Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Zeit für etwas Offenheit: Die Vermutung, The Black Lips seien eines dieser Bands, die ungewaschen die Bühne betreten, dort keinen Gegenstand im neuwertigen Zustand hinterlassen und ihren Rider stets mit allen Alkoholikamarken füllen, die das Alphabet so hergibt, hat sich als falsch erwiesen. Zum Glück. Am 6. November spielten The Black Lips im ausverkauften Molotow in Hamburg – und erwiesen sich als routiniert und schmerzbefreit.

The Black Lips haben mit ihrer aktuellen Scheibe „Satan’s Graffiti or God’s Art?“ in diesem Jahr nicht nur ihre große Rückkehr zu ihrem fragilen, dreckigen Garage-Punk Wurzeln gefeiert, sondern obendrein auch 56 Minuten an neuem Material an die Menschheit losgelassen. An Ausdauer mangelt es der Kombo aus Atlanta also nicht gerade. Unterstützung gab‘s im Vorfeld von Support-Act Saba Lou, welche später die Jungs auch auf der Bühne unterstützen sollte.

Von Soundtracks und Slackern

Saba Lou, 17-jährige Tochter des kanadischen Garage-Rockers King Khan, brachte zur Eröffnung des Abends schnell die ersten Beine zum Schwingen, erinnerte Zeitens mit ihrem Mix aus melidiösen Soul und schrammeligen Indie-Tunes gar an die schöneren Momente eines großen Robert Rodriguez Soundtracks. An der zweiten Gitarre konnte der aufmerksame Musikfan übrigens Oska entdecken, welcher auch bei Chuckamuck in die Saiten schlägt.

Eingangs hatte ich es bereits angedeutet: The Black Lips wirken, wie kaum eine andere Band, wie die personifizierte Visualitation des hauseigenen Sounds. Frontmann Cole Alexander strahlt stets den Wunsch aus, sich am liebsten jetzt (und immer) auf die Couch im Backstage zu werfen, spielte Titel wie „Sea of Blasphemy“ oder das hervorragende „Family Tree“ aber so mühelos runter, dass jeder Slacker-Vorwurf wieder direkt zur Tür gebeten wird.

Der Klassiker musste draußen bleiben

Wem es bis jetzt noch nicht klargeworden ist, dem sei an dieser Stelle gesagt: The Black Lips entscheiden die Regeln ihrer Konzerte immer noch selbst. Mitspracherecht? Nada. Publikumsansprachen gönnten sich am Konzertabend eine No-Show, ihr Indie-Dauerbrenner „Bad Kids“ hat selbst in der Zugabe keinen Platz auf der Setlist gefunden. Kaum hatten die US-Amerikaner die Bühne jedoch verlassen, begann eine Traube an Fans den Klassiker einfach selber zu trällern.

The Black Lips bauen sich wieder auf: „Satan’s graffiti or God’s art?“

Das inzwischen 8. Studioalbum der Black Lips greift schon beim Anblick der Tracklist nach den Sternen: Die Jungs aus Atlanta haben uns eine Overtüre, mehrere... Weiterlesen →

The Black Lips sind eines dieser Bands, die im Laufe ihrer Karriere mehrere Versuche unternommen haben, aus der Indie-Sphäre auszubrechen und doch immer knapp gescheitert sind. Trotzdem wirkte die Band, die am Abend des 6. Novembers im Molotow auf der Bühne stand, alles andere als verbittert. Hier hat sich eine Band wiederaufgebaut, die ihren Fans und vor allem auch sich selbst, nur noch eines geben möchte: dreckigen Rock n‘ Roll, etwas Charme und eine große Portion Attitude. Daran nehme ich gerne wieder teil.

Fotogalerie: The Black Lips

Fotogalerie: Saba Lou

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