Der „Rock’n’Roll Wrestling Bash“ am 12.01. im Gruenspan, Hamburg | Fotos: Babak, noisiv.de

Wenn mich jemand nach meinem spektakulärsten Sporterlebnis fragt, dann lautet meine Antwort: WWF Live (heute WWE) in Hamburg, 1997. Ich, gerade mal zehn Jahre jung, bekam von Wrestling-Legende Bret „The Hitman“ Hart seine schwarzrosa Sonnenbrille überreicht. Ein überwältigendes Gefühl. Es war Teil seiner Präsentation, seines Wrestling-Charakters, seinen jüngeren Fans dieses besondere Geschenk vor jedem Match zu machen. 22 Jahre später geht es beim Wrestling in Hamburg bedeutend weniger kinderfreundlich zur Sache – der „Rock‘n‘Roll Wrestling Bash“ machte am 12. Januar im Gruenspan halt.

„Auf die Fresse!“ – seit 15 Jahren

Der „Rock‘n‘Roll Wrestling Bash“ wird aufgezogen von der G.T.W.A., besser bekannt als Galactic Trash Wrestling Alliance. Ihr Konzept klingt einzigartig, wie verrückt: Maskierte Wrestler*Innen performen spannende Showkämpfe im Stile des athletischen Lucha Libre (mexikanisches Wrestling), während eine Live-Band die Bodyslam- und Suplex-Parade mit einem Soundtrack begleitet. Metal-Fans kommen besonders auf ihre Kosten, aufgetischt werden Eigenkreationen, als auch Klassiker wie „For Whom The Bell Tolls“. Das erklärte Ziel: „Gehirn in den Schrank und kaputt lachen.“

Der Kopf hinter der Show ist Carlos Martinez, welcher auf jeder Tournee frische Geschichten, Kämpfe und Soundtracks präsentiert und das Projekt vor rund 15 Jahren in Köln ins Leben rief. Als ernstzunehmende Konkurrenz zu den großen Wrestling-Ligen wie NJPW, WWE oder ROH begreift sich die G.T.W.A. allerdings nicht, zu sehr steht der Spaß im Fokus der Shows. Viele Fans der ersten Stunde ließen sich deshalb auch im Gruenspan wieder blicken, die größte Trash-Attraktion dieser Tage will schließlich nicht verpasst werden. Der sensationelle Schlachtruf des Abends: „Auf die Fresse!“

Der Club wird zur Mehrzweckhalle

Kaum im Club angekommen, ragte bereits die Seilkonstruktion aus dem Saal des Clubs hervor. Dazu eine kleine Rampe, welches die Clubbühne mit dem ca. 5x5m großen Wrestling-Ring verbindet. Das Gruenspan wurde spontan zur Mehrzweckhalle. Ein Kinderspiel für einen Club, welcher für gewöhnlich einer Indoor-Schaukel behaust. Eine Death Metal-Band leitete den Abend ein, nach einigen Titeln schienen die Arme der Barkeeper jedoch weitaus beschäftigter zu sein, als die Köpfe in den ersten Reihen. Wie schwer an dieser Front geackert wurde, sollte sich später noch zeigen.

Der „Dirty Old Man“ und Pfeffi

21 Uhr, der „Bash“ beginnt. Versuche ich Freunden von der Veranstaltung zu erzählen, kommen mir als erstes die vermeintlichen „Musikstudenten“ und gruseligen Horrorfiguren in den Sinn. Gemischte Tag-Teams, die in ihren Matches auf Rache aus sind, leichtbekleidete Frauen die Pfeffiflaschen in weitgeöffnete Männermunde leeren. Zwischen den Kämpfen gab‘s sogar auch mal Gesang zum Metal, dazu verwegene Anmoderationen eines staksigen, blassgeschminkten Mannes mit Zylinderhut und roter Streifenhose. Name: „Dirty Old Man.“

Die Show lebt von ihren Überraschungen, ihren überzeichneten Charaktären und der High Risk-Manöver im Ring (u.a. gab’s einige Hurricanrana, Vertical Suplexes und sogar Dives in die Zuschauerreihen). Einen rauchenden Ringrichter gibt‘s inklusive – einer dieser Rocker-Schönlinge, deren Kopf nicht immer bei der Sache zu sein scheint. Ein kleines Fest für eingefleischte Wrestling-Fans, wie auch klassische Jeanskuttenträger, die sich selbst zu Instrumentalcovers von Metallica und Iron Maiden beruhigt ihr Brot schmieren können.

Chapeau an den Pit

Kleiner Wermutstropfen: Aus dem Mix aus Showkampf und Live-Musik musste ich erstmal schlau werden, andere versuchten es gar nicht erst – und eröffneten ihre Moshpits inmitten der Zuschauermenge. Was bei einer Metalshow zum guten Ton gehört, wirkte beim feuchtfröhlichen „Bash“ zwischenzeitlich deplaziert. Zu voll war die Hütte, zu ausgefeilt die Choreographie, um Beine und Augen vom Geschehen fernzuhalten. Doch Hut ab an den Pit: Es würde mich nicht wundern, einige der Zuschauer irgendwann im Ring zu erleben.

Komm’ früh, bring‘ Durst

Du stehst auf Trash-Filmabende und Wrestling, ohne Metal wär dein Leben ein Witz und ein Moshpitbad ist für dich pures Wellness? Dann nichts wie hin, wenn der „Rock‘n‘Roll Wrestling Bash“ bei dir ums Eck die Ringpfosten aufspannt. Komm‘ am Besten früh und sicher dir ein Platz an den Seilen. Pro-Tipp: Bring‘ noch etwas Pfeffidurst und Geduld für Opening-Act und Bartresen mit – und lass dein Gehirn besser zuhause.

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