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Nach meinen Top-Alben vom Wochenanfang, geselle auch ich mich in die neu gelaunchte, zweite Ranglisten-Reihe des Jahresendspurts: Meine fünf Top-Konzerte 2016. Alte Helden und einige Neuentdeckungen standen dieses Jahr vor mir auf großen wie kleinen Bühnen und versüßten mir zuhauf Abende, denn das geht nach wie vor am allerbesten mit guter Livemusik!

#05: Kettcar @ 40 Jahre Knust, Hamburg

40 Jahre Knust Hamburg: Kettcar

Foto: Charles Engelken | noisiv.de

Die Hamburger Band Kettcar spielt durchaus eine bedeutende Rolle in meinem Musikhörerleben, war sie doch eine der ersten Indie-Bands, die ich überhaupt für mich entdeckte und „Du und wieviel von deinen Freunden“ meine erste Vinyl-LP. Für mich war es dementsprechend keine Frage, im August den Außenbereich des Knusts zu besuchen, den die Band um Marcus Wiebusch zu Ehren des 40. Jubiläums mit einer Comeback-Show beehrte. (Großer Respekt an dieser Stelle auch an die vorab performenden Adam Angst, die ohnehin immer überzeugen!)

Sicher, ich habe Kettcar schon häufiger live gesehen, doch nach längerer Bühnenpause merkte man der Band klar an, wie viel Bock sie wieder haben, was das Konzert zum bisher besten der Band für mich machte. Albumankündigung durch Wiebusch und „Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt“ als Solozugabe inklusive!

#04: Fraktus @ Müssen alle mit Festival, Stade

Foto: Thomas Ertmer | Facebook

Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger machen keine halben Sachen, was ihre ausgedachte Elektro-Pionierstruppe Fraktus angeht. Nach der Mockumentary erschien erst ein ganzes Album der Band, womit man schon gar nicht hätte rechnen können, es folgte sogar ein zweites und nun gar eines der Gruppe Fraktus II, die im Film nur kurz als Nebenprojekt von Familie Wand angeschnitten wurden.

Kein Wunder also, dass sie auch regelmäßig live unter ihrem Pseudonym Fraktus auftreten. Dass so eine Show jedoch dermaßen unterhaltsam und auch ernsthaft gut sein könnte, hätte ich nicht erwartet, durfte es jedoch beim tollen Minifestival „Müssen alle mit“ in Stade erleben. Während sich Schamoni durch die Show rauchte und lachte, zog Strunk seine Rolle komplett ernst durch und Palminger legte einen Traum von Performance bei Songs wie „Fang den Fuchs“ hin. Ein hervorragendes Publikum traf auf eine nicht minder hervorragende Band, die es gar nicht gibt und trotzdem jeden zu begeistern wusste.

Und überhaupt: Ein wundervolles Festival, das auch eine tolle Show von Fatoni und – eh nie enttäuschend – Tocotronic als Headliner zu bieten hatte. Die beste kleine Großveranstaltung des Jahres für mich!

#03: Isolation Berlin @ Dockville Festival, Hamburg

Isolation Berlin gehören zu meinen wichtigsten Entdeckungen in diesem Jahr. Ihr Debütalbum „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ und besonders auch das aus EP-Songs zusammengestellte „Berliner Schule / Protopop“ rotierten immer wieder auf meinem Plattenteller. Grundsympathische und geschmackssichere Bande!

In ganz besondere Höhen stieg meine Bewunderung der jungen Band, als ich sie beim diesjährigen Dockville Festival in Hamburg-Wilhemsburg erstmals live erleben durfte. Man darf das gern für hochnäsig halten, ich tu’s trotzdem nicht: Sänger Tobias Bamborschke behandelt als Bühnenpersönlichkeit sein Publikum wie Nichts, machte außerhalb des Singens lediglich zwei „Ansagen“: „Na… ihr Helden?“ zur Begrüßung, zum Schluss „So, wir spielen jetzt noch ein Stück und dann… machen wir irgendwas anderes“. Mir gefällt dieses arrogant Gelangweilte irgendwie außerodentlich gut, auch der übertrieben britische Indie-Look der Band. Und weil sie so gut spielen, können sie sich das sowieso alles erlauben!

#02: Messer @ Molotow, Hamburg

Foto: Charles Engelken | noisiv.de

Das diesjährig veröffentlichte Messer-Album „Jalousie“ hatte ich vor Betreten des Molotows nur sporadisch gehört. Dabei gehe ich eigentlich lieber zu Konzerten, bei denen ich mit den gespielten Songs vertraut bin, dennoch nahm ich Charles‘ +1-Slot an diesem Abend ein (Merci, Kollege!) und war, anders kann ich es nicht ausdrücken, überwältigt!

Dass die Münsteraner Post-Punker mit zwei Schlagzeugen spielen würden, hätte ich so schonmal nicht erwartet, auch in der Form noch nicht live erlebt. Allein die Energie, die den Songs durch diesen Umstand verliehen wurde, ließ mich vor Entzücken erschaudern! Dazu spielten alle Bandmitglieder sowas von on point, dass es eine helle Freude war. Und dieser Hendrik Otremba! Beim Singen völlig vereinnahmend, in den Pausen zuckersüß am Lächeln und Bedanken, klasse Typ. Ich weiß jetzt wieder, warum so viele der Meinung sind, dass sich Bands am besten live entdecken lassen, denn trotz grober Kenntnis um die Musik von Messer war ich nie so sehr Fan wie in diesem Moment.

#01: Beginner @ Deichbrand Festival, Cuxhaven

Foto: Nils Müller | Quelle: Universal Music

Vor fünf Jahren sah ich Jan Delay, den ich zugegebenermaßen solo nie vollends überzeugend fand, live auf der Hamburger Trabrennbahn mit dem Abschlusskonzert seiner Langzeittournee zum „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“-Album. Die Beginner standen damals nach vielen Jahren erstmals gemeinsam auf einer Bühne und performten unter anderem ihren ewigen Überhit „Füchse“ inklusive Original-Featuregast Samy Deluxe. Ein magischer Moment, der mir altem Deutschrap-Kindchen Hoffnung auf ein neues Album machte. Was passierte stattdessen? „Hammer & Michel“, Eizis großspurig als Rock-Platte angekündigtes Solo-Missgeschick auf Albumlänge.

Es galt also, sich noch eine ganze Weile zu gedulden bis zum echten Comeback der Beginner, das in diesem Jahr mit „Advanced Chemistry“ endlich Realität wurde. Pflichtprogramm beim alljährlich besuchten Heimatfestival Deichbrand war daher für mich auch die Show des Trios, das noch vor Albumrelease mein liebes, altes Cuxhaven beglückte. Und vom ersten Moment an war es ein absoluter Wahnsinn: Das zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlichte „Ahnma“ eröffnete das Set, auch Gzuz reiste aus dem Hamburger Schanzenviertel für seinen Part an und von dieser Sekunde an gab es für so ziemlich jeden Besucher im Bereich zwischen Bühne und zweitem Wellenbrecher kein Halten mehr.

Erste Songs der neuen Platte wie „Schelle“ zündeten auch ungehört, alte Klassiker überzeugten nach wie vor – nach dem Gig war schlussendlich für alle klar, dass die Rückkehr der Beginner auf Bühnen und Plattenteller des Landes eine der frohesten Kunden des Jahres 2016 war!

Bis Jahresende jeden Dienstag und Donnerstag eine neue Konzerte-Bestenliste von uns! Alle Beiträge unserer diesjährigen, achtteiligen Artikelserie könnt ihr zusammengefasst hier finden:

Alle Top-Konzerte 2016 der noisiv.de-Autoren →

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