the_game_-_1992_-_low-res-cover

Die erste Single „All Eyez“ von The Game hat erst einmal nichts grandioses vermuten lassen. Natürlich ist dieser von Scott Storch produzierte Song ein unwiderstehlicher Hit. Aber könnte man sich so einen Track auf Games Klassiker-Debüt „The Documentary“ vorstellen? Eben. Nun aber die mittelgroße Überraschung: „1992“ ist ein verdammt starkes The-Game-Album geworden.

Vielleicht sogar sein zweitbestes. In der Vergangenheit fehlte meiner Meinung nach häufig die nötige Konsequenz und Kohärenz. Dieses Mal aber nicht! Mit dem ersten Song „Savage Lifestyle“, dem langsam einsetzenden Marvin-Gaye-Sample und den rumpelnden Bässen wird man sofort in das 1992er Compton versetzt: „Ni**as robbin‘ liquor stores with taped up Duck Hunt-guns. City burnin‘, but it’s fucked up fun“.

Was folgt sind Geschichten mit dem Themenschwerpunkten Gangkultur, Gewalt, Frauen. The Game ist ein verdammter guter Storyteller und hat immer noch eine Menge zu erzählen. „1992“ ist letztlich ein Konzeptalbum mit loser Handlung. Und obendrein ein unglaublich stringentes.

Duckin‘ strays, catchin‘ fades, tryna make it through this maze,
teachers out here smokin‘ J’s and wonder why we misbehave.
Same book, different page, another year, different age,
cross colors, colors cross, bows turnin‘ into fades.
He started Crippin‘, I started Bloodin‘.
Now we walkin‘ through the halls of school like we don’t even know each other

The Game – Young Ni**as

Das bewundernswerte ist der Umstand, dass sich die Inhalte nicht bloß auf der lyrischen Ebene widerspiegeln, sondern auch musikalisch umgesetzt wurden. Der Song „Bompton“ setzt sich aus einem Sample einer 1989er Dr.-Dre-Produktion zusammen. „Fuck Orange Juice“ wartet als Remake von „The Message“ auf. Auch ein Sample von Clam Casinos „I’m God“ macht sich auf „The Soundtrack“ prächtig. Und so weiter. Es gibt kleine Versatzstücke und Schnipsel aus Dialogen einiger Filme, die dem Album eine unglaubliche Atmosphäre und Tiefe verleihen.

The Game ist halt ein besserer Rapper, als die meisten es ihm zugestehen würden. Das einzige Problem dieses Albums ist, dass es zwei Jahre zu spät kommt. Woanders werden gesellschaftliche Thesen auf- und der Bezug zur Politik hergestellt. Im Vergleich verliert das objektiv grandiose „1992“ leider wieder an Wert.  An dieser Stelle sei dann auch noch an die kürzlich erschienene Review zum NxWorries-Album „Yes Lawd!“ verwiesen:

NxWorries – Yes Lawd! (Album-Review)

Endlich ist es da: Nx Worries aka Anderson .Paak und Knxwledge bringen ihr Album „Yes Lawd!“ und ich sitze jetzt hier geflasht und überlege, was ich... Weiterlesen →

Dennoch: Dies ist ein phänomenales The-Game-Album. Meine Meinung. Und in dem, was er macht, ist er der Beste: Geschichten aus der Hood erzählen, als säße man gemeinsam mit dem Rapper im 64er-Impala, cruisend durch die Wilmington Avenue, während Dres „Deep Cover“ durch die Boxen schallt. Und wenn als Bonus dann noch Jeremih auf Storchs Synthesizer-Geplänkel Frauen bezirzt, weiß man, dass man wieder in 2016 angekommen ist.

[asa]B01LVXORDG[/asa]