Foto: Anna Holzinger

Was soll man denn über Tom Misch noch schreiben? Hinter der Musik des Briten steckt kein Platin-Produzent aus den Staaten – Tom Misch spielt Gitarre und Violine und produziert seine Songs selbst. Die ist mal mehr mal weniger HipHop-inspiriert, aber immer soulig und häufig tanzbar. Demnächst erscheint sein Debütalbum „Geography“ und kurz vorher kam der Musiker für einige Konzerte nach Deutschland, um die neuen Songs live zu präsentieren.

Wir waren in Hamburg dabei, im geschichtsträchtigen Mojo Club – direkt auf dem Kiez. Der Laden war natürlich ausverkauft, alles andere wäre komisch gewesen. Den Beginn machte Laura Misch, Toms ältere Schwester. Diese hatte ich bereits auf dem Reeperbahn Festival letztes Jahr erleben dürfen und wollte daher keine Minute zu spät kommen. Laura steht alleine mit ihrem Saxophon auf der Bühne und spielt auf ihre Beats aus dem Laptop. Heraus kommt ein sehr entspannter, aber auch sehr spannender Jazz, der eigentlich wenig mit dem verspielten und groovigen Soul ihres Bruders zu tun hat.

Die Verbindung ist die gemeinsame Musikalität. Tom steht einige Minuten nach Lauras Set mit vier weiteren Musikern auf der Bühne, er selbst spielt Gitarre und singt. Im Laufe des Abends wird auch klar, was Tom Misch von anderen Produzenten wie Kaytranada oder Mura Masa unterscheidet und auf YouTube leicht zu übersehen ist: Der Fokus liegt klar auf der Musik, die organisch ensteht und sich nicht mit technischen Spielereien aufhält. Es geht um das Zusammenspiel der Instrumente und um das Gefühl, das als Band transportiert wird.

Ab und zu erinnere ich mich an alte Jazz-CDs von meinem Vater. Dass ein 22-Jähriger in 2018 so eine Musik macht, ist natürlich bemerkenswert, aber Fluch und Segen zugleich. Ich persönlich habe an dem Abend ab und zu darauf gewartet, dass etwas spannendes und überraschendes passiert. Ich gebe aber auch zu, dass der Großteil des sehr gemischten Publikums anderer Meinung war und offensichtlich Spaß hatte. Es wurde getanzt, gesungen und auch eine kleine Pause, die technischer Probleme geschuldet war, wurde hervorragend verkraftet.

Das neue Album „Geography“ wird nach dem, was an dem Abend zu hören war, einige überraschen. Allein das Bossa Nova-artige „It Runs Through Me“ zeigt, was da alles passieren kann. Fürs erste gebe ich mich aber auch mit diesem klasse Konzert zufrieden.

Dank für’s Handy-Pic geht an Anna Holzinger! Beitragsbild von Charlie Cummings.

[asa]B0774WX37X[/asa]