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Die Schweizer Indie-Boys von The View Electrical veröffentlichten am vergangenen Freitag über Hummus Records ihr Debütalbum „Roseland“. Einen der schönsten Sätze, die einem zu diesem Titel einfallen können, nimmt uns der Pressetext vorweg: „Twelve songs about flowers and thorns“ – treten wir also direkt die Reise ins Land der Rosen an.

In getragener Stimmung rumpelt der erste Song des Albums herein: „Haunted By A Dream“ scheint zunächst sehr Post-Rock-lastig, entwickelt sich dann aber durch einnehmende Synthie-Flächen weiter in Richtung Dreampop. Sänger Fred Aellen weiß diese Atmosphäre mit seiner Stimme wunderbar aufzugreifen. In „At All Costs“ mischen sich elektronische Drums und Bässe in den zwischen Indie-Pop und Alternative pendelnden Sound der Band aus Lausanne. Spätestens auf der ersten Videosingle „Life In Every Breath“ entfaltet sich ihr Stil dann endgültig: Treibende Drums, verhallte Gitarren und Synthesizer prägen das Stück, der Chorus wächst theatralisch über sich hinaus. Pathos in seiner schönsten Form!

Das Titelstück der Platte ist ein regelrechtes Bollwerk von Song mit massenweise Ideenreichtum und Einflüssen: Wie in ein klassisches Indie-Folk-Stück à la Conor Oberst starten The View Electrical in den Neunminüter, um die ohnehin toll inszenierte Atmosphäre nach einer akustischen Bridge mit Streichern und einer unterstützenden Sängerin anzureichern. Als wäre das nicht schon genug, dreht „Roseland“ zum Schluss hin nochmal komplett frei und es wird gegrowlt. Was für ein Ritt!

Statt ihre offenbar riesige Massen an Ideen dann erst einmal ruhen zu lassen, legt „Protect Us“ nochmal nach und donnert ein paar fiese, knarzende Bässe unter den instrumentalen Post-Rock-Tune. In „Death And The Young Man“ bereiten moderne, nach vorn klatschende Drums den Ton an, der spooky und groovy zugleich ist.

tveNach diesem aufregenden Trip ins „Roseland“ stimmt einen der Name des abschließenden Stücks, auf dem man sich nochmals über neun Minuten lang die Ehre gibt, doch eher traurig: „We Won’t Stay“. Nach über einer Stunde Spielzeit ist es aber wohl wirklich Zeit – doch „Roseland“ bleibt im Gedächtnis. Die für die Aufnahmen herangezogene Menge von über 20 gastierenden Musikern hört man dem Album definitiv an. Es strotzt nur so vor Elementen diversester Genres und verliert doch nie den Faden. Ein zutiefst beeindruckendes Debüt, das The View Electrical hier geschaffen haben.

„Roseland“ ist als CD, Doppel-LP und Download erhältlich – letzteres Format bezahlt jeder, wie er kann und will. Très gentil, messieurs!

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