Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Konzerte auf einem Sonntag zählen ja wahrlich nicht zu meinen Lieblingsaktivitäten. Beizeiten lässt es sich aber nun leider nicht vermeiden, auch sonntags eine Konzertlocation aufzusuchen. So geschah es auch am vergangenen Sonntag. Warum ich mich dazu breitschlagen ließ, wusste ich Sonntag morgen nicht mehr so genau und war wirklich kurz davor, Charles zu schreiben, dass ich krank im Bett liege. Heute kann ich nur von Glück sprechen, dass ich es nicht gemacht habe!

Im Logo versammelten sich nämlich an diesem Abend einige hochkarätige Namen, die die Bude mit ihrem brachialem Hardcore abreißen wollten. Stray From The Path aus New York haben mit einer ausgedehnten Europa-Tour ihr neustes Album Release „Only Death Is Real“ gefeiert und hatten einige namhafte Gäste wie Obey The Brave, Capsize und Renounced mit am Start. Bis auf Capsize höre ich eigentlich keine dieser Bands auf regelmäßiger Basis bzw. habe jemals was von ihnen gehört. Von daher waren meine Erwartungen relativ niedrig und ich freute mich hauptsächlich auf mein Bett nach dem Konzert.

Pünktlich gegen 19 Uhr startete der Abend mit Renounced, die in Hamburg ihre letzte Show spielten, bevor sie zurück in das heimatliche England sollten. Dass sie schon länger auf Tour waren, sah man ihnen aber bei weitem nicht an. Voller Energie sprang der Sänger über die Bühne und schrie in das Mikro. Das Publikum war allerdings noch nicht wirklich warm geworden und verhielt sich relativ zurückhaltend. Das lag aber sicherlich nicht an der Band, die Anerkennung durch energisches Kopfnicken bekam, sondern daran dass die Location zu dem Zeitpunkt auch noch ziemlich leer war. Zum Abschluss des Sets holten die Jungs dann noch den Capsize-Sänger Daniel Wand auf die Bühne, welcher ein energisches Gastspiel ablieferte.

Als zweite Gruppe betraten dann auch Capsize aus Southern California die Bühne. Für mich war die Band der Hauptgrund, an diesem Sonntag überhaupt das Bett zu verlassen, da ich die Musik der Jungs unglaublich schätze. Musikalisch sind sie irgendwo zwischen Metalcore, Melodic Hardcore und Screamo angesiedelt. Mit sehr emotionalen Texten über Depressionen oder auch Selbstverletzung haben sie sich in den letzten Jahren in viele Herzen katapultiert.

Als die vier die Bühne dann betraten und die ersten Töne spielten, wurde mir schlagartig klar, dass es eine super gute Idee war, aus dem Bett zu steigen. Die Emotionen, die sie auch auf Platte schon wunderbar echt transportieren können, kommen live einfach nur um einiges intensiver rüber. Das Publikum hatte sich zu dem Zeitpunkt auch schon ordentlich warm gemacht und war bereit zum Abgehen. Sowohl den Menschen vor als auch auf der Bühne konnte man die Freude deutlich ansehen.

Nach einem kleinen Genre-Ausbrecher mit Capsize ging es nun mit ordentlich Hardcore weiter. So betraten als dritte im Bunde die Kanadischen Obey The Brave die Bühne. Um ehrlich zu sein, kannte ich die Band zwar vom Namen her, jedoch habe ich mich nie für sie interessiert, weil ich das Bild einer klassischen Hardcore-Band vor Augen hatte. Aber ich sollte mich getäuscht haben. Für mich definitiv die Überraschung des Abends.

Die Jungs lieferten eine Live-Show, die richtig Spaß machte und wohl wirklich jedem im Raum abholte. Scheinbar kannte die Band auch jeder in diesem Raum, ausgenommen Charles und ich, denn die Texte wurden sicher mitgebrüllt und ein Moshpit entwickelte sich schon nach den ersten Gitarrentönen. Sie präsentierten sicher ihre alten Klassiker und auch Songs von ihrem im diesem Jahr erschienenen Album „Mad Season“.

Abschließend betraten dann Stray From The Path die Bühne, welche den New Yorker Hardcore-Punk perfektioniert haben. Kein Wunder, denn genau da kommen sie ja auch her. Wer durch die vorherigen Band noch nicht angepisst genug von der Welt gewesen war, war es definitiv nach dem Auftritt der New Yorker. Die Natur des Hardcores und auch des Punks ist es ja irgendwie, scheiße drauf zu sein und auch alles scheiße zu finden. Auch das können sie ziemlich gut.

Und genau deswegen fühlt sich auch jede Show an wie ein einziger Befreiungsschlag gegen alles, was irgendwie gegen den Strich geht. Auch die Jungs haben es an diesem Sonntag geschafft, dass sich mal wieder alle richtig austoben konnten. Mindestens 80% des Ladens befand sich im Moshpit und die restlichen beschäftigten sich mit Crowdsurfen, was im äußerst niedrigen Logo nicht immer einfach ist. Aber eines konnte man aus den Gesichtern der Zuschauer eindeutig herauslesen: Die hatten verdammt viel Spaß!

Aus diesem Abend konnte ich lernen, dass es sich meistens doch echt lohnt, wenn man sich sonntags schweren Herzens von seinem Bett trennen kann. Denn der Abend im Logo mit Stray From The Path und Freunden hat echt verdammt viel Laune gemacht und somit einen perfekten Wochenabschluss gebildet. So konnte ich wieder glücklich heimfahren und mich mit einem super nervigen Tinnitus ins Bett legen.

Fotogalerie: Stray From The Path

Fotogalerie: Obey The Brave

Fotogalerie: Capsize

Fotogalerie: Renounced

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