sufjan

Back to the roots! Nachdem der Singer-Songwriter Sufjan Stevens sich zuletzt in neuen Gefilden austobte – so auf dem instrumentalen „The BQE“ oder dem pompösen, elektronisch geprägten „The Age of Adz“ – kehrt er nun zurück zu einem sehr akustischen Sound. Früher schrieb er gern Alben über amerikanische Staaten, beispielsweise auf dem großartigen „Come on feel the Illinoise“, jetzt hat er ein sehr persönliches Album gemacht. „Carrie & Lowell“ handelt von seiner Mutter, ihrem neuen Mann und der Zeit, die Sufjan Stevens bei ihnen als Kind verbrachte.

Die elf Songs auf Stevens‘ neuestem Werk klingen allesamt fragil, kommen oft mit seiner Stimme und Gitarre aus, teils angereichert mit Streichern, Pianos oder sanften Synthies. Drums finden sich auf dem gesamten Album keine. Und wo das einleitende „Death with Dignity“ noch recht positiv daherkommt, kehrt schnell eine große Melancholie, teilweise auch Düsternis in die Songs ein. In „Should have known better“ berichtet Stevens konkret aus seinem Leben:

„When I was three, three maybe four, she left us at that video store. Oh, be my rest, be my fantasy.“

Wenn der 39-Jährige die letztgenannte Zeile mit seiner hoch gelagerten Stimme singt, fühlt man sich als Hörer schnell heimelig und lässt sich von Stevens, seinem Sound und seinen Lyrics vollkommen einnehmen. Das stakkatisch auf der Gitarre eingespielte „Drawn of the Blood“ kommt spannungsgeladen daher, dann wieder spannt Stevens diese eingängigen, hervorragend gewählten Melodiebögen, die seine Songs seit jeher auszeichnen und ihn zu einem so herausragenden Künstler machen.

Das beeindruckendste Stück des Albums: „The only Thing“. Allein Stevens‘ Gitarrenspiel weiß Gänsehaut zu erzeugen. Spätestens wenn sich leichte Streicher dazugesellen und er über die Suizidalität seiner Mutter, aber auch seine eigene selbstzerstörerische Ader singt, kann man nur noch gebannt vor den Lautsprechern verharren:

„Do I care if I survive this, bury the dead where they’re found
In a veil of great surprises; hold to my head till I drown
Should I tear my eyes out now, before I see too much?
Should I tear my arms out now, I wanna feel your touch“

Die Atmoshäre, die Sufjan Stevens auf dieser LP zu erzeugen weiß, ist an mancher Stelle wirklich atemberaubend. Und es stimmt glücklich, dass er nun wieder in akustischeren Gefilden wildert – etwas überkandidelt war „The Age of Adz“ dann doch. Mit „Carrie & Lowell“ liefert Stevens eins seiner besten Alben ab und spielt sich so zurück in den Olymp der ganz großen Singer-Songwriter dieser Welt.

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