Foto: Community Promotion

Das inzwischen 8. Studioalbum der Black Lips greift schon beim Anblick der Tracklist nach den Sternen: Die Jungs aus Atlanta haben uns eine Overtüre, mehrere Interludes und ein Finale mitgebracht. Angeführt wurde „Satan’s Grafitti or God’s Art?“ im Vorfeld von der Single „Can’t Hold On“, welche eine grandiose Rückkehr zu ihrem fragilen, dreckigen Garage-Punk mitsich brachte. Entsprechend aufgeregt und nervös war ich dann auch, als ich mich mit rund 56 Minuten Albumlänge konfrontiert sah. Was haben The Black Lips auf den anderen 17 Titeln nur mit mir vor?

In der knappen Stunde, in der das Album aus den Boxen geschossen kommt, fühlt man sich als Hörer dabei ertappt, immer wieder an den Albumtitel zu denken: zu häufig werden traditionelle Songstrukturen ihres Garage-Sounds durch den Einsatz niederwalzender Gitarren („Lucid Nightmare“), Saxophone und wüster Vocalschreie („Occidental Front“) durchbrochen, während sich die Truppe an der nächsten Ecke mit Balladen wie „Crystal Night“ wieder im Zusammenreissen übt. Das zerfaserte Bild, dass die Band auf „Satan’s graffiti or God’s art?“ abgibt, kommt allerdings nicht von ungefähr.

Das neue Album kann demnach auch als Eingeständniss einer Band gewertet werden, die es im Laufe dieses Jahrzehnts mehrfach versucht hat, über ihr eingeschworenes Indiepublikum hinwegzufliegen. So kann der Versuch, mithilfe der letzten beiden Platten und Produzenten wie Mark Ronson („Arabia Mountain“, 2011) und Patrick Carney („Underneath The Rainbow“, 2014) dem Mainstream-Olymp ein paar Meter näherzukommen, als gescheitert betrachtet werden. In der Folge verließen Gründungsmitglied und Schlagzeuger Joe Bradley, sowie Gitarrist Ian St. Pe die Band. Tatsächlich sind Gitarrist und Frontmann Cole Alexander, sowie Bassist Jared Swilley die einzigen Bandmitglieder, die auch bei der letzten Platte noch mitgewirkt haben.

„Satan’s graffiti or God’s art?“ markiert einen Neuanfang für eine Band, die ihren zerwürfelten Sound auch auf ihrer 8. Platte wiederherzustellen versucht – und sei es durch den Einsatz frischer Produzenten wie Sean Lennon oder durch vollkommene Isolierung von der Außenwelt, so wie hier geschehen. Zu schätzen weiß ich die neuartigen Country-Infusionen, die das hervorragend-catchige „Wayne“ in die Rund wirft, oder die geschickt-platzierten The Doors-Reminiszenzen in einigen der Interludes. Allerdings hätten wohl selbst Jim Morrison und Co. nach mehreren durchzechten Nächten auf unterschiedlichen Kontinenten auf die unfreiwillig komische „La-la-la“-Schunkelmelodie des Intros und Outros verzichtet. Sei’s drum.

Die Black Lips haben sich mit „Satan’s graffiti or God’s art?“ in die Offensive gestürzt und sich wieder ein Stückweit zurück zu ihren Wurzeln bewegt. Versuche, weiteres Instrumentarium im Sound der Band zu etablieren, zünden und floppen im Wechseltakt, finden aber in starken Titel wie „Can’t Hold On“, „Squatting in Heaven“ oder „Loser’s Lament“ ihre Bestätigung. Das 8. Album der nun fünfköpfige Truppe strotzt nur so voller Ideen und Melodiefetzen, lässt einige davon jedoch leider unbenutzt.

Es wird daher spannend bleiben, was Cole Alexander und Co. aus „Satan’s graffiti or God’s art?“ auf ihren Live-Shows herausholen, und vor allem: wohin die Reise hingeht. Möglicherweise wird „Satan’s graffiti or God’s art?“ auf lange Sicht eines dieser Übergangsalben werden, die erst im späteren Verlauf ihre große Bedeutung zugesprochen bekommen. Ich an meiner Stelle, werde einen guten Teil der 18 Stücke mit in die Sommermonate nehmen – so viel ist sicher.

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