muss schließlich einiges zu erzählen haben. Er ist sowohl ein Member von Money Boys Glo Up Dinero Gang, als auch vom SODMG Camp um Soulja Boy und daher nicht bloß in Deutschland bestens vernetzt, sondern auch in den USA. Veröffentlicht wird das Album über das Label Versunkene Fabrik.

Ich hätte mich durchaus auf ein paar Standardfragen beschränken können, doch wollte diese Chance, ein paar brisante Infos aus dem Künstler kitzeln zu können, nicht verstreichen lassen. Und so sind die Antworten zu persönlichen, musikalischen und sogar politischen Fragen hochinteressant ausgefallen. Viel Spaß beim Interview. Der Turn Up ist real!


noisiv.de: Wie unterscheidet sich die Arbeit an einem Debütalbum, im Gegensatz zu der an deinen bisherigen Mixtapes? Hast Du während des Schreibens und Aufnehmens Druck verspürt? Wie geht man so einen Prozess an?

„Es war schon etwas Druck hinter dem Ganzen”

Spinning 9: Es war schon etwas Druck hinter dem Ganzen. Bei einem Album versucht man sich ja meist irgendwie selbst zu überzeugen und einen Schritt weiter in Richtung Professionalität zu gehen, was bei Mixtapes oft anders ist. Bei Mixtapes ist es immer viel drauf los und frei raushauen, was man gerade fühlt. Teilweise habe ich Mixtapes in zwei bis drei Wochen geschrieben und in einer Woche aufgenommen. An meinem Album habe ich wirklich ca. vier Monate gearbeitet.

Meist überlege ich mir erst Songtitel, besorge dann Beats und fange danach an zu schreiben. Überlege mir dabei auch vorher schon, welche Features ich mit dazu holen könnte und wer gut auf welchen Song passt.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Versunkene Fabrik? Wäre es eine Option gewesen, ähnlich wie Money Boy, alles in Eigenregie zu realisieren?

Ich kannte einen meiner Versunkene-Fabrik-Label-Chefs (Julian Marchewka) schon eine Weile vorher. Er hat mich teilweise supportet und mir Propz für neue Video-Releases gegeben etc. So waren wir schon über Facebook und auf anderen Social-Media-Plattformen in Kontakt, haben uns öfters getroffen und sind dann auch relativ schnell private Freunde geworden.

Als es langsam anfing mit dem Hype um die GUDG, haben Julian und ich uns zusammengesetzt und darüber gesprochen, ob ein Album vielleicht sinnig und interessant wäre und ob ich nicht vielleicht als Künstler in die Fabrik einsteigen sollte.

Die Option auf Eigenregie wäre natürlich auch absolut da gewesen – habe ich die letzten fünf Jahre auch genauso gemacht. Doch der Label-Deal für ein Deutschlandweit vermarktetes Album klang sehr cool!

Wie sieht denn das Leben hinter der Hauptrolle aus? Du bist Mitte 20 und vermutlich mehr unterwegs, als zu Hause. Reicht die Zeit für eine Ausbildung und ein Privatleben?

Die Zeit ist oft knapp, aber reicht am Ende des Tages zum Glück immer aus. :) Ich arbeite halbtags in einem regulären Job und verdiene mein restliches Geld durch mein Musik-Ding. Passt alles ganz gut unter einen Hut.

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Foto: Marvin Ströter

Was waren Deine Einflüsse, als Du angefangen hast mit Rap? Auch wenn Dein Sound durchaus modern klingt, hast du ja einen sehr hohen Anspruch an deine Technik, die Dich von Künstler wie zum Beispiel LGoony unterscheidet.

Ich habe damals durch Eminem mit Rap angefangen, war auch immer ein Fan von lyrischem Hip Hop. Heute höre ich aber eigentlich nur noch Newschool Rap wie Migos, Soulja Boy, Rich The Kid, Young Thug etc. und finde selbst auch, es muss nicht mehr nur um Technik gehen. Trotzdem ist das Ganze noch zu sehr in mir verankert und kommt deshalb auch immer wieder in meinem Sound zum Vorschein.

LGoony, finde ich, ist zum Beispiel ein sehr, sehr talentierter Künstler.

Du bist Teil der Glo Up Dinero Gang, die ja durchaus auch Kontroversen liefert. Stichwort Splash oder der zuletzt verunglückte Auftritt in Wien. Wie positionierst du Dich zu solchen Aktionen deiner Kollegen?

Finde ich eigentlich alles lustig! Von mir sieht man solche Aktionen ja eher weniger, aber ich bin nun mal auch dabei und das passt schon. Letztendlich ist alles immer riesige Mundpropaganda und Promotion. Zur Splash-Zeit war das Orangensaft-verschütten-Movement gerade am Start und der Wien-Ausnahmezustand war nicht geplant. Oft ergeben sich die Sachen einfach so. Money aka YSL macht einfach das, was er für richtig hält und feiert.

Du bist regelmäßig in den USA mit Soulja Boy und seiner Entourage unterwegs. Wie wurdest Du da zu Beginn aufgenommen? Gab es Vorurteile Dir gegenüber? Einerseits als Europäer, aber auch als Rapper?

„Es war, als wären wir seit etlichen Jahren befreundet”

Ich wurde ganz gut aufgenommen, da ich vor meinem ersten USA-Trip zu Soulja und den SOD-Jungs erstmal ein Jahr lang in Deutschland geblieben bin, um meine Karriere hier zu pushen und meine Ausbildung im Job zu beenden. In diesem Jahr habe ich die komplette Entourage schon übers Internet kennengelernt und Songs mit ihnen gemacht. Ich war oft bis in die Nacht nur online, um zu connecten! So war es eher ein „Endlich ist Spinning 9 in den States“-Effekt, als ich das erste Mal rübergeflogen bin. Jeder von uns hat sich riesig gefreut den anderen zu sehen und es war, als wären wir seit etlichen Jahren befreundet.

Wie beurteilst Du die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in den USA? Besonders in Hinblick auf die anstehenden Wahlen und den enormen Erfolg von Trump?

Sehr verrückt alles. Darüber habe ich vor zwei Wochen noch in Atlanta mit meinen Jungs geredet. Alle sind sehr verwirrt und gespannt, wie es weitergeht. Es ist Wahnsinn mit dem Erfolg um Donald Trump. Soulja Boy hat letztens „They need to give Obama 4 more years!“ getweetet.

Was sind Deine Ziele mit diesem Album? Erfrischenderweise gibt es keine Box. Warum diese Entscheidung, immerhin könntest du damit noch weiteren Umsatz generieren…

Ziele habe ich keine zu großen angesetzt. Ich wünsche mir einfach, dass es ganz gut ankommt. Wichtig war mir endlich mein Debüt zu releasen und für immer eine Basis in meiner Karriere geschaffen zu haben. Ich habe oft mit meinem Label über eine Box geredet, aber das Ganze erschien uns allen nicht sehr produktiv. Umsatz ist auch immer eine schöne Sache, aber beim ersten Album wollen wir erst schauen wie alles läuft. Beim zweiten kommt eine Box dann schon eher in Frage.

Ich bedanke mich und wünsche dir viel Erfolg mit dem Album!