Storno. - Willkommen (Album-Cover)

Man nehme die Einleitung aus meiner Telemark-Rezension, tausche den Bandnamen aus und et voilà: Der perfekte erste Absatz zum neuen Storno.-Album ist geboren! Wobei: Die Duisburger Industriedämpfe scheinen so sehr auf Sänger Max Nuscheler einzuwirken, dass seine Wut direkt für zwei Alben reicht, denn er singt nicht nur für Telemark, sondern eben auch für Storno., die vor kurzem ihr Album „Wellness“ veröffentlichten. Ebenfalls interessant: Weitere Bandmitglieder sind ebenfalls bei Kurt und Flowerpornoes aktiv, die teilweise ganz andere Musikrichtungen verfolgen.

Storno. hingegen klingen rau, ungeschönt, wenig freundlich – viel eher total angepisst. Trotzdem sind sie immerhin so nett, als dass sie den Hörer im Opener direkt „Herzlich Willkommen“ heißen: „Weiter, immer weiter. Schule. Arbeit. Ellbogen raus. Gutes Gelingen!“ Moment, ist doch gar nicht so nett gemeint!

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Ihr Sound: Eine Mischung aus Garage-infiziertem Post-Punk, serviert mit herzhafter Noise-Rock-Beilage. Voll von Rhythmik, wo man eigentlich gar keine vermuten mag. Nuschelers Vocals tragen da eine ganze Menge bei – Songs, wie „Ausnahme Alltag“ profitieren unheimlich von seinen spielerischen Formulierungen.

Peinlich tanzen“ gehört ebenfalls in diese Riege an Songs, bei denen die Beine nicht still bleiben können. Da darf man dann tatsächlich auch mal peinlich berührend tanzen! Andere Songs spiegeln die ungebremste Wut wider: „Das ist noch gut“ und „Ärgern“ gehen so ungebremst nach vorne, dass man sich selbst erstmal festhalten muss.

Der Sound der Band funktioniert jedoch auch ohne Max Nuscheler ganz wunderbar: „Reden ist Silber…“, denn Schweigen ist Gold – das ist die Ansage in diesem Song. Überhaupt wissen die Instrumentals zu überzeugen! Vor allem die Basslines kratzen ganz tief in der Bauchgegend und tragen das Soundgebilde immer wieder.

Beeindruckend: „Wellness“ klingt keineswegs, wie eine Art „Extended B-Side“ von Telemark oder umgekehrt – eine Annahme, die einem im Anschein der naheliegenden Veröffentlichungszeiträume durchaus in den Sinn kommen könnte. Jeder Song des Albums motiviert und haut auf seine Weise in die Magengrube. Selten passte ein Albumtitel so gut, wie „Wellness“ in diesem Fall!