Foetals 01

The Foetals nennt sich das Soloprojekt von Jolan Lewis, welcher sich in den vergangenen Jahren als Frontmann kleinerer Indie-Bands wie Temple Songs und The Pink Teens zum Liebling vieler Kritiker gemausert hat. Auf seinem Solodebüt fügt der englische Musiker seinem Spiel zwischen 60er-Jahre Surf-Rock und Gitarren-Pop eine Mono-Betonwand aus Gitarren und Verstärkern hinzu: mit einer ordentlichen Schippe Garage-Rock oben drauf wurde Meet The Foetals innerhalb von nur zwei Tagen in Lewis‘ Heimstudio in Manchester aufgenommen und anfang des Monats veröffentlicht. Geplante Live-Termine, u.a. zusammen mit den Pink Teens, konnten auf Grund seiner Krebserkrankung bisher jedoch nicht wahrgenommen werden. noisiv.de wünscht Lewis an dieser Stelle das Beste für seine Genesung!

Diese Platte wurde schneller aufgenommen, als eure letzte Online-Bestellung vermutlich geliefert wurde – und das hört man auch. Meet The Foetals lässt die schönen und weniger eleganten Seiten des früheren 60er-Jahre Vibes wiederaufleben und präsentiert sich als schrammelnder Flirt zwischen Jamsession und Retro-Pop. Begleitet von einer flachen Produktion, versinken The Foetals in der kurzen Laufzeit von nur rund 30 Minuten zwischen breiten Gitarrenwänden und unhörbaren Vocals in gelegentliche Beatles-Momente, die Paul McCartney himself den Hut zücken lassen würden. Sir Paul würde dies nach einem Blick auf den bewusst gewählten Bandnamen aber vermutlich dann doch nicht tun.

In das Projekt einzusteigen ist gar nicht so einfach. Buchstäblich gesehen. Während YouTube doch lieber The Foetal Mind ausspuckt und Google mir versucht „The Foals“ anzudrehen, bleiben die Platte und ich vorerst lieber unter uns. Den roten Teppich rollt mir Jolan Lewis trotzdem nicht aus: I’m Down ebnet als Album-Opener die Bahn für die erste Hälfte der Platte, welche sich mit prallen Gitarrenbrettern und Jolans vergrabenen Vocals nicht unbedingt für „Top of the Pops“ bewirbt (kennt das noch jemand?). Etwas Sex Pistols mischen sich dort auch noch rein, ehe sich im dritten Track plötzlich gar nichts mehr mischt. Malted wirkt durch seine leise Abmischung wie ein schüchternes Demo auf einer lärmenden LP, deutet ebenso früh aber auch die Einflüsse des 60s-Rock an, welche – Hand aufs Herz – auch nicht immer ganz sauber waren.

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Meet The Foetals wirkt besonders in der ersten Hälfte wie ein Live-Gig einer kommenden Garage-Rock Band, die ihren Mischer noch nicht gefunden hat und ihr Equipment noch per Taxi zur Venue fährt. Bei allerlei Reminiszenz an frühere Jahrzehnte hält sich das Hörerlebnis insbesondere mit Kopfhörern noch sehr in Grenzen. Nothing versucht sich jedoch früh an dem Spagat beide Hörwelten des Projekts miteinander zu verbinden, bedient sich im Chorus blumiger Indie-Pop Harmonien, springt von einleitenden Rock ’n‘ Roll Riffs ins Shredding und ist damit näher an The Libertines, als es deren eigener neuer Kram jemals sein könnte.

Wie viel ein neuer Tag ausmachen kann, zeigt die zugänglichere zweite Hälfte der Scheibe. Der Garage-Rock lässt nun Raum für tanzbare Melodien (Write On) und weiß auch fernab der erwähnten Bretter buchstäblich mit Momenten (Moments) zu überzeugen, die an die großen Stärken der Pink Teens Stärken anschließen. Das Treffen mit den Foetals endet im 10. und letzten Track der Platte, Move On – einer wundervollen Sing-a-long Hymne, die sich traut den Pop zu leben und den Hörer mit einem kleinen Ohrwurm aus der Platte lässt. Ganz ähnlich ist Fine, das heimliche Juwel der Platte. Ein grandioses Stück Indie-Rock, gestützt und gefedert von jenen leuchtenden Funken des Brit-Rocks, welche Oasis groß gemacht und Beady Eye niemals erreicht haben.

Als Hörer bleibe ich mit einem guten Gefühl zurück: die schönsten Momente von Meet The Foetals erscheinen stark genug, um noch in den nächsten Monaten persönliche Airplay zu erfahren. Andere Auszüge, wie die erste Hälfte der Platte, können zumindest auf den Studioaufnahmen nicht meinen Nerv treffen. Sobald sich die Chance ergibt, werde ich mich Live aber gerne vom Gegenteil überzeugen – davon gehe ich ganz fest aus.

Meet The Foetals ist am 4. Dezember über PNKSLM erschienen und ist via iTunes erhältlich.

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