Foto: Travis Delgado

Kaum eine Band löst in mir ein ähnliches Gefühl aus wie Stick To Your Guns. Und das Gefühl kommt nicht nur aus ihrer Musik, die mit unglaublich viel Leidenschaft und Liebe gemacht ist, oder ihrer unverwechselbaren Live-Show: Schaut man sich einige Interviews der einzelnen Bandmitglieder an, merkt man was außerdem für tolle Persönlichkeiten hinter der Hardcore-Fassade schlummern und welch Engagement für die Welt um uns in der Band steckt. So kam es natürlich, dass ich das neue Album „True View“ kaum erwarten konnte. Und sobald ich es digital in meinen Händen hielt, gab es natürlich kein Halten mehr – es musste sofort abgespielt werden. Und seit diesem Moment läuft es bei mir dauerhaft rauf und runter.

Alleine das Artwork des Albums kann sich sehen lassen. Wie in einem Interview verraten wird, wurde es von Donny Philips entworfen. Dieser setzte sich mit den Jungs zusammen und entwarf zu jedem Song ein eigenes Bild, Diese zieren das Albumcover von „True View“. Zudem wurde im Vornherein schon in einigen Interviews angedeutet, dass das neue Album weniger über politische Themen handelt, sondern sehr selbstreflektiv ist und viele persönliche Themen behandelt.

Nun wollen wir aber mal zum Album an sich kommen. Begonnen wird ganz typisch für Stick To Your Guns mit einer Audioaufnahme. Doch dieses Mal keine Aufnahme von Ghandi oder anderen wichtigen Personen, nein, sondern von der Mutter des Sängers Jesse höchstpersönlich. Bei der Aufnahme handelt es sich um eine Voicemail, die sie ihm schickte, als er sich in einer schlechten Lebenssituation befand. Diese Aufnahme verschmilzt mit dem ersten Song der Platte „3 Feet From Peace“. Als zweites Stück erklingt dann direkt die erste Single-Auskopplung „The Sun, The Moon, The Truth or ‚Penance Of Self’“. Beides Stücke, die die Lebensweise hinterfragen und klarstellen, dass jeder den Weg gehen sollte, den er für den richtigen hält.

Weiter geht es mit einem meiner Favoriten des Albums: „Married To The Noise“! Das Lied ist praktisch eine Liebeserklärung an die Hardcore-Musik und klingt auch genauso. Astreiner Hardcore, der sich sofort in den Kopf setzt. Der Song sagt aus, dass dieses Musik-Genre für viele ein wichtiger Lebensinhalt ist und in guten als auch in den schlechten Zeiten des Lebens hinter einem steht. Etwas was in der heutigen, oftmals sehr oberflächlichen, Szene nicht mehr selbstverständlich ist.

Doch, dass Stick To Your Guns auch anders klingen als der typische Hardcore-Sound haben sie auch schon auf dem letzten Album bewiesen und so soll es auch dieses Mal wieder sein. Mit „56“ oder „The Reach For Me or Forgiveness of Self“ zeigen sie ihre melodische Seite und eine Menge Clean-Gesang. Die Titel fügen sich gut in das Album ein und bieten eine schöne Abwechslung zu den sonstigen harten Gitarren und verzerrten Stimmen. Zudem ist der Gesang sowieso sehr einzigartig, was auch bei der Zweitband von Sänger Jesse, Trade Wind, zu hören ist.

Ein komplett selbstreflektierendes Album ohne tiefgehende politische Songs gab es bei Stick To Your Guns in der Form noch nie. Wer nun allerdings Angst hat, dass „True View“ weinerlich und traurig ist, muss sich keine Sorgen machen. Man hört trotzdem in vielen Songs die Wut, die im Inneren brodelt und die Breakdowns und Gitarren knallen wie zuvor. In der Verbindung mit einigen ruhigen Songs entsteht eine wohl perfekte Mischung der Emotionen.

 How can I live with myself and what I put you through?
This is not an apology or an admission of guilt.
This is a realization of how I destroyed all the things we’ve built.

Stick To Your Guns – Delinelle

Für mich ist das Album ein ganz großer Anwärter für mein Album des Jahres. Die Jungs gehören sowieso zu meinen Lieblingsmusikern, aber auf „True View“ zeigen sie nochmal was sie alles können. Auch den anderen thematischen Inhalt verpacken sie in alter Hardcore-Manier. Musikalisch schaffen sie eine perfekte Mischung aus dem alten und neueren Stick To Your Guns-Sound, womit wohl jeder Fan bedient sein sollte. Demnächst sind sie mit der Melodic-Hardcore-Band Being As An Ocean auch in Deutschland unterwegs. Da kann man sich dann auch endlich live von den neuen Songs des Albums überzeugen lassen!

Stick To Your Guns auf Deutschland-Tour:

  • 16.11. – Hamburg, Gruenspan
  • 17.11. – Nürnberg, Löwensaal
  • 22.11. – Rostock, Alte Zuckerfabrik
  • 23.11. – Berlin, Festsaal Kreuzberg
  • 24.11. – Münster, Skaters Palace
  • 25.11. – Hannover, Faust
  • 03.12. – Wiesbaden, Schlachthof
  • 05.12. – Stuttgart, Im Wizemann
  • 07.12. – München, Backstage
  • 08.12. – Leipzig, Felsenkeller
  • 10.12. – Köln, Essigfabrik