The Jezabels

Bildquelle: Facebook

Vor neun Jahren gründeten sich The Jezabels an der Universität Sidney. In einem Jahrzehnt passiert viel, man entwickelt sich menschlich weiter und auch als Bandgefüge dreht man in diesen Jahren ziemlich viele Runden. Wollten sie mit dem 2011er-Debütalbum „Prisoner” noch ganz hoch hinaus, stuften sie sich 2014 mit „The Brink”, welches gemeinhin weniger positiv aufgenommen wurde, zurück. Seitdem sind drei weitere Jahre vergangen und mit dem neuen Album „Synthia” zeigen sie, wo sie nach dieser gewissen Achterbahnfahrt stehen.

The Jezabels - Synthia

Während die großen Arrangements im Vergleich zum Vorgänger wieder präsenter sind, entwickelt sich die Gruppe rund um Sängerin Hayley Mary beileibe nicht zurück. Stattdessen gibt es durchaus neues zu hören – vor allem hat die Band mittlerweile den Reiz von Synthie-Sounds vermehrt für sich entdeckt, sodass „Stand and Deliver” das Album mit verträumten Ambience-Klängen und einem Monolog der Frontfrau einläutet. Siebeneinhalb Minuten nehmen sie sich Zeit, um die Stimmung der kommenden Stücke zurechtzulegen. Stück für Stück ist die Jezabels-typische klangliche Steigerung zu hören und auch die stimmliche Vocal-Explosion darf natürlich nicht fehlen.

Keyboarderin Heather Shannon, die bereits während der Aufnahmen zu „The Brink” mit Eierstock-Krebs diagnostiziert wurde, übernimmt während des Albums einen sehr viel höheren Stellenwert, als es auf den letzten Alben der Fall war. Ihre Lead-Parts heben den neuen Sound auf eine höhere Ebene, vervollständigt ihn praktisch, wenn man so will. „Unnatural” profitiert beispielsweise ungemein von der Dynamik, die sie einbringt.

Lyrisch dreht sich „Synthia” um feministische Themen und Marys Rolle als populäre Sängerin in einer männerdominierten Welt der Rock-Musik. Es ist oftmals ihr ganz persönlicher Kampf gegen alles, was sie aufzufressen versucht. „Come Alive” lässt hier beispielsweise tief hineinblicken. „A Message From My Mothers Passed” thematisiert hingegen die typische Frauenrolle in der Gesellschaft. Zur Vorsicht wird ihr geraten. Man solle zudem stark sein, jedoch nicht zu stark, denn das passt nicht ins gemeine Weltbild. Irgendwo dazwischen soll man es sich demnach bequem machen: „You wanna be / Stronger / Stronger / Stronger / But not too strong / Lie safely in the middle ground”.

Gather round, all you young, heed my warning

When you’re young, and you’re lovely, there are voices

That pull down, like somebody, inside us

But not yours and not mine, in her likeness

The Jezabels – Come Alive

Während die Musik stark erscheint, wirkt Mary durch ihre zarte Stimme bisweilen verletzlich. Hier ergibt sich eine spannende Dynamik im Zusammenspiel aller Elemente, die das Bandgefüge gekonnt einzusetzen vermag – vor allem dann, wenn die Sängerin ihre Nahbarkeit hinter sich lässt und zum großen stimmlichen Rundumschlag ausholt, wie in „Smile”.

Ihre Verletzlichkeit wird darüber hinaus im abschließenden „Stamina” zum zentralen Stilmittel. Es geht um Kontrollverlust in einer Beziehung, in der man sich selbst verliert, in der sie sich des Kontrollverlustes wegen nicht weiter öffnen kann, wodurch sie wiederum die Kontrolle verliert. „Wrap it up / Lose control” sind die abschließenden Worte.

„Synthia” zeigt, wie „Weiterentwicklung” auf vielerlei Ebenen aussehen kann. Die Band als solche ist merklich gereift und präsentiert sich dynamischer und atmosphärischer, als je zuvor. Traurige Themen müssen nun inzwischen nicht mehr nur mit größen Tönen untermalt werden, es darf mal auch mal etwas ruhiger zugehen. Shannon erweist sich zudem als wichtige und tragende Figur in den Kompositionen. Lyrisch merkt man vor Mary an, dass sie zunehmend keine Angst mehr davor hat, sich persönlich zu zeigen und Einblicke in sich selbst zu erlauben, ohne sich darin zu verlieren.

The Jezabels sind rund herum wirklich erwachsen geworden und finden ihren Platz zunehmend. Ihr neues Album ist das mit Abstand beste, weil gereifteste, Album, welches sie bisher veröffentlicht haben. Der Band stehen nun alle Türen offen, um sich in Zukunft in alle möglichen Richtungen zu bewegen. Diesem Werdegang so direkt beiwohnen zu dürfen, ist die wohl schönste Erkenntnis, die man aus „Synthia” herausziehen kann.

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