Fotos: Kaja Abels, noisiv.de

Am vergangenen Sonntag standen mal wieder vier äußerst hochkarätige Bands auf der Bühne des Logos. Die Genre-Palette reichte dabei von emotionalen Melodic Hardcore über klassischen Metalcore bis hin zu brutalem Deathcore. Während die beiden Melodic Hardcore Bands Casey und Being As An Ocean ordentlich auf die Tränendrüse drückten und für viel Gänsehaut sorgten, wurde bei den Metalcore-Klassikern Miss May I ordentlich mitgesungen und bei den Deathcore-Giganten Thy Art Is Murder richtig abgemosht. Somit wurde wohl Jedermanns Geschmack irgendwie getroffen und die Woche erfolgreich beendet werden.

Casey

Die noch junge Band Casey aus England veröffentlichte ihr erstes Album „Love Is Not Enough“ letztes Jahr und spielte sich in kurzer Zeit eine beachtliche Fan-Gemeinde zusammen. Und das absolut zurecht, wie ich schon nach dem ersten Hören des Albums feststellen musste und ihr Auftritt überzeugte mich direkt ein weiteres Mal. Ihre Platte ähnelt von Sound her sehr dem von Being As An Ocean und wie es im Melodic Hardcore üblich ist, sind die Texte nichts für schwache Nerven. Die Themen Mental Health, Verlust und Trauer werden in ihren Lyrics verarbeitet ohne, dass es weinerlich klingt. Unterlegt werden sie mit verhältnismäßig ruhigen Instrumenten, die einen dazu verhelfen sich vollkommen in der Musik zu verlieren.

Eine Band, die so aufwendige Musik macht, kann auch gerne mal auf eine aufwendige Bühnenshow verzichten. Während ihres Auftritts passiert auf der Bühne nicht sonderlich viel, sodass man sich in der Musik fallen lassen kann und der tollen Stimme des Sängers lauschen kann. So startet der Abend zwar ziemlich ruhig, aber das war in Anbedacht der bald folgenden Bands wahrscheinlich auch das beste. Casey zeigten, dass sie ihre momentan immer weiter steigende Beliebtheit auf jeden Fall mehr als verdient haben und ich möchte die Band auch wirklich jedem ans Herz legen, der Fan von tiefgründigen Lyrics ist, denn da sind die fünf Jungs einigen großen Bands um einiges Voraus!

Miss May I

Die fünf Jungs aus Ohio von Miss May I bespielen die Bühnen seit mittlerweile schon mehr als zehn Jahren und haben viele mit ihrer Musik abgeholt und beeinflusst. Deshalb kann man sie sicherlich schon als eine der Klassiker-Bands in der Metalcore-Szene bezeichnen. Auch ich bin schon seit mehreren Jahren Fan von den Alben der Jungs und freute mich dadurch sie das erste Mal live zu sehen. Frontmann Levi Benton ist in der Band nicht nur für die Vocals, sondern auch für die Lyrics verantwortlich, in denen er schwere Schicksalsschläge aus seiner Vergangenheit und auch Depressionen verarbeitet.

Auf der Bühne verwandelt sich der Lockenkopf Levi in ein absolutes Tier. Er springt wie wild umher und motiviert wirklich jeden sich zu bewegen. Bei den Knaller-Songs wie „I.H.E. (I Hate Everything)“ und „Hey Mister“ drehen dann auch wirklich alle durch. Der Auftritt strotzte nur so vor Energie und hatte keine Schwachstellen. Zum Abschluss spielten die Jungs dann noch ihren neusten Track „Lost In The Grey“, der auf dem am 2. Juni erscheinenden Album „Shadows Inside“ zu finden sein wird. Das steigerte auf jeden Fall schon ordentlich die Vorfreude auf das Album und vielleicht kann man diese grandiose Live-Band dann auch nochmal in Deutschland auf den Bühnen sehen.

Being As An Ocean

Nach der Party von Miss May I wurde es dann mit Being As An Ocean wieder etwas ruhiger. Die Melodic Hardcorler aus Kalifornien gehören seit Jahren zu meinen Lieblingsbands, da sie es durch ihre durchdachte Musik es immer wieder schaffen mich zu beruhigen und mich zum Nachdenken anregen. Bei ihren Alben handelt es sich ausschließlich um Konzept-Alben, von welchen ich sowieso ein großer Fan bin. Die Texte lesen sich dazu wie ein Buch, welches songübergreifend eine oder mehrere Geschichten erzählt. Laut Frontmann Joel Quartuccio entstehen diese Geschichten sowohl aus eigenen Erfahrungen als auch aus Schicksalen anderer Menschen, die ihn beeindruckt haben. Meiner Meinung nach sind das Texte, dessen Niveau von keiner anderen Band auch nur ansatzweise erreicht werden kann.

Während des Auftritts von Being As An Ocean konnte man im Publikum zwar kaum Bewegung erkennen, jedoch starrte jeder wie gebannt auf die Bühne und viele sangen die Texte mit einer Leidenschaft mit, dass mich eine Gänsehaut überkam. Sänger Joel wanderte auf der Bühne von einer Seite zur anderen und ging beim vorletzten Song „The Hardest Part Is Forgetting Those You Swore You Would Never Forget“ direkt ins Publikum und kletterte auf die Tische um von dort aus den Song zu performen. Und ganz gemäß dem Motto „Das beste kommt zum Schluss“ spielten sie als Abschluss „This Loneliness Won’t Be The Death Of Me“, was mein Lieblingssong der Band ist. Wie erwartet schrien alle lautstark die Worte „I can’t sleep and food has lost it’s taste. God I’m so sick of this place“ mit. Der absolut emotionalste Konzertmoment meines bisherigen Jahres!

Thy Art Is Murder

Nach der ruhigen Show von Being As An Ocean ging es dann wieder richtig ab. Kritiker bezeichnen die Australier von Thy Art Is Murder als die Retter des Deathcores, was wirklich die beste Bezeichnung für die Jungs ist. Die Band machte in den letzten Jahren neben ihrer Musik genug Schlagzeilen, da Sänger CJ McMahon kurzzeitig aufgrund seiner Drogensucht die Band verlassen musste und sie sich mit den ehemaligen Königen des Deathcores Suicide Silence einen ordentlichen Streit provozierten. Die turbulenten Zeiten sind jedoch vorbei und sie stehen wieder in Ursprungsbesetzung und mit voller Kraft auf der Bühne.

Und das ist wörtlich zu nehmen, gleich mit den ersten beiden Songs „Holy War“ und „The Purest Strain Of Hate“ schlugen sie einem ihre stärksten Nummern um die Ohren. Da konnte nun wirklich niemand mehr stillstehen! Und das tat auch wirklich niemand. Ich musste mich da in eine ruhige Ecke zurückziehen, da ich mir und meiner Kamera doch noch einige Lebenstage gönnen wollte. Der Auftritt war einfach brutal gut, aber leider auch sehr schnell vorbei. Als Abschluss verkündeten sie, dass noch dieses Jahr mit einem neuen Album zu rechnen sei, was auch nun offiziell auf Facebook verkündet wurde und dass sie schon Ende diesen Jahres uns wieder beglücken werden. Ich werde auf jeden Fall dabei sein!

Ein Konzertabend an dem einen eine so große Bandbreite an Genres geboten wird, ist wahrhaftig eine Seltenheit und genau deswegen war es auch so schön. Von Gänsehaut-Feeling bis zur absoluten Zerstörung wurde wirklich alles geboten und das auf ganz hohen Niveau!

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