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Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

This Charming Man Records dürfte Szene-Kennern durchaus ein Begriff sein, publizieren sie doch die Alben von Fjørt, Die Nerven, Messer, Freiburg und Co. Zur wohlverdienten Selbstbeweihräucherung veranstalten sie auch die TCM Feste, die am 14.10. im Berliner Club Linse, am 15.10. im Hamburger Hafenklang um am 11.11. im Münsteraner Gleis 11 stattfanden bzw. stattfinden werden. Bei der Hamburg-Ausgabe klingelten bei mir natürlich die Glocken – selbstredend, dass ich mir das Spektakel in Hamburg nicht entgehen ließ.

Hey Ruin und Heads. heizen kräftig ein

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Aus Trier und Köln stammen die vier Herren von Hey Ruin. Grob lassen sie sich irgendwo zwischen Emo- und Indie-Punk einordnen, wenn man das denn unbedingt tun will. Vor allem aber hauen sie auf die sprichwörtliche Kacke. Wenn sie sagen, wer sie sind, versteht man nur allzu leicht „Wir sind Heroin“ und irgendwie kommt das hin. Mit „Schleuse“ legen sie so richtig krachend los – da bleibt kein Stuhl auf dem anderen!

Über „Appetite for Deconstruction“, „Zwerge“ und beide Teile des Zweiteiler-Songkonstruktes „Arthur und die Diaspora“ vermitteln sie Leidenschaft und den gewissen Instinkt für krachige, aber zielorientierte Punk-Sounds. Das legt die Latte schonmal ganz schön hoch für die nachfolgenden Bands!

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Heads., das Konstrukt aus zwei Berlinern und einem wandernden Australier, schlagen hingegen eine völlig andere Richtung ein: Noise- und Post-Rock mit einer gewaltigen Stoner-Würze, die gerade bei mir punktgenau einschlägt. „Foam“, „Black River“ (der letzte Song ihres Sets) und Co. sind schwergängige Midtempo-Kracher, die sich ihre Zeit zum Aufbau nehmen und in die sich viele sicherlich erst reinhören müssen, spätestens dann aber vollumfänglich einzufangen wissen.

Nach den Performances der beiden ersten Gruppen dieses Abends wird klar: This Charming Man Records haben ein recht breitgefächertes Portfolio aufzuweisen, was grundsätzlich eine super Sache ist. Es ist inzwischen Halbzeit und mein alter und geschundener Punker-Rücken meldet sich so langsam. Ans Ende ist aber noch lange nicht zu denken, denn da kommen noch zwei Gruppen! Also, lieber Rücken: Klappe halten! Du hast hier nichts zu melden!

Freiburg schreien sich an und Heat haben gute Laune

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Mein persönliches Highlight des Abends: Freiburg! Ich für meinen Teil habe die Emo-Punker ohnehin bereits in mein Herz geschlossen, denn nicht umsonst sah ich das Gütersloher Quartett bereits in Oberhausen, Bochum und beim diesjährigen Angst macht keinen Lärm. Ich weiß also um ihre Qualitäten und gerade deswegen erfreue ich mich an jedem ihrer Auftritte, die ich sehen kann.

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Das war auch im Hafenklang nicht anders: „Der Fall ins Messer“ war wieder ein lauter, tempogetriebener und geiler Einstieg! „Keine Gefangenen mit dem Messer“ – das war die Devise und die wurde umgesetzt! „Große Träume, wa?“: „Haben Sie gesehen? Aktion, Reaktion!“ – mehr müsste man dazu eigentlich nicht mehr sagen. Da brauchen sie auch nicht großartig reden (das tun sie auf der Bühne ohnehin nie), denn sie lassen einfach ihre Musik für sich sprechen.

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Den Abschluss machten dann Heat, die ebenfalls aus Berlin kommen. 70s-Power-Rock soll es sein – so zumindest die Beschreibung vom Label. Die Band kommt auf die Bühne und ich merke bereits jetzt: Das stimmt! Sowohl das Quintett, als auch die Songs könnten in ihrer exakten Form genauso gut auch ihren Platz in den Siebzigern finden.

Trifft das meinen persönlichen Musikgeschmack bisweilen überhaupt nicht, kann auch ich ihnen immerhin zugutehalten, dass sie der Crowd richtig gut eingeheizt haben. Die Leute haben sich bewegt und getanzt – am Ende des Tages ist ja genau dies das Ziel dieser Musik und das haben Heat ausnahmslos erreicht. Das zauberte der Band auch das eine oder andere große Grinsen ins Gesicht, die bestgelaunt auf der Bühne abgingen.

TCM: Vielfalt, die auch an einem Abend zusammenpasst

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Nach einem insgesamt durchaus sehr gelungenen Konzertabend trete ich also den Weg des Rückenschoners gen Heim an und muss festhalten: Das hat sich gelohnt! This Charming Man Records haben ein facettenreiches Portfolio, das sie an diesem Abend auszugsweise darstellten und bei dem man eine Menge Spaß haben konnte.

Gerade deswegen lässt sich am Ende auch festhalten: Selbstbeweihräucherung? This Charming Man Records darf das! Und überhaupt: Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann schaut am 11.11. im Gleis 11 in Münster vorbei! Auch dort ist das Line-Up eines der sehr interessanten Sorte: Hey RuinÅnd, Insanity Alert, Closet Disco Queen und Goodbye Fairground – auch dort wird also die musikalische Diversität zelebriert und das kann TCM ja.

Konzertfotos vom TCM Fest im Hafenklang

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