Surf Dads: Live in der Döser Börse

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Vor kurzem erst haben LIRR. die zweite Auflage ihrer „Ritual“-EP veröffentlicht, auf der sie eine kalte und gleichzeitig kraftvolle Mischung aus Post-Hardcore, Punk, Screamo und Emo zelebrieren. Ihre Musik ist irgendwie anders und gerade deswegen auch so interessant. Am vergangenen Freitag spielten sie dann ein Konzert in der Döser Börse in Cuxhaven – einem winzig kleinen Punk-Schuppen in meiner alten Heimat.

Dort übernahmen sie den Support für Surf Dads aus Kanada. An einem Abend also LIRR. endlich mal live sehen, dann auch noch eine neue Band kennenlernen und das alles in intimster Club-Atmosphäre – der Abend war für mich geritzt! Traditionellerweise beginnen Konzerte in der Döser Börse erst sehr spät (LIRR. fingen um 22:30 Uhr mit ihrem Set an), sodass ein stressfreier Konzertabend mit reichlich Mexikaner und Bier sozusagen von der Live-Musik gekrönt wurde. Aber der Reihe nach:

LIRR. sind laut und geil!

LIRR.: Live in der Döser Börse

Bereits in ihren Studioaufnahmen sind LIRR. laut und preschen ordentlich nach vorne. Das ist live nicht anders – ganz im Gegenteil! Sie fingen an und es der Sound erschlägt einen mit Mal, dass es einem die Schuhe auszieht! Sänger Leif Marcussen, der sich vor der Bühne aufstellte (selbige ist sehr klein und schnuckelig in der Döser Börse) und somit beinahe Kopf an Kopf zur ersten Reihe stand, schreit jede einzelne Textstelle mit voller Inbrunst heraus.

LIRR.: Live in der Döser Börse

Ingesamt war das Set jedoch von Instrumentals geprägt und die funktionieren bei der Band wunderbar. Sie haben es gar nicht nötig, Gefühlslagen und Geschichten mit vielen blumigen Worten zu umschreiben – stattdessen lassen sie das ihre Musik für sich erledigen und das wirkt. Raue, stürmische Töne mit typisch norddeutscher Kälte erfüllen den Raum und man schaut gebannt dabei zu, wie sie sich bei Songs, wie „Tongue“ oder „Skin“ die Seele aus dem sprichwörtlichen Leib spielen.

Nach einer knappen halben Stunde beendeten sie ihr Set so plötzlich, wie es anfing und ich bin komplett beeindruckt. Schon alleine für die Flensburger Truppe hat sich die Zugfahrt von Hamburg nach Cuxhaven gelohnt und dann kamen ja erst noch die Surf Dads auf die Bühne.

Surf Dads: So muss Pop-Punk sein!

Surf Dads: Live in der Döser Börse

Die Surf Dads fangen an zu spielen, während ich noch an der Theke stehe. Fix eile ich vor die Bühne, will zur Seite gehen und schwupps: Ich hab den Mikrofonständer von Sänger Gage McGuire umgeworfen. Warum sowas immer ausgerechnet mir passieren muss – die Wege des Herrn sind unergründlich, oder so ähnlich.

Die Panne brachte die Gruppe jedoch nicht ins Straucheln, stattdessen wurde ordentlich Dampf gemacht! Sie spielen Pop-Punk, der immer nach vorne geht und vollgeladen ist mit Energie und Spielwitz. Sie bewegen sich fernab nerviger Selbstironie und Kleinkindhumor, mit denen sich Pop-Punk für mich im Großen und Ganzen stets ins Abseits stellte. Das gefällt und haucht dem Genre, das in den letzten Jahren für tot befunden wurde und nun so langsam wieder in Fahrt kommt, irgendwie etwas neues und motivierendes ein.

Surf Dads: Live in der Döser Börse

Obwohl Surf Dads noch eine sehr junge Band ist, haben sie bereits vier EPs via Bandcamp veröffentlicht, sodass die Truppe über eine knappe Stunde hinweg aus dem vollen greifen konnte. Songs, wie „Holding Back“, „Found Yourself In Thailand“ und der Set-Closer „Mystery/History“ lassen das Publikum, das einen immer besseren Draht zur Gruppe findet, aufhorchen.

Am Ende des Sets wurden die Surf Dads richtig vom Publikum gefeiert. Da hat eine Band alles gegeben und ordentlich überzeugt. Auch für mich war klar: Das hat sich gelohnt! Dafür verlässt man die Hansestadt doch gerne mal. Sowohl für LIRR., als auch für die Surf Dads, gilt: Wenn sie in eurer Nähe spielen: Hingehen! Im Laufe dieser Woche spielen die Surf Dads beispielsweise übrigens zwei Auftritte beim Reeperbahn Festival und LIRR. werden Heisskalt auf ihrer Tour in einigen Städten supporten!

LIRR. mit Heisskalt auf Tour

  • 23.09. – Kaiserslautern, Kammgarn
  • 24.09. – Freiburg, Jazzhaus
  • 25.09. – Frankfurt am Main, Das Bett
  • 28.09. – Berlin, Lido
  • 29.09. – Dresden, Beatpol
  • 30.09. – Augsburg, Kantine
  • 01.10. – Münster, Sputnikhalle
  • 02.10. – Leipzig, Werk 2

Surf Dads auf Tour in Deutschland

  • 19.09. – Berlin, Schokoladen
  • 21.09. – Hamburg, Reeperbahn Festival
  • 22.09. – Hamburg, Reeperbahn Festival
  • 23.09. – Leipzig, Ex-Blackhammer
  • 27.09. – Freiburg, KTS
  • 30.09 – Mannheim, tba
  • 01.10 – Essen, Cafe Nova
  • 02.10 – Saarbrücken, Sinop

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