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Bildquelle: Revolver Promotion

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll. Am besten so: Das neue Album von Swiss & die Andern ist verdammt gut. Im Gegensatz zum Vorgänger „Große Freiheit“ von 2015 gibt es diesmal mehr Sozialkritik und weniger persönliche Songs. Klare Positionen gegen Rechts. Mehr Punk, könnte man sagen.

Swiss ist nunmehr kein Unbekannter und veröffentlichte sein erstes Album „Es Kann Nur Einer Befehlen“ schon 2008. Ein klassisches Rap-Album, obwohl bereits damals eben jene Themen angesprochen wurden, die sich bis heute in seinen Songs wiederfinden. Zum Beispiel nannte Swiss seine Musik damals „Tablettenrap“ und auch der Begriff „Missglückt“ tauchte bereits auf. Logisch, dass daraus irgendwann die „Missglückte Welt“ entstand.

Mittlerweile klingt der Sound nach Punk. Und das Zusammenspiel mit der Band bzw. den „Andern“ funktioniert ausgezeichnet. Produziert hat wieder Hip-Hop-Legende Sleepwalker. War „Große Freiheit“ noch ein erster Testlauf auf dem einiges ausprobiert wurde, spielt „Missglückte Welt“ die Stärken der Band voll und ganz aus.

Neben der unglaublichen Präsenz des Frontmanns sind diese vor allem das Zusammenspiel der Band und die ausgeklügelten Arrangements. Da klingen die Strophen verdammt rau und punkig, werden in der Bridge aufgebrochen und im Refrain erklingen auf einmal etwas weichere Töne. Dazu kommen dann Variationen in Intro und Outro der Songs, Soli und und und. Langweilig wird es jedenfalls nie.

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Bildquelle: Revolver Promotion

Es wurde angesprochen: Ab und an stimmen die Herren auch mal sanftere Töne an. Man höre „Ausgebombte Herzen“ oder „Perfekte Imperfektion“. Im Gegensatz zu einigen Passagen des letzten Albums, schafft es Swiss dieses Mal jedoch perfekt, auf der dünnen Linie zwischen Poesie und Kitsch zu balancieren:

Egal wie viele Zweifel uns auch quälen,
Wieviel kranke Zeiten wir auch sehen,
Ich liebe deine perfekte, perfekte Imperfektion!

Swiss & Die Andern – Perfekte Imperfektion

Dem gegenüber stehen natürlich auch härtere Titel, wie „Der falsche Song“ oder „Die Nacht“. Allen Tracks gemein sind Angriffe und Anklagen gegen Bürgerlichkeit und Deutschtümelei. Swiss scheint nun zu wissen, dass nicht er missglückt ist, sondern eigentlich der Rest seiner Mitbürger. Hat er wahrscheinlich auch recht mit, schaut man sich die aktuelle gesellschaftliche Lage an.

Wichtig für das Album: Rio Reiser. So heißt es in dem Song „Pogo“: „Wir sind die Kinder von Ton Steine Scherben“. Neben dem Cover vom „Rauchhaussong“ hört man immer wieder Referenzen an die Rockband, die in den 70er Jahren eher unfreiwillig zu Ikonen der linken Szene stilisiert wurde. Es ist deutlich zu hören, dass sich Swiss auch gesangstechnisch an Rio Reiser orientiert. Die Stimme ist kratzig, verbraucht und droht beinahe zu versagen. Nichts für Talentshows, doch der Hamburger schafft es so auf fast beängstigende Weise, die „Missglückte Welt” nach draußen zu transportieren (man höre „Gangster vom Asylheim“).

Absolutes Highlight der Platte und dank Heinz Strunk sehr aktuell: Der Song „Der Kopf der Gertraud Bräuer“ mit Shocky (gute Reise!) und der Hofkomponistin. Das sei hier nur kurz erwähnt.

Wahrscheinlich ist Swiss nicht jedem gleich sympathisch. Dennoch handelt es sich bei dem Album „Missglückte Welt“ um eine LP, die verdammt viel Spaß macht. Jeder Song für sich ist verdammt stark, aber ebenso essentiell für das Konzept. Es überzeugt nicht nur durch die sehr richtige politische Haltung, sondern auch mit der Detailverliebtheit, mit der hier produziert wurde. Super Album!

Missglückte Welt erscheint am 01. April.

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