Foto: Sebastian Pielles

Foto: Sebastian Pielles

Dieser Artikel wird von einem wundervollen Mittwochabend handeln, der zunächst auf dem Santa Pauli startete und mich anschließend in den Mojo Club führen wird. Niemand geringeres als Tricky lud zu einer kleinen Tour am Ende des Jahres ein, bei dem er sein neues Album „Ununiform“ vorstellte.

Es war meine erste Liveerfahrung mit dem Bristoler Musiker, der schon seit geraumer Zeit seine Wahlheimat inzwischen in Berlin gefunden hat. Meine Erwartungen waren geprägt von der Bühnenpräsenz von Massive Attack, die 2010 eine atemberaubende Show beim Hurricane Festival spielten und deren Mitglied er Anfang der 90er Jahre noch gewesen war. Allerdings ist die Liveshow von Herrn Thaws aka Tricky eine komprimierter Variante: Gemeinsam mit einem Drummer, der zeitgleich diverse Beats abspielte und einem Gitarristen betritt der Protagonist die Bühne während der fast ausverkaufte Club gespannt wartet.

Nach einem instrumentalen Intro folgt „I’m Not Going“ ein Song des Vorgängeralbums, bei dem Tricky gesanglich die Sängerin begleitet, welche vom Band abgespielt wird. Das sollte aber das letzte Mal gewesen sein, denn anschließend kommt eine Gastsängerin auf die Bühne, die das Trio komplementiert. Bislang ist es mir nicht gelungen herauszufinden, wer diese wundervolle Sängerin ist, die zahlreiche Songs des neuen Albums mit voller Hingabe und unterschiedlichsten Emotionen performte. Auch der Gitarrist überzeugte zusätzlich beim Track „Parenthesis“, dem er seine Stimme verlieh, während der Drummer bei „Doll“ sang.

Die neuen Songs fruchten sofort: So überzeugen das düstere „Dark Days“ sowie die Anti-Balade „Armor“ genauso wie ruhigere Songs wie „Doll“ oder „New Stole“. Daneben durften auch alte Songs nicht fehlen, wie etwa „Overcome“ von seinem Debütalbum „Maxinquaye“. Dabei schafft es Tricky mit seiner exzentrischen Art das Publikum sofort für sich zu gewinnen. Während sein Unterhemd den ganzen Abend leiden muss, ist das alterstechnisch buntgemischte Publikum vollkommen überzeugt und klatscht und pfeift den Musikern zu. Der fast fünfzigjährige Künstler ist nicht nur körperlich topfit und so wirkt er kaum aus der Puste, nachdem er gefühlte fünf Minuten die Bühne hin und herspringt und dabei bei „When We Die“ seine Emotionen freien Lauf lässt.

Am Ende des Tages bin ich absolut glücklich darüber, dass ich Tricky in dieser Clubatmosphäre erleben durfte. Der Sound war perfekt auf die Trip-Hop Beats zugeschnitten. Als Highlight holte die Legende noch einige Zuschauer auf die Bühne, um mit ihm und seiner Band zum letzten Song „Vent“ abzugehen. Dabei imitierte einer der Zuschauer Tricky und sein Unterhemd. Ich versuche diese Art von Tanzen demnächst auch in meinem Freundeskreis durchzusetzen, allerdings wird keiner an den toptrainierten Tricky herankommen.