The Crookes 01

Foto: Backstage Broadcast PR

Es war einmal eine Indie-Band aus Sheffield, die es in den 2000er-Jahren so richtig wissen wollte. Sie nannten sich nicht Arctic Monkeys, tauchten ihren Sound trotzdem in englische Gewänder von The Smiths bis The Cure und hielten ihre Ästethik von Farbeimern fern. Die Rede ist von The Crookes.

Eine sonderbare Band: zu ihrem melodischen Pop-Rock treffen sich Festival-Hippies vor den Bühnen, um mit Blumen zu schmeißen, während die Band tatsächlich manchmal so klingt wie Morrissey – vorausgesetzt, hätte dieser ein paar schönere Tage gehabt. Die vierte Platte „Lucky Ones“ soll nun jedoch einen Neuanfang markieren.

Die erste Single der Platte kam bereits vergangenen Oktober heraus und versüßte uns den Herbst mit einem poppigen Post-Punk-Vibe, den ihre englischen Kollegen um Robert Smith schon Jahrzehnte zuvor perfektionierten. „I Wanna Waste My Time On You“ erinnert sofort an das Werk von The Cure und schlägt sich als gelungene Hommage an eine Stilrichtung, die gelegentlich selbst die schönste Beschäftigung noch als „Verschwendung“ betiteln würde.

Äußerte sich Gitarrist und Songwriter Daniel Hopewell noch vor einigen Monaten in einem Interview, dass jene Single-Auskopplung den Ton von „The Lucky Ones“ sehr träfe, war die Spannung bei mir groß: werden The Crookes es mit der Hommage auf die Spitze treiben? Oder werde ich am Ende doch lieber „Disintegration“ einlegen und meine Zeit bewusster verschwenden?


Mit „Lucky Ones“ begegnet uns erst einmal das erste Artwork einer The Crookes-Platte, welches vorher durch einen Farbeimer geworfen wurde. Die Stimmung scheint sich verändert zu haben. Damit das selbst den letzten Downloadern und MP3-Couch-Potatoes deutlich wird, beginnt „Lucky Ones“ zugleich sinnbildlich mit einer optimistischen, ja fast schon verträumten Nummer. Der Titel? „Brand New Start“.

Mit dem zweiten Titel „The World Is Waiting“ grüßen The Crookes den „Walk of Life“ der Dire Straits, speisen die Einflüsse des Rock ’n‘ Rolls jedoch in die Vocalmelodie, statt in die Lyrics. Funktioniert mit Ausnahme des etwas schleppenden Chorus’ allerdings auch wunderbar. Ein Stück, dass nach Vorne geht.

„Lucky Ones“ ist ein optimistisches Album einer Band, welche in der Vergangenheit selten anders wahrgenommen wurde. Anders als früher, gelingt es Lead-Singer und Bassist George Waite nun allerdings die Stücke weiterzutragen und ihnen mit seinen Vocals Farbe einzuhauchen. Das Instrumentarium darf trotzdem gerne weiter unterstützen: „No One Like You“ funktioniert zum Beispiel klasse zu den eingestreuten Trompeten des Orchesters.

Der versprochene Neuanfang – ich habe ihn in vierlei Momenten vermisst. Sie klingen noch immer nach The Crookes, trauen sich nun jedoch etwas mehr im Studio auszuleben, um ihren Sound auch auf Produktionsebene zu erweitern. Gar sind Anlehnungen an das aktuelle Werk Tame Impalas („Brand New Start“, „B.N.S. Pt. II“) zu erkennen, verblassen leider jedoch über die Länge der Platte auch wieder. Fans werden vermutlich trotzdem gefallen an der Platte finden und die neuen Entwicklungen begrüßen. Mögen diese auf der nächsten Platte weiter ausgebaut werden.

Oder Live. Mit euch. Wenn ihr mögt:

THE CROOKES CLUB-TOUR 2016

  • 25.04.16 – Köln – Blue Shell
  • 29.04.16 – Hamburg – Molotow Bar
  • 30.04.16 – Berlin – Badehaus Szimpla
  • 02.05.16 – München – Milla

„Lucky Ones“ ist am 29. Januar via Anywhere Records / The Orchard erschienen.

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