The Kills

Foto: Kenneth Cappello

Es gibt Alben, denen merkt man das Schicksal der Musiker an. „Ash & Ice“, das neueste Werk von Alison Mosshart und Jamie Hince aka. The Kills, ist so eines. Nach einem Unfall Mitte 2013 ist es ihm nicht mehr möglich, einen seiner Finger der linken Hand zu nutzen, sodass er das Gitarrespielen komplett neu erlernen musste. Zusätzlich dazu verbrachte er acht Tage in der Transsibirischen Eisenbahn, während der er auf der Suche nach Inspirationen für das war, was letztlich „Ash & Ice“ werden sollte.

The Kills - Ash and Ice Cover

Währenddessen veröffentlichte Mosshart mit The Dead WeatherDodge and Burn“ auf und schrieb währenddessen an den Texten für die neuen The-Kills-Songs. Diese haben einen großen Anteil daran, dass sich „Ash & Ice“ so anders anfühlt, als die vorigen Alben. Sie lässt tiefer blicken, die Hörer merklich näher an sich heran.

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Doing It To Death (Official Video) – The Kills

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Während sich Hince von seiner Operation erholte, fing er bereits mit den ersten Arbeiten an den neuen Songs an. Da ihm das Gitarrespielen offensichtlicherweise noch nicht wieder möglich war, expandierte er den Sound des Duos schlichtweg. Elektronische Elemente nehmen einen recht präsenten Anteil in jenem neuen Sound ein. Ungewohnt hört sich das dann vor allem in „Hard Habit To Break“ an, der von einem elektronischen Samba-Beat getragen wird.

Gleichzeitig hören sich die 13 Songs weniger rau und etwas unaufdringlicher an, die Stücke wirken gemeinhin ein Stück weit polierter. Trotzdem behalten die dreckigen Blues-Riffs weiterhin ihren Platz und büßen auch nichts ihrer süchtigmachenden Sexyness ein. Gewissermaßen ist den beiden hier ein klanglicher Spagatsprung gelungen, wenn man so will. Insbesondere „Black Tar“ und der Opener „Doing It To Death“ leben von Hince‘ Gitarrenspiel. In „Hum For Your Buzz“ ist sie es die einzige Begleitung für Mosshart, sodass ein sehr intimer und dreckig bluesiger Song entsteht.

Siberian Nights (Official Video) – The Kills

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Bei den genannten Eckpunkten hört das neue Album aber bei weitem nicht auf. Stattdessen bietet sich hier ein weites klangliches Spektrum. „That Love“ ist beispielsweise eine ergreifende Ballade, in der Mosshart ausschließlich vom Klavier begleitet wird. „Siberian Nights“ hingegen brilliert durch die Bassline, die in ihrer Simplizität so einfangend ist, dass sie einen nicht mehr loslässt und so zum (meiner Meinung nach) stärksten Song des kompletten Albums aufsteigt. In einem einen sich aber alle Songs: Im bestechenden Rhythmusgefühl, das The Kills vorweisen. Die Instrumentalisierung und die Vocals passen vor allem in diesem Bezug außerordentlich gut zusammen. Die Songs brennen sich ins Hirn und lassen einen nicht mehr los.

One hit, one invention
You must pay your ransom
Love, lust, you’re too handsome
Fairytales are fair game
The world is looking for you
sharpening it’s blade
London’s blood thirsty
Paris is a vein – open
a vein on the pulse of mean

The Kills – Black Tar

Dazu lässt Alison Mosshart auf „Ash & Ice“ tief blicken. Sie durchbricht ihre selbst auferlegte lyrische Distanz zu sich selbst. Wenn sie beispielsweise über romantische Obsession oder den eigenen Ausbruch aus alten Gewohnheiten singt, bekommt man den Eindruck, dass sie dieses Mal tatsächlich ihren eigenen Gedankenspielen freien Lauf lässt und diese auf Papier bringt. Das gibt den Songs nochmal einen weiteren anderen Anstrich.

Minimalistisch, introvertierter, anders: Die neuen The Kills

Heart Of A Dog (Official Video) – The Kills

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„Ash & Ice“ bietet 13 starke Songs, in denen offensichtlich wird, dass sich beide Musiker auf ihre eigene Art an persönlichen Scheidepunkten ihres künstlerischen Seins befanden. Vor allem Hince merkt man durch die Instrumentalisierung an, dass er einerseits schwierige Tage erlebte und die gewählte Einsamkeit in der Transsibirischen Eisenbahn suchte.

Wie sie all das verarbeitet haben, ist beachtenswert. Sie setzen sich auf diesem Album keine Grenzen mehr, probieren einfach alles aus, was sie irgendwie passend finden und öffnen sich gegenüber verschiedenen Einflüssen. So ist jeder Song für sich erinnerungswürdig ohne einen großen Schwachpunkt in der Tracklist zu offenbaren.

Wenn man The Kills etwas vorwerfen wollen würde, wäre es die fehlende Konsistenz, die die Experimente mit den vielen verschiedenen Sounds nach sich ziehen. Man könnte den Eindruck bekommen, dass es sich hierbei eher um eine „Extra Extended Play“ handelt, denn um ein in sich stimmiges Album. Während eine solche Kritik durchaus nachvollziehbar wäre, könnte mir das in diesem Fall egaler nicht sein. Dafür sind die einzelnen Songs in sich viel zu stimmig, als dass es für mich ein kritikwürdiger Aspekt an „Ash & Ice“ wäre.

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