Top 5 Konzerte des Jahres 2016: Babak

Konzerte haben auch im Jahr 2016 noch etwas sehr magisches an sich. Man mag es schließlich kaum glauben: bei aller Digitalisierung der Welt und der Vermarktung von Künstlern als glattpolierte Produktwaren im virtuellen Playlistmarkt, liegt der direkten Begegnung mit einer Band noch immer derselbe Mechanismus zu Grunde, der Konzerte auch schon vor zehn oder zwanzig Jahren so attraktiv und spannend machte wie heute.

Zugegeben, die Flut an leuchtenden Smartphones kann dabei ganz schön nerven. Auch wir wollen uns da nicht herausnehmen, sind doch schließlich alle der folgenden Fotos mit eben jenem Gerät entstanden. Nur: man muss es doch nicht die ganze Zeit draufhalten. Geniesst den Moment, pfeift auf Facebook Live und Periscope, lebt euer live in eurem Life und überlasst die Konzertfotografie den Profis.

Kaum ein Genre muss bei meiner folgenden „Top 5“-Liste am Hungertuch nagen. Meinen unterschiedlichsten Konzerterlebnissen auf Festivals und lokalen Gigs in Hamburg sei Dank. Als Honorable Mention werfe ich jedoch noch die Beginner und Gurr in die Runde, welche in der Hamburger Sporthalle und im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2016 meine Haut nicht trocken ließen. Danke dafür.


#05: Steel Panther @ Wacken Open Air 2016

Steel Panther @ Wacken Open Air 2016

Fotos: Babak Kidney

Es noch spontan auf das größte Heavy Metal-Festival des Planeten zu schaffen, ist per sé schon mal gar nicht so übel. Eine Kombo wie Steel Panther auf dem Festivalplakat kleben zu sehen, schon etwas ganz anderes: schließlich kommt es tatsächlich nur alle sieben Universen mal vor, dass eine Parodieband auch musikalisch richtig was auf dem Kasten hat.

Als das Quartett um Michael Starr, Satchel, Lexxi Foxx und Stix Zadinia die True Stage auf dem diesjährigen Wacken Open Air übernahm, gab es kein halten mehr. Ein One-Liner jagte den Nächsten, Songs und Sketches, die noch mehr Spaß machen als die großen Vorbilder aus den 80ern und eine Crowd aus Schlamm und Tigermustern, die feiert till the End of the World.

Ein Live-Mitschnitt des Auftritts aus dem vergangenen August ist (inkl. Interview) auf YouTube verfügbar.

#04: Olli Schulz @ Uebel & Gefährlich, Hamburg

Olli Schulz @ Uebel & Gefährlich, Hamburg (2016)

Okay, doof: es musste ja ausgerechnet am Wochenende des Wutzrock Festivals ein gewisser deutscher Singer-Songwriter spontan ein Konzert in seiner Heimat Hamburg ankündigen. Nie zuvor kam ich in den Genuss ein Olli Schulz-Konzert zu erleben, selten ergab sich die Möglichkeit einen Gig in der intimen Atmosphäre des Ue&G zu versuchen. In Form eines Solo-Sets mit Kat Frankie, bei wenig Geld und wenig Erwartungen.

Ich wurde nicht enttäuscht: nach ein paar Whiskycola verriet uns der Co-Host von „Fest & Flauschig“ bereits frühzeitig erste Details zu seiner neuen Platte und der kommenden Staffel „Schulz & Böhmermann“, schmückte seine Stücke mit privaten Geschichten und war sich auch um Konfrontationen mit dem Publikum nicht zu schade. Eines dieser privaten Wohnzimmerkonzerte, die du so nur noch selten erlebst.

Ein wundervoller Live-Mitschnitt des Stücks „Ob es wirklich Liebe ist“ (feat. Kat Frankie) vom gleichen Abend ist auf YouTube verfügbar.

#03: King Gizzard & The Lizard Wizard @ MS Dockville 2016, Hamburg

King Gizzard & The Lizard Wizard @ MS Dockville 2016

Zur aktuellen Platte „Nonagon Infinity“ von King Gizzard & The Lizard Wizard gibt es gar nicht viel zu sagen, dafür umso mehr zu erleben: ein psychedelischer Trip in 41 Minuten, umwoben in niemals endenden Gitarrenssoli und Basslines. Geht das Outro deines Albums schließlich mühelos ins Intro über, sollte dir bewusst sein, dass du hier ein klangliches Monster zur Welt gebracht hast.

Das Monster hinterließ sichtliche Spuren, so auch vor der Bühne des Vorschots auf dem diesjährigen MS Dockville. Als in Hamburg-Wilhelmsburg noch bei knapp 25 Grad der letzte Staub des Moshpits verflog, suchte der Autor dieser Zeilen im tiefsten Boden noch verzweifelt nach seinem mobilen Telefongerät – und konnte es noch finden. Ein wahnsinniger Auftritt, trotz eines Slots von nicht einmal einer Stunde.

#02: PUP @ Grüner Jäger, Hamburg (Reeperbahn Festival 2016)

PUP @ Grüner Jäger, Hamburg (Reeperbahn Festival 2016)

Man trifft sich zum Interview, schnackt über die kanadische Punkszene, frisst Boritos und schüttelt sich Stunden später schweißtrunken die Hände: so oder ähnlich verlief mein damaliger Abend mit PUP im Grünen Jäger auf der Hamburger Schanze. Im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2016 befand sich das Quartett an einem regnerischen Septemberabend in einem für Konzerte eher ungewöhnlichen Club ein. Nur: Warum eigentlich?

Ein Pit zum Sterben, eine Band zu greifen und ein unfassbar starkes Powerhouse von Frontmann in Gestalt von Steve Sladkowski – muss wohl täglich in Toronto so zugehen. Im Januar ist die kanadische Punkbans im Übrigen erneut in Hamburg unterwegs. Wer seinen Körper mit blauen Flecken schmücken und seine Wut über das wundervolle Jahr 2016 etwas Toben lassen möchte, darf dies am 26. Januar im Molotow tun.

PUP im Interview über das aktuelle Album, der Szene in Toronto und „Stranger Things“!

Manche Bands sind mit einem natürliche Talent für den Abriss gesegnet: die kanadische Punkband PUP riss bei ihrem diesjährigen Auftritt auf dem Reeperbahn Festival alles... Weiterlesen →

#01: Death Grips @ Uebel & Gefährlich, Hamburg

Death Grips - Live in Hamburg #2

Nach diesem Konzert, so schrieb ich damals, war ich „platt, tot, zerstört“ und „vom Leben getrennt“. Meine Adern hätten meine Haut verlassen und die Kehle wäre „entleert, rausgeschrien und per Slam Dunk in den Bierbecher geworfen“ worden. Das Gefühl blieb noch eine Weile an mir hängen, bis ich tatsächlich anfing es zu vermissen: Death Grips haben am 25. Oktober definitiv die Show des Jahres abgeliefert.

Als das experimentelle Hip-Hop-Trio mit einer einfachen Lichtshow verspätet die Bühne betrat, war das gar noch gar nicht so klar: so gab es weder einen Merchstand, noch eine Vorband. Nichtmal Musik wurde vor dem Konzert für die wartende Menge gespielt, welches sich buntgemischt aus Hip-Hop und Punkkreisen bewegte. Ein unvergesslicher Abend einer ohrenbetäubenden Show.

Ein Club in Schutt und Asche: Death Grips im Uebel & Gefährlich in Hamburg!

Killerclowns machen die Stadt unsicher, Death Grips vernichten sie: am Dienstag hinterließ das experimentelle Hip-Hop-Trio das Uebel & Gefährlich in Schutt und Asche, brach überschüssige... Weiterlesen →

Bis Jahresende jeden Dienstag und Donnerstag eine neue Konzerte-Bestenliste von uns! Alle Beiträge unserer diesjährigen, achtteiligen Artikelserie könnt ihr zusammengefasst hier finden:

Alle Top-Konzerte 2016 der noisiv.de-Autoren →