The Aqualung 01

Wenngleich Post-Rock in den letzten Jahren nur wenige Schritte nach vorne gemacht hat, blieb meine Schwäche für Druckvolles und Pathetisches bis heute erhalten, wobei diese immer mal wieder auf eine harte Probe gestellt wird. Eine erneute Probe stellt „We Bare All“ vom deutschen Quartett The Aqualung dar. Nach der ersten EP aus 2013 steht nun also das erste Album der Band an, die sich irgendwie zwischen Post-Rock und Alternative-Rock bewegt. Wie gut konnte die Band jene Probe nun aber eigentlich meistern?

The Aqualung - We Bare All

The Aqualung machen definitiv härtere Musik als man es von durchschnittlichem Post-Rock erwartet – oft hört man sogar die ein oder andere Metal-Anleihe aus den Arrangements heraus, darüber hinaus schwebt beinahe durchgehend das Adjektiv „progressiv“ über den Songs und in den Gedanken, wenn man sich durch die Songs hört. Nichtsdestotrotz halten es die Jungs in jenen Arrangements insgesamt eher simpel.

Alle Songs strahlen dabei ein sehr „warmes“ Gefühl aus, da sie komplett live eingespielt wurden. Man merkt es jedem Album an, wenn es live aufgenommen wird und das ist auch hier nicht minder präsent. Das untermauert wiederum auch die Prämisse von „We Bare All“, die vorgibt, die Songs nicht verkomplizieren zu wollen, um stattdessen handgemachte und ehrliche Musik zu schaffen.

Die Bandbreite der Songs ist zudem überraschend weitreichend. Mit „Awake The Sleeping Dogs“ steigt das Album ruhig ein und baut sich nach und nach zu einer immer größer werdenden Wall of Sound auf, die immer wieder etwas umgebaut wird und mich so direkt zum Weiterhören anspornt. „Into The Wild“ ist dann der erste Song, der beschriebene Metal-Anleihen einbaut und eine beklemmende Atmosphäre aufbaut, zu der der Text sehr gut passt.

The Aqualung 02

Dazu gegensätzlich steht hingegen das sehr ruhige „Metasphere“, das zum Zurücklehnen und Augenschließen einlädt. „The Aqualung Part II“ ist wiederum ein sehr verträumt wirkender Song, der irgendwie groovig wirkt, durch eine tolle Bassline geprägt wird und sehr abwechslungsreich ist.

Über die gesamte Laufzeit von „We Bare All“ schaffen es The Aqualung dabei, stets neue Aspekte in ihre Songs zu werfen und diese gekonnt zu verarbeiten. Beim Hören spüre ich regelrecht, wie sie beim Spielen vor Selbstvertrauen strotzen und an ihre Songs, ihre Kompositionen und in ihre Ideen glauben. Das finde ich imponierend und in einem Genre wie Post-Rock, in der Attitüde einiges ausmacht, verhilft es den Songs, nochmal besser rüberzukommen.

Ob The Aqualung Post-Rock neu erfinden? Das mit Sicherheit nicht, allerdings war das auch sicherlich nicht ihr Ziel. Viel mehr nimmt sich das Quartett dieses Genre und schmückt es mit vielen interessanten Ideen aus, sodass es eines der frischeren Post-Rock-Alben der letzten Zeit ist. „We Bare All“ weiß über die gesamte Laufzeit zu fesseln, immer wieder aufs Neue zu motivieren, immer wieder aufs Neue zu überraschen und zieht den Hörer dadurch ebenso immer wieder aufs Neue in sich hinein.

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