Nein, ich weigere mich: das Jahr 2016 hat es einfach nicht gebracht. Ich kann mir zwar eine Album-Bestenliste aus den Fingern saugen, muss mir aber leider auch eingestehen, dass wir musikalisch in neue Abgründe gerutscht sind. Der Tod von David Bowie und Prince, der wetterbedingte Abbruch zahlloser Festivals und die Trennung von Sarah und Pietro: eine Träne jagte in diesem Jahr die Nächste.

„Es war nicht alles schlecht“ würden meine neuen Helden von Jennifer Rostock nun aber mahnen: da gab es zum Einen den Start von NOISIV Radio auf dem Hamburger Communitysender TIDE 96.0. Zum Anderen den Autorenzuwachs hier im Blog. Und last but not least das diesjährige Reeperbahn Festival, bei welchem wir für euch mit einer Reihe an wunderbaren Künstlern, Interviews führen und Sessions aufnehmen konnten.

Nun, denn: das Standbein der Musikwelt bestand auch 2016 noch aus vereinzelten Album- und EP-Veröffentlichungen, ohne die bei Festivals und im Radio kein Licht angeht. Insofern hat sich auch in meinen Ohren eine Top 5 an Scheiben breitgemacht, welche mich das gesamte Jahr über begleitet haben. Here we go:

#05: Drangsal – Harieschaim

Drangsal - Harieschaim

Ein hervorragendes Stück Popmusik: Max Gruber aka. Drangsal hat mit seiner Debütplatte die 80er zurück in unsere Speaker geholt. Die Platte, kurzweilig und verbrecherisch nah an seinen Vorbildern, hat mir zuhause wie auch Live (dreimal alleine 2016) tolle Stunden beschert. Mit einem kleinen Funken mehr an Experimentierfreudigkeit, wäre eventuell auch mehr als nur Platz 5 in meiner Jahresabschlussliste dringewesen.

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#04: Danny Brown – Atrocity Exhibition

Es war auch das Jahr der düsteren Alben: Ob Car Seat Headrest, David Bowie oder Danny Brown, sie alle veröffentlichten in diesem Jahr Songkollektionen, die nicht gerade täglich ihren Weg in meinen Gehörgang finden. Browns Meisterwerk hat mich jedoch am Meisten überrascht: „Atrocity Exhibition“ ist die Demonstration einer mitgenommenen Seele, die von Stück zu Stück gen Untergang zusteuert und dabei eben mal einen Hip-Hop-Meilenstein hinterlässt. Saustark. Auch Live.

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#03: Weezer – Weezer (The White Album)

Sie sind wieder in Form: nach einer Reihe an Platten, bei denen höchstens mal das Artwork etwas zu lachen hatte, hat sich die Band um Frontmann Rivers Cuomo endlich wieder auf alte Stärken besinnt. Das „weiße Album“ schreit nach Spielfreude, ansteckenden Melodien (ihr werdet „California Kids“ und „L.A. Girls“ nicht mehr aus dem Kopf bekommen) und nach einer Band, die sich viel zu lange vor ihrem altbewährten Sound versteckt hat. Nach „Pinkerton“ schreit nach 2016 nun keiner mehr.

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#02: Kanye West – The Life Of Pablo

Zunächst wirkte diese Ära von Kanye West wie ein kleines Desaster: verschrobene Tweets, eine ausbleibende Veröffentlichung der Platte und ein inkonsistenter Sound. Selten zuvor klang ein Release des kontroversen US-Rappers derart zusammengewürfelt. „TLOP“ wurde zu einer Klangcollage, die das Werk des Musikers neuinterpretierte, ohne je der Einfallslosigkeit zu verfallen. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass es gerade die Inkonsistent war, die meine Hände in diesem Jahr immer und immer wieder gen Playbutton bewegten.

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#01: Massive Attack – Ritual Spirit (EP)

Ladies and Gentlemen, bereits im Januar war bei mir der Sack zu: „Ritual Spirit“ mag zwar nur eine EP mit vier Stücken sein, doch mögen die Titel von Massive Attack ihre Gründe haben, sich nicht mit sinnlosen Fillertracks zu umgeben. Die Kollaborationen mit Tricky, Young Fathers, Azekiel oder Roots Manuva zählen für mich zu den stärksten Stücken, die das Genre des Trip-Hops jemals zu ihresgleichen zählen durfte. Vor dem überraschenden Release habe ich, ähnlich wie viele Andere, die Briten bereits abgeschrieben, sie im Kopf in die 90er geparkt und nur selten wieder ausgepackt. Diesen Fehler werde ich nie wieder machen. Ob man 2017 mit einer Platte rechnen kann? Ich bitte drum.

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Bis Jahresende jeden Montag und Mittwoch eine neue Album-Bestenliste von uns! Alle Beiträge unserer diesjährigen, neunteiligen Artikelserie könnt ihr zusammengefasst hier finden:

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