Tom Walker und Jasmin beim Reeperbahn Festival

Tom Walker und Jasmin beim Reeperbahn Festival

Das Reeperbahn Festival hat jedes Jahr einiges zu bieten. Im September kannten ihn wahrscheinlich noch die wenigsten, doch mittlerweile ist Tom Walker kein Geheimtipp mehr. Der sympathische Brite hat mit seinem Song „Leave a Light on“ einen fantastischen Hit gelandet der aus dem Radio nicht mehr wegzudenken ist. Und Ende dieses Monats spielt er direkt zwei ausverkaufte Konzerte in Deutschland.

Auf dem Reeperbahn Festival stand er gemeinsam mit seiner Band im Nochtspeicher auf der Bühne und überzeugte das Publikum mit seiner einmaligen Stimme. Wir nutzten während des Festivals die Gelegenheit, das Ausnahmetalent vorweg im Hotel zu treffen und sprachen mit ihm über die Einflüsse seiner Musik, seiner Leidenschaft für Gitarrenkoffer und mehr.

Häufig ist es so, dass viele Künstler ihre Karriere in Deutschland starten, was daran liegen mag, dass wir einfach zu beeindrucken sind. Du hast aber schon in den Staaten gespielt und dort die Bühnen gerockt?

Tom: Wir hatten schon ein paar Gigs dort, das stimmt. Wir haben in New York und L.A. gespielt. Danach hatten wir anstrengende Promo-Tage, wo wir von Radiosender zu Radiosender gefahren sind und auch dort immer ein paar Songs gespielt haben. Das ging 16 Tage am Stück so und war ziemlich cool. Außerdem sind wir an einem Tag mit einem Mustang gefahren und haben den Amerikanischen Traum gelebt, das war der Wahnsinn!

Du wirkst wie ein wirklich lustiger Typ, aber deine Musik ist häufig ziemlich traurig. Wie funktioniert das?

Tom: Ich weiß nicht. Ich versuche Songs zu schreiben, die sich traurig anhören aber auch eine gute Seite haben, so dass am Ende alles gut ist. Verstehst du was ich meine? Ich versuche öfter Happy-Songs zu schreiben aber sie enden meistens als traurige Lieder die ein bisschen kitschig sind. Aber ich habe auch viele Happy-Songs. Ich hatte ein ganzes Album davon voll, aber dann meinte das Label „Nein, wir brauchen mehr traurige Lieder“. Menschen lieben es traurig zu sein.

Ich mag es glücklich zu sein.

Tom: Ich auch! Aber viele Leute macht es glücklich traurige Musik zu hören. Ich hoffe aber, dass sie nicht zu meiner Musik weinen, so traurig ist sie dann auch nicht. Irgendwo in der Mitte von traurig und glücklich.

Du hast einen Abschluss in Songwriting. Ich gehe davon aus, dass du vor deinem Abschluss schon Songs geschrieben hast. Wenn du dir diese Songs jetzt anhörst, wie empfindest du diese Songs jetzt?

Tom: Seitdem ist viel passiert. Viele Sachen hören sich sehr kindisch an. Ich denke mein Songwriting hat sich seitdem sehr verbessert, hoffe ich zumindest.

Du hast auch einige Songs mit Hip Hop Künstlern zusammen gemacht. Wie sind diese Konstellationen zustande gekommen? Hast du sie gefragt oder sie dich?

Tom: Ein bisschen von beidem. Es kommt drauf an. Ich habe mit Kojey Radical zusammen gearbeitet, das kam durch das Label und es hat fantastisch funktioniert. Danach haben wir sehr viel miteinander gearbeitet, was wirklich cool war.

Schreibt ihr die Texte dann gemeinsam?

Tom: Da kommt es auch drauf an. Manchmal, wenn man zusammen arbeitet, trifft man sich nicht einmal. Häufig läuft es über das Internet, es kommt immer drauf an, wo sie sich gerade befinden. Ich habe ein paar Sessions gemacht oder mit ihnen telefoniert, die Hauptsache ist, dass der Song am Ende gut wird.

Du hast bisher noch kein Album veröffentlicht.

Tom: Aber es kommt!

Glaubst du, dass es heutzutage nicht mehr ganz so wichtig ist, ein Album zu veröffentlichen?

Tom: Es kommt immer darauf an, wen man fragt. Für mich ist es wichtig. Ich weiß nicht, wie wichtig es heutzutage für die Allgemeinheit in der Streaming-Zeit ist. Ich denke, wenn man ein Künstler sein möchte, braucht man auch ein anständiges Album, sonst hat man ja nur Singles. Ich habe es aber nicht eilig, ich möchte am Ende nur, dass es gut wird.

Was machst du direkt vor deinen Auftritten und was ist das erste, was du tust, wenn du von der Bühne kommst?

Tom: Meistens laufe ich davor 10 Minuten nervös durch die Gegend. Das ist der schlimmste Zeitpunkt der Show, darauf zu warten, die Bühne betreten zu können. Auf der Bühne ist dann alles in Ordnung, aber davor … es fühlt sich einfach an wie eine Ewigkeit. Danach trinke ich meistens ein Bier, nicht immer, aber bei den wirklich wichtigen Shows.

Was war das beste Konzert, auf dem du je warst?

Tom: Foo Fighters! Und Muse und AC/DC. Das waren meine Top 3 Konzerte.

Du hast mir vorhin erzählt, dass du auf dem Glastonbury Festival nach den Foo Fighters gespielt hast.

Tom: Ja genau, aber die waren auf der großen Bühne und ich nur auf einer kleinen. Das wäre großartig gewesen, auch auf der Bühne zu spielen, aber leider nicht.

Liebst du etwas, was alle anderen hassen?

Tom: Ich mag Gitarrenkoffer. Ich habe neun Stück zuhause unter dem Bett, meine Freundin hasst es. Eigentlich sehen alle ziemlich langweilig aus, aber ich mag sie.

Tom Walker Live (ausverkauft)

  • 27.04. – Berlin, Festsaal
  • 28.04. – Hamburg, Gruenspan