Foto: Babak Kidney

Schon mal in ein YouTube-Loch gefallen? Vor einigen Jahren war das eines Abends bei mir der Fall. Wieder mal. Es lief eine Indie-Playlist, welche genau weiß ich gar nicht mehr. Kaum war der Titel beendet, übernahm das Autoplay das Ruder über meine damaligen Discount-Boxen. Oft schaue ich dann gar nicht nach was läuft, skippe skrupellos und ohne zu zögern.

Bei diesem einen Mal war das anders. Der Gesang war auf französisch, der schönsten Sprache die ich nicht spreche. Mal männlich, mal weiblich, mal Titel ohne jede Vocals. The Limiñanas waren auf meinem Radar gelandet. Am 18. November, viele Jahre später, durfte ich sie nun erstmals im Hamburger Hafenklang Live erleben.

The Limiñanas stammen aus der französischen Küstenregion Cabestany, ihr Sound erinnert laut Pressetext an einem „Tarantino-Streifen“. Eine gefährliche Aussage, steht doch stets die Gefahr im Raum zur unfreiwilligen Parodie zu verkommen. Keine Sorge: Ist hier nicht der Fall. Die aktuelle Veröffentlichung „I‘ve Got Trouble In Mind Vol. 2 (Rare Stuff 2015/2018)“ setzt erneut auf die Zutaten, die ich an dieser Band schätzen gelernt habe. Obwohl wir hier „nur“ von einer Reihe B-Seiten und Raritäten sprechen.

Lio und Marie Limiñana sind freie Künstler, aber welche von der Sorte, die sich nicht in Bühnenbild und schnelle Lichteffekte verlieren. Auf Tour gehen sie nicht alleine, jedoch macht die Bühne mit ihrer siebenköpfigen Mannschaft nicht gerade den Eindruck einer Zweckgemeinschaft. Immer wieder ist zu beobachten, wie eine junge Frau sich seitlich entlang in Richtung Licht- und Tonpult schlängelt. Eine Art Person Nr. 8 und Springerin der Band, später wird sie am Merchstand stehen und Shirts verkaufen.

Ich werde nicht so tun, als könnte ich sämtliche Stücke der Band von spontanen Jams unterscheiden; das können wohl nur eingefleischte Fans der Limiñanas. Doch ist es gerade diese leichtfüßige Art, die Zuschauer zu Fans macht und YouTube-Hörer zu Plattenkäufern. The Limiñanas wühlten sich in anderthalb Stunden spiellustig durch ihre sieben-Album starke Diskografie, ließen u.a. „Betty and Johnny“, „I‘m Dead“ und „The Train Creep A-Loopin“ im Laufe der fast 30 Titel (!) nicht unangerührt. Dabei sollte es aber nicht bleiben.

Auch Fans der neuesten Studioplatte „Shadow People“ (2018) kamen auf ihre Kosten und durften sich u.a. auf „Dimanche“ (der bislang erfolgreichsten Single der Bandgeschichte) und „The Gift“ freuen, so wie auf die aktuelle Single „Russian Roulette“. Eines dieser Titel, die mich lyrisch zwar immer wieder abschrecken, mich mit ihren Sound aber sofort wieder einfangen. The Limiñanas entließen mich mit einem guten Gefühl nach Hause, eines das Lust macht alte Platten wie „Crystal Anis“ (2012) und „Malamore“ (2016) wieder auszugraben. Die „Pulp Fiction“-DVD bleibt allerdings im Schrank.