Telemark - Input/Out (Album-Cover)

Hat ja nur sieben Jahre gedauert! Telemark aus dem grauen Duisburg mit der gelben Industriewolke über der Stadt sind zurück. Was macht man in dieser Zeit? Die einen gehen ihrem normalen Leben nach und versuchen möglichst unbeschadet durch selbiges zu gelangen. Telemark fallen nicht in diese Kategorie, wie sich schnell zeigt. Stattdessen stauten sich offenbar Aggressionen an. Sie sind sauer und genau so hört sich ihr neues und inzwischen viertes Album „Input/Out“. Es musste ein Ventil her, also ab damit auf eine Platte!

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Sänger Max bringt diese gesammelte Aggressionen gesanglich immens eindrucksvoll herüber. Da geht es gegen Jammerlappen („Jammer Jamma Hey“), rechten Dreck, wie in „Kopfreiniger (Mental-Discounter)“, roboterartige Dummheit („Menschomat“) und derlei andere kritische Themen. Es mögen mitunter bekannte Themen sein, die sich im Spektrum der (Post-)Punk-Szene immer wieder finden, jedoch werden sie hier so ungeschönt und doch anspruchsvoll zum Ausdruck gebracht, wie sonst nur selten. Seine Stimme passt wie die Faust aufs Auge für die besungenen Themen. Rau, kantig, den musikalischen Mittelfinger weit in die Höhe gereckt.

Die Instrumentalisierung steht dem in nichts nach; es schrammelt und drückt, der Sound geht nach vorne und der Post-Punk-typische Fokus auf Atmosphären ist omnipräsent. Anders, als in der Vergangenheit nehmen die Synthesizer-Sounds einen größeren Stellenwert ein und füllen den Raum. Beileibe werden Telemark nun nicht zur Synthie-Band, jedoch bringt es das Soundgebilde insofern weiter, als dass die Synthies eine erweiterte Möglichkeit zum Atmosphäre-Aufbau geben – etwas, das hervorragend funktioniert

Wenngleich das musikalische Gebilde vor allem durch diese rauen und kräftigen Elementen besticht, hat die Band auch ein nicht zu verachtendes Gefühl für eingängige Rhythmen – „Kaputte Köpfe“ und „Gerne morgen“ gehen ins alternative Tanzbein. An anderen Stellen beweist Max jedoch ein gutes Händchen für klevere Wortspiele. Das bereits angesprochene „Kopfreiniger (Mental-Discounter)“ – überdies mein persönlicher Favorit des Albums – ist hier ein schönes Beispiel dafür:

Man wird doch wohl mal sagen dürfen
Die Wahrheit einfach sagen dürfen
Es braucht nur einen Mutigen
Aussprechen, aussprechen
Ich spreche nicht ironisch
So gar gar nicht ironisch
Ich breche ganz im Ernst
Ausbrechen, ausbrechen

Telemark – Kopfreiniger (Mental-Discounter)

Meisterlich schaffen sie dabei den Spagatsprung zwischen codierter Kryptik und klar verständlicher Aussage. Die grundlegenden Themen werden schnell klar und wirken motivierend, bis man das lyrische Gesamtbild versteht und für sich interpretieren kann. Das macht die gesamte Musik einerseits zugänglich, andererseits aber auch angenehm herausfordernd.

„Input/Out“ ist der festgehaltene Beweis dafür, dass man in sieben Jahren nichts verlenen muss und gleichermaßen unbequem bleiben kann. Die Songs sind gut ausgearbeitet und voller Ideen, gehen nach vorne und sind dabei smart gemacht. 2016 ist ein hervorragendes Jahr für deutschen (Post-)Punk und dafür haben auch Telemark ihren Anteil geleistet! Jetzt lässt sich nur noch wünschen, dass sie nicht wieder fast eine Dekade im Nichts der gelben Industriewolke verschwinden.