Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Die Sonne scheint noch etwas durch die Wolken hindurch, es riecht ein bisschen komisch, wir sind in der Schmuckstraße und nähern uns dem Club. An einem Fenster auf der Rückseite der Großen Freiheit steht Thees eine Zigarette rauchend und winkt, ein gebelltes „bis gleich!“ hallt von beiden Seiten durch die schmale Gasse und ich frage mich, wer aufgeregter ist.

Wenn Thees Uhlmann zu einem Konzert in Hamburg einlädt, dann brechen alle Dämme. Auch wenn das Grand Hotel van Cleef auf einen guten Anlauf beim Kartenvorverkauf eingestellt war, mit dem Ansturm auf die Tickets für die ersten Tour-Termine hatte Ende März wohl niemand in der Feldstraße gerechnet. Die Server versagten und nach einigen Stunden Chaos wurde der Verkauf um eine Woche verschoben. Und manche erinnern sich, selbst da wurde es eng.

In den Monaten zwischen Vorverkauf um dem vermeintlichen Tourauftakt in der Großen Freiheit 36 wurden noch viele weitere Termine bestätigt, die die Nachfrage dann doch deckeln konnten. Was für ein Feeling das sein muss. Nachdem also die Tour in Rostock startete, stand am 27. September 2019 das restlos ausverkaufte Konzert in Hamburg an.

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Um kurz nach sieben steht Thees Uhlmann auch schon auf der Bühne und heimst einen kaum verstreichenden Applaus ein. Wie es für ihn üblich ist wird eine kurze Geschichte erzählt und Grillmaster Flash angekündigt, der ebenfalls zum Portfolio vom GHvC gehört. Allein mit seiner Dreadnought und seiner Jeansjacke bewaffnet stellt auch er sich als ein unglaublich begabter Liederschreiber heraus. Achja, hatte ich erwähnt, dass er aus Bremen-Nord kommt?

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

So pünktlich wie der Grillmaster sein Set begann so trat auch die neue Band von Thees Uhlmann auf die Bühne, ehe der gebürtige Niedersachse zu „Fünf Jahre nicht gesungen“ ans Mikrofon schritt. Und herrje was war danach bitte los. Von da an gab es in der ganzen Freiheit kein Halten mehr. Auch wenn der Release von „Junkies & Scientologen“ erst eine Woche her war, haben die neuen Songs gefruchtet und ein so glorreiches Feedback auf neue Songs habe ich bei keinem Konzert bisher registrieren können. „Danke für die Angst“ folgte und bewies erneut, dass man nicht mit einem Diskographie-Klassiker starten muss, um die Fans in Bewegung zu setzen.

Songs aus seinem Debüt sowie „#2“ folgten selbstredend im Verlaufe des Sets, und spätestens jetzt muss ich mal meine Hand für die Band ins Feuer legen. Der Sound war fantastisch und die aus dem Publikum zu beobachtende Dynamik innerhalb der Musiker hat inspiriert. Das was Nitzan Hoffmann aus ihrer Gitarre rausgeholt hat, hat elektrisiert. Und mit den Menschen die Bühne zu teilen, die maßgeblich am neuen Album beteiligt gewesen sind, dürfte ebenfalls dazu beigetragen haben, dass alles was dort oben passierte, irgendwie perfekt rüber kam. Simon Frontzek kennen einige noch aus den wilden Tomte-Zeiten und Rudi Meier muss man bitte unbedingt kennen, denn seine Platte unter dem Alias Burkini Beach ist hervorragend.

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Zu meinen persönlichen Highlights neben den neuen Songs und meinem All-Time-Favourite „Zugvögel“ zählten die beiden Tomte Songs. Zu „Schreit den Namen meiner Mutter“ tanzten alle verbotenerweise wie Marcus Wiebusch und im Refrain von „Ich sang die ganze  Zeit von dir“ flogen die imaginären Herz-Emojis nur so durch die Venue. Ganz groß! Nach zwei verlängerten Zugaben war dann nach guten zwei Stunden Schluss. Mit Endorphinen durchgeladen hätten viele noch gekonnt, aber der Körper dankt einem dann doch dafür.

Wer also bis heute noch glaubt, gute, laute, handgemachte und deutschsprachige Musik bekommt man nur von den Toten Hosen oder den Ärzten, der muss mal ein Konzert von Thees Uhlmann & Band besuchen.

Fotogalerie: Thees Uhlmann & Band

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