Foto: Stephen Vanasco

Rhymesayers-Signee und Dilated Peoples-Member Evidence bringt ein neues Album raus und Wolkenberge beginnen sich aufzutürmen, Sturmböen fegen das Laub von der Straße und adulte Großstädter ziehen den Hoodie tiefer ins Gesicht. „Weather Or Not“ heißt das neueste Album und macht dort weiter, wo Evidence nie aufgehört hat.

Nun gut, das letzte Solo-Album ist nun auch schon sieben Jahre her und ob man bei drei Solo-Alben von Kontinuität sprechen kann, ist ebenfalls fragwürdig (nicht unerwähnt sollen hier das Dilated Peoples Album „Directors of Photography“ und „Lord Steppington“ mit The Alchemist bleiben, die beide 2014 erschienen). Zumindest lässt sich festhalten, dass Evidence seinen eigenen Sound bereits auf „The Weatherman LP“ von 2007 gefunden hatte.

Darauf waren einerseits das arschcoole „Mr. Slow Flow“ als auch das soulig, warme „Chase The Clouds Away“, die seitdem beide musikalischen Pole von Evidence perfekt ausloten. Das ändert sich auch auf der neuesten Platte nicht. Nur die Drums klingen trockener, irgendwie gradliniger und passen sich damit perfekt der trockenen und ignoranten Vortragsweise von Evidence an, die seit „Cats and Dogs“ noch um einige Grade kühler geworden ist.

Bei all dieser Abgeklärtheit, Zerknirschtheit und Resignation ist man fast froh, dass nach jeder Zeile noch eine weitere folgt. Ein wenig befürchtet man ja, dass der gute Mann auf einmal keinen Bock mehr hat und aus der Booth flüchtet. Sei es die erste Single „Throw It All Away“ oder das grandiose „Runners“ mit Defari, in dem Evidence einen ebenbürtigen Partner findet: „Here is some advice: quit your fuckery!“

Zentraler Song auf der LP ist das minimale, reduzierte „Rain Drops“, in dem endlich der Regen einsetzt. Darin taucht die Zeile „Went through writer’s block just to write a song“ auf, und wie um zu zeigen, dass die Schreibblockade überwunden ist, werden daraufhin wieder Bars gedroppt, als hätte es nie geregnet. Im Gegensatz zur ersten Hälfte klingt Evidence aber ein wenig versöhnlicher und es wirkt, als würde er sich auf „Love Is A Funny Thing“ und „10,000 Hours“ selbst erklären wollen.

Naja, von diesen alltagspsychologischen Ausflügen halte ich nicht viel. Fest steht: „Weather Or Not“ ist das bis Dato beste Album vom Dilated Peoples-Rapper. Das Soundbild ist runder, lässt weniger Ecken zu, ohne dadurch an Kante zu verlieren. Und dieser Slow Flow ist auch in 2018 cooler als eine Kaltwetterfront – sorry, aber eine Wetterreferenz musste ich noch einbauen. Gutes Album.

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