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Das war’s dann mal wieder: 2016 haben wir hinter uns gelassen, ein Glück, könnte man da sagen, sind doch im vergangenen Jahr Künstler wie Leonard Cohen oder Prince von uns gegangen. Uncool, zwosechzehn, wirklich uncool!

Um großer Trauer entgehen zu können, habe ich auch dieses Jahr wieder zum größten Teil mit weniger bekannten und in aller Regel auch jüngeren Musikern auf meinem Plattenteller verbracht, was die folgende Liste wohl zeigt. Trotz maximaler Subjektivität kann ich aber jedem, der gute Musik zu schätzen weiß, die nun folgenden fünf LPs uneingeschränkt ans Herz legen!

#05: Ahzumjot – 16QT02: Tag Drei

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Meine Alben-Topliste startet gleich mit einem Release, der sich – hält man es päpstlicher als der Rapszenenpapst – gar nicht so recht als Album bezeichnen lässt. Ahzumjots „16QT02: Tag Drei“ erwuchs aus seiner 2015er Comeback-EP „Minus“, die ich hier im Blog ausführlich besprach. Er fügte der EP Songs hinzu, drehte nochmal an den bestehenden und schuf so ein 14 Songs starkes Mixtape. Dessen kryptischer Titel erklärt sich in Ahzumjots wahnwitzigem Bestreben, 2016 quartalsweise je eine Veröffentlichung abzuliefern. Diese ist nach einer Remix-Kompilation die des zweiten Quartals.

Erwartet man bei so einer Quantität auch Qualität? Wohl nicht und doch meisterte es der werte Alan mit „Tag Drei“, das stärkste Werk seiner bisherigen Karriere abzuliefern. Einfach so, kosten-, promo- und labelfrei, doch gerade diese Modalitäten machen ihn zu einem frei agierenden und damit konsequenten Künstler, was die Platte durchweg widerspiegelt.

Die selbstreflektierenden EP-Stücke, ergänzt um härtere Kandidaten wie „Prio“, machen das Quasi-Album zu einer herausragenden Leistung und verdrängen sogar Ahzumjots Soundvorbild Kanye West aus dieser Bestenliste.

→ Anspieltipps: Prio, Schwör’s Dir, Montag

NOISIV Mixtape Market #2: Musik für Lau von Megaloh, Protoje, Ahzumjot und C.O.W. 牛!

Der NOISIV Mixtape Market geht in die zweite Runde. Hier findet ihr kostenlose Musik aus diesem wunderbaren Ding, das man Internet nennt. Aus den letzten Wochen... Weiterlesen →

#04: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen

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Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, die sich längst aus dem Schatten ihrer teilweisen Vorgängergruppe Superpunk gekämpft hat, veröffentlichte gleich zum Jahresbeginn ihre dritte LP, die den feinen Namen „Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen“ trägt.

Und was da wieder alles los ist in Carsten Friedrichs‘ Lyrics! Bierselige Esel, der beste Zechpreller der Welt und James Deans Todesfahrt-Begleiter Rolf Wütherich sind nur einige der Gestalten, die der Hamburger im Gepäck hat, um wirklich spannende Inhalte abzuliefern. Ein unschätzbares Gut, das ihm seit jeher als Bereicherung der hiesigen Songschreiberszene anhaftet und mit dem mittlerweile ausdefinierten Liga-Sound wunderbar harmoniert.

Harmonisch klingt das ganze ja ohnehin, tanzbar und soft, obwohl thematisch gar nicht mal alles bloß ding-dong-happy ist. Doch auch, wenn die Kampfbahn in Hamburg Ottensen nicht mehr steht, singt Friedrichs ihr ein Loblied und auch, wenn man sie, wie ich, überhaupt nie kannte und Fußball verschmäht, beginnt man sie zu vermissen und tanzt gern zu ihrer Hymne mit. Friedrichs und seine Liga sind in Topform und packen Hamburg wieder auf die Karte, was Gitarrenmusik angeht.

→ Anspieltipps: You are great but people are shit, Arbeit ist ein Sechsbuchstabenwort, Die Kampfbahn im Sonnenschein

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen (Album-Review)

Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen! Das ist tatsächlich der Titel des neuen Albums der nicht minder lang und augenzwinkernd benannten Gruppe... Weiterlesen →

#03: Karies – Es geht sich aus

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Vor knapp zwei Jahren stand ich in einem baden-württembergischen Müller, diese Kette mit dem seltsam diversen Sortiment, die man hier im Norden gar nicht so recht kennt. Zunächst freute ich mich über die Existenz einer CD-Abteilung in einem Drogeriemarkt und anschließend darüber, eine nicht erwartete CD dort zu finden: „Seid umschlungen, Millionen“ von der Gruppe Karies, deren Name mir zwar geläufig war, nicht jedoch ihre Musik. Richtig warm wurde ich trotz anfänglicher Euphorie jedoch nicht mit dem Album: Zu undefiniert war mir der Sound, zu brüllig der Gesang. Irgendwie waren Karies – anders als ihre Stuttgarter Szenegenossen, wie Human Abfall und Die Nerven – einfach nichts für mich.

Ganz anders ging es mir nun aber mit ihrem im November veröffentlichten Nachfolger. „Es geht sich aus“ lautet sein Titel, wieder so ein Ding, das man in hiesigen Landstrichen gar nicht kennt. Was sich hier aber ganz klar ausgeht: Der klarere Sound von Karies, die Reduktion der Lyrics auf das Wesentliche und ganz besonders die immer wiederkehrende Repetition in beidem. Mit stetiger Wiederholung erreichen Karies hier keine Eintönigkeit, sondern steigern sich wieder und wieder in maximale Ekstase und schaffen so mit jedem der elf Songs eine eigene – wenn auch häufig kühle, düstere – Welt. Dröhnende Bässe und hallige Riffs sperren den Hörer in Stuttgarts Post-Punk-Keller und am Ende will man doch gar nicht mehr raus. Vereinnahmung auf ganzer Strecke!

→ Anspieltipps: Pervers, Ostalb, A

Karies – Es geht sich aus (Album-Review)

Das neue Album „Es geht sich aus“ von Karies ist mittlerweile seit zwei Wochen auf dem Markt. Zeit für uns, die Platte Revue passieren zu... Weiterlesen →

#02: Conor Oberst – Ruminations

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Zugegeben: Auch wenn sich Conor Oberst mit seinem langjährigen Projekt Bright Eyes zu Teenagerzeiten in mein Herz gespielt und es nie mehr verlassen hat, blieben seine Soloalben selten lange auf meinem Plattenteller. Die großen Würfe vergangener Tage konnte er damit für mich nicht mehr landen – obwohl Bright Eyes doch eigentlich auch nur Conor selbst war!

So verwunderte es mich zunächst also nicht, dass „Ruminations“, sein diesjähriger Solorelease, in der Musikpresse eher mäßige Bewertungen erfuhr – bis ich die Platte selbst hören konnte. Der werte Herr Oberst vertraut hier voll und ganz auf seine Stimme, wahlweise ein Piano oder eine Akustikgitarre und immer mal wieder auf eine Mundharmonika, die dem ganzen einen gewissen Dylan-Moment gibt, der manchen nerven mag, für mich aber hervorragend funktioniert. Was auf früheren Platten stets großes Kino war – die ruhigen Balladen zwischen all den Indie-Songs, beispielsweise der „Ladder Song“ auf der letzten Bright-Eyes-LP -, wird hier auf voller Länge durchgezogen. Da fällt es natürlich schwer, die besonderen Momente auf Anhieb zu finden, bis man dann merkt: Jeder der zehn Song birgt diese in sich!

Conor Oberst tut hier das, was er vielleicht am besten kann: Ruhige, doch große Songwriterstücke abliefern, mal entspannt, mal dramatisch, immer toll. Noch immer geht’s um Selbstzweifel („Counting Sheep“), auch um Suff („Till St. Dymphna Kicks Us Out“), und noch immer kann Oberst mit Songs wie diesen beweisen, dass er zu den größten Singer-Songwritern unserer Zeit gehört. Ein Album, durch das ich mich erneut in ihn verliebe.

→ Anspieltipps: Gossamer Thin, Till St. Dymphna Kicks Us Out, Next Of Kin

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#01: Maeckes – Tilt

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„Leute fragen, bist du nicht Maeckes? Ich entgegne, ich bin nicht Maeckes!“ Nein, richtig stolz war Markus Winter nie auf diese Rapper-Identität, machte ihr Leugnen zum Stilelement unzähliger Texte, die er wahlweise solo, früher mit Bartek oder mit der ganzen Orsons-Bande performte. Doch „Tilt“, das Album, auf das ich mich dieses Jahr am Meisten freute und das auch am Längsten rotierte, beweist: Maeckes braucht sich keineswegs zu verstecken, denn er hat, wie ich es in meiner Rezension bereits lang und breit verkündete, sein Meisterwerk geschaffen.

Das will er vielleicht nicht wahrhaben, lädt auch extra Josef Hader ein, um sich selbst von ihm fragen zu lassen: „Warum hast du Angst vor dem, was du kannst?“. Auch geht er mit sich selbst hart ins Gericht in Songs wie „Die Alpen“, mit der Welt um ihn herum sowieso („Atomkraftwerke am Strand“, „Gettin‘ Jiggy With It“). Gerade all diese Ehrlichkeit in seinen Texten ist aber das, was ihn zu Deutschraps vielleicht bestem Texter macht. Ob Storytelling oder klassicher Rap-16er, Maeckes kann es einfach und würzt jede Zeile mit seiner unverkennbaren, eigenen Art zu schreiben.

Dass er es jetzt geschafft hat, all das noch mit einem musikalisch und konzeptuell einwandfreiem Album zu perfektionieren, ist das beste, was ihm und uns passieren konnte. Ich bin nicht Maeckes, nur ein Maeckes-Vergötterer.

→ Anspieltipps: Loser, In deiner Stadt, Gettin‘ Jiggy With It

Maeckes – Tilt (Album-Review)

Wer ist eigentlicht dieser Maeckes? Der adrette junge Mann da oben? Nee, das isser nicht. Das sagt er jedenfalls seit Urzeiten von sich selbst: „Ich... Weiterlesen →

Bis Jahresende jeden Montag und Mittwoch eine neue Album-Bestenliste von uns! Alle Beiträge unserer diesjährigen, neunteiligen Artikelserie könnt ihr zusammengefasst hier finden:

Alle Top-Alben 2016 der noisiv.de-Autoren →

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