Steakknife 01

Steakknife – habt ihr schon einmal von dieser Band aus Saarbrücken gehört? Nein? Ich auch nicht. Das ist aber auch nicht unbedingt überraschend, denn das letzte Release der Band ist nun auch schon acht Jahre her. Am vergangenen Freitag haben sie mit „One Eyed Bomb” aber wieder ein Album veröffentlicht und das kann einiges – vertraut mir!

Steak One Eyed 801

Mit dem ersten Song zeigen sie direkt, wohin die Marschrichtung geht: Nach vorne! Zur Seite schauen? Ach, wer braucht das schon! Der Titeltrack erweckt Erinnerungen an den guten alten Skater-Punk der Neunziger und frühen 2000er, ohne dabei aber angestaubt zu wirken. Sänger Lee weiß seine Stimme exzellent einzusetzen und die Rhythmik hervorragend zu akzentuieren. Der Song ist ein schnelles Bekenntnis an den guten alten Punkrock, geht mit dem Kopf durch die Wand und hat eine ganz eigene, rhythmische Note. Der Songtitel trifft ins Schwarze: Der Song ist eine Bombe – eine Einäugige!

Genauso krachend geht es weiter mit dem nächsten Song namens „Harpoon”. Lee ist dort ein „gambling man” und ob er verliert oder gewinnt, ist egal – der Song haut rein! Auch hier bringen die eingehenden Licks den Tanzkörper bereits in den ersten Sekunden so richtig in Wallung! Die Kraft und ungefilterte Energie, die einem dabei entgegenballert, ist beendruckend und mir wird immer mehr bewusst, wie sehr ich diese Form von klassischem Punkrock über die letzten Jahre eigentlich doch vermisst habe.

Auffällig ist dabei auch, wie schnell sie da sind und wieder verschwinden – die Songs tummeln sich fast alle um die Zwei-Minuten-Marke. Lediglich „You Look Good (In That Guy’s Dress)“, „Wired Ego” und der Closer „Joe Cannon Has Left the Stage” haben eine „3” vor dem Sekundenzähler. Das wiederum macht einen großen Reiz der Songs aus. Die gleichen Songs hätten über vier Minuten hinweg wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Wirkung. Steakknife verpulvern ihre Munition in rasanter Geschwindigkeit und wissen, wann sie wieder aufladen müssen.

Zwar gehen Steakknife auf „One Eyed Bomb” prinzipiell immer nach vorne, allerdings wissen die Jungs die Vorgehensweise zu variieren. „Wired Ego” kommt beispielsweise eher „laid back” und gechillt punkig daher – und mit einer richtig coolen Bassline! „Finger In My Butt” hingegen zeigt einen typischen Frickelsound, der klimatisch in Street-Punk-Gefilden aufgeht und jeden Finger respektiv Korken aus dem Hinterteil zieht.

Dass sich die Jungs von Steakknife selbst nicht allzu ernst nehmen, zeigen sie auf mehreren Songs. „Urine.Asshole” ist eine lyrische Komödie, in der es eben um Urin, Arschlöcher und Perioden geht. Das trifft meinen persönlichen lyrischen Geschmack zwar nicht hundertprozentig, ist aber einwandfrei und sehr passend umgesetzt. Das gerade erwähnte „Finger In My Butt” geht in die gleiche Richtung und irgendwie passen Songs, wie diese, ganz hervorragend in dieses Album und zu dieser Band.

Ganz stark ist der Closer „Joe Cannon Has Left the Stage”. Hier wird fast schon eine Western-Stimmung konstant aufgebaut und ich fühle mich, wie im Finale einem Punk-Western. Ich würde tatsächlich schon sagen, dass Steakknife hier kreativ auf einem atmosphärischen Höhepunkt sind, denn atmosphärisch gibt es auf „One Eyed Bomb” keinen Song, der alleine deswegen so mitreißend ist.

Auch nach zigmaligem Durchhören des Albums kann ich kaum glauben, dass das aus Deutschland kommt. Genauso gut könnten Steakknife eine astreine US-Punkrock-Band der alten Schule sein. Solche Musik, zu der ich selbst aufgewachsen und mit der ich sozialisiert wurde, ist heutzutage leider viel zu selten geworden. Aus exakt diesem Grund hätte ich auch kein Problem damit, wenn Steakknife sich nicht noch weitere acht Jahre Zeit lassen für ein nächstes Album. ;)

Steakknife 02

Sofern ihr Steakknife mal live sehen möchtet, bieten sie euch demnächst die Gelegenheit dafür, denn die Jungs werden im Verlaufe der nächsten Wochen und Monate mehrere Städte in Deutschland besuchen:

Steakknife-Tourdaten

  • 03.10.2015 – Saarbrücken, Römerkastell (Release-Party)
  • 13.11.2015 – Frankfurt, Au
  • 14.11.2015 – Münster, Gleis 22
  • 20.11.2015 – Mainz, Caveau
  • 11.12.2015 – Karlsruhe, Alte Hackerei
  • 12.12.2015 – Freiburg, The Great Räng Teng Teng
  • 15.01.2016 – Bonn, Bla
  • 16.01.2016 – Bremen, Tower