Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Das Jahr 2017 hat kaum begonnen, da gab es für mich schon das erste Konzerthighlight des Jahres, denn Turbostaat spielten am 21. Januar endlich ihr Zusatzkonzert, nachdem sie die Markthalle im vergangenen April ausverkauft hatten. Zwischen den beiden Terminen lagen nun neun Monate und die Vorfreude baute sich stetig bis ins Unermessliche auf. Der Jackpot kam dann mit der Bekanntgabe von Freiburg als Support-Band. Auch die Gütersloher Emo-Punker habe ich nun schon einige Male live gesehen und zwei meiner Lieblingsbands an einem Abend auf einer gemeinsamen Bühne zu sehen, ist natürlich eine feine Sache.

Das dachten sich auch viele andere Menschen, denn die Große Freiheit 36 wurde offiziell ausverkauft. Wenige Tage später spielten Turbostaat übrigens im Duisburger Djäzz, in den knappe 150 Menschen passen. Dieser Kontrast ist etwas, das die Gruppe praktisch für sich gebunkert hat. Diese Gruppe spielt überall und macht alles voll.

Freiburg geben Vollgas!

Zurück zum Konzert in der Großen Freiheit 36: Freiburg übernahmen also das Warm-up. Pünktlich kamen sie auf die Bühne und legten mit „Der Fall ins Messer“ los. Sieht man die Gruppe öfter live, wird einem das bekannt vorkommen. Nichtsdestotrotz ist es jedes einzelne Mal verdammt geil, mit diesem Song in die Setlist der Band zu starten. Von vorne weg absolut intensiv und hammerhart!

Weiter ging es mit einem bunten Potpourri aus älteren und neueren Songs aus dem aktuellen Album „Brief & Siegel“. Joppi hält sich mit Zwischenansprachen wie immer sehr knapp. Das höchste der Gefühle war ein „Ihr seid Zucker“, das dafür umso herzlicher rüberkam. Umso mehr Energie wurde dafür in die gespielten Songs investiert!

Freiburg live zu sehen, ist wie ein höllischer Schweineritt sondergleichen! Das haben sie auch dieses Mal in der Großen Freiheit bewiesen. Die Band beendete schließlich ihre Setlist und mir blieb nur ein breites Grinsen im Gesicht übrig. Welch Wonne es mal wieder war!

Großartig, wie eh und je: Turbostaat!

An und für sich wäre ich auch schon zufrieden gewesen, wenn der Konzertabend nach Freiburg zu Ende gewesen wäre, aber da kam ja noch diese eine Band aus Husum. Sie betraten also die Bühne und die komplette Meute drehte am Rad. Den Anfang machten sie mit dem Abalonia-Duo „Ruperts Gruen“ und „Der Zeuge“. Anschließend sollte eine schöne und bunte Setlist aus der gesamten Turbostaat-Diskographie folgen. Ob nun „Drei Ecken – ein Elvers“, „Bossbax“ oder sogar „Das Island Manöver“. Es wurden zig Songs gespielt, die ich über die vergangene Zeit hinweg live vermisst habe – großartig!

Natürlich durften aber auch einige der populären Songs nicht fehlen: „Pennen bei Glufke“ und allem voran natürlich „Insel“: „Husum, verdammt!“. Mein persönlicher Favorit war aber wieder einmal „Eisenmann“. Ich erinnerte mich an das letztjährige Angst macht keinen Lärm in Potsdam, wo ich diesen Song klatschnass im strömenden mitbrüllte. Ein leichter Schauer geht mir über den Rücken. Natürlich wurde auch die neue Single „Die Tricks der Verlierer“ gespielt und wie ich es im Vorfeld vermutete, schlug der Song richtig gut ein! Die Crowd feierte die Band und ihre Songs erwartungsgemäß: In der Mitte war ordentlich Zunder am Werk, da sind die Leute durchgedreht!

Turbostaat – Abalonia (Album-Review)

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Zwischendurch gab es auch einige Ansprachen. Aber, Moment! Rollo hat ein eigenes Mikrofon und spricht! Auch im 18. Jahr der Band gibt es immer wieder neues zu entdecken! Beinahe erfürchtig spricht er unter anderem von ehrlicher Dankbarkeit für die letzten 18 Jahre und davon, welche Bands schon in der Großen Freiheit 36 gespielt haben.

Die reguläre Setlist wurde mit dem Titeltrack des aktuellen Albums „Abalonia“ beendet. Die anschließende Zugabe bestand aus „Harm Rochel“, „Phobos Grunt“ und „Vormann Leis“. Als ob das noch nicht genug wäre, kamen sie danach nochmal raus, um zwei weitere Songs zu spielen – unter anderem natürlich „Schwan“! Hier eskalierte die Masse dann endgültig nochmal! Anschließend war das Konzert dann aber wirklich vorbei.

Wieder einmal zeigte sich: Auch nach über 20 gesehenen Turbostaat-Shows gehe ich nicht ohne Grund immer wieder hin. Es sind diese ganz bestimmten Konzerte, bei denen einfach alles stimmt und die einen glücklich machen. Das wiederum können nicht viele Bands in dieser Perfektion. Bei Turbostaat wiederum stimmt einfach die Chemie zwischen der Band und der Crowd und das war auch in der Großen Freiheit 36 kein Stück anders. Es sind Konzerte besonderer Gruppen, wie dieser, die einen prägen.

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