Total Love 01

Total Love – Total Love EP (VÖ am 14. April 2015)

Die besinnlichen Weihnachtstage sind vorbei und vielleicht lag auch unter eurem Baum mal wieder das ein oder andere Festivalticket. Mittlerweile ist die Euphorie der Feiertage verpufft, die Vorsätze gleich mit und über bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass noch viele weitere Monate an Alltag und Routine bevorstehen, ehe der erste Hering in die Campingflächen des Kontinents geschlagen werden kann.

Genug Zeit also sich bis dahin ein paar Vertreter der aktuellen Pop-Punk Klasse von ’15 anzuschauen, die mal wieder nichts anderes getan haben, als über den tristen Alltag zu lästern. Heute: Total Love aus Toronto, Kanada! Total Love hassen ihre Jobs, sind heiß auf den Sommer und jagen Girls hinterher. Das, und der ausdrückliche Wunsch ins All geschossen zu werden, ist ihrer selbstbetitelten Debüt-EP zu entnehmen.

Wir kennen alle unser Problem mit dem Pop-Punk: alles schon mal dagewesen. Nur eine Spur härter und das „Pop“ nimmt den nächsten Flieger gen Mexiko. Eine Spur softer, und „Punk“ wird mit abgelaufenen Raviolidosen beworfen und als Sell-Out beschimpft. Total Love entschieden sich diesem Problem bereits bei ihrem Debüt aus dem Weg zu gehen. Auf den sechs Stücken der EP bewegen sich die Nordamerikaner nach dem catchigen Opener I Don’t Wanna Work auf einer Safari durch die US-Rock ’n’ Roll Geschichte und versuchen sich an Standhymnen und den Classic Rock-Platten der Eltern.

Die Anleihen an die goldenen Zeiten des Rock ’n’ Roll ziehen sich dabei unverkennbar durch die Scheibe. Eine Ballade wie Let You Down ist mit seinen begleitenden Chören nah am Doo-Wop der 50er-Jahren dran, einzig die verzerrten Gitarren und die gelungene Produktion der Platte weisen auf das tatsächliche Alter der Platte hin. Die Band bewegt sich durch klassische Rockriffs (She’s My Girl) und hat dabei auch Hymnen auf Lager (Gimmie Summertime), die auch wunderbar in Jugendstreifen der 80er-Jahre als perfektes Intro hergehalten hätten.

Immer wieder kommen sie dann doch aber hoch – die Erinnerungen an die letzten Projekte von Green Day: auf den 2012er Veröffentlichungen Uno, Dos und Tré hat die kalifornische Pop-Punk-Band zuletzt ebenfalls versucht ihren Sound mit Garage- und Rock ’n’ Roll-Einflüssen zu bereichern – und ist gescheitert. Der Sound von Total Love bewegt sich zwar im selben Orbit, klingt dabei jedoch frischer und ungezwungener, wenn auch das Songwriting der Indie-Band noch eine Spur bissiger sein dürfte. Indie-Band übrigens im wörtlichen Sinne: die Veröffentlichung und Pressung der EP wurde durchweg selbstorganisiert.

Die Jungs aus Toronto liefern mit der Total Love EP leichte Kost im guten Sinne ab: weder geben sie sich dem postmodernen Zeitalter der Ironie hin, noch lassen sie sich frühzeitig in erkennbare Muster pressen. Die Themen sind definiert, der Sound war es schon lange vorher. Diese Platte ist nichts für Ohren über 20 Jahren; zu direkt die Lyrics über blöde Arbeitsplätze, blöde Jahreszeiten und blöde Romanzen, zu schmierig die ausgeschütteten Hormone. Für jüngere Hörer dient die Total Love EP dagegen als wunderbarer Einstieg in die Welt des Beach- und Surf-Rocks, welcher sofort dazu einlädt mehr zu entdecken.

Die selbstbetitelte Total Love EP ist am 14. April 2015 über Total Love Music erschienen und ist auf Interesse auch im klassischen Tapeformat erhältlich!

More Love?
Über den Wolken:
die Total Love EP gibt’s in voller Länge auf der Soundcloud der Kanadier.
Im Bandcamp: auch Total Love haben auf dem Bandportal ihre Zelte aufgeschlagen.
Bei Facebook: ihr könnt ja mal leise nach Deutschland-Gigs fragen…
Auf der offiziellen Seite: It’s 2016 – offizielle Websiten laufen nun über tumblr!

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