Der eine oder andere hat sie sicher schon auf den Bühnen der Republik gesehen: Valentine. Vielleicht gar nicht so bewusst, denn in den letzten Jahren trat sie vorwiegend als Teil der Liveband des mittlerweile recht renommierten Singer-Songwriters Axel Bosse in Erscheinung. Doch auch als Solokünstlerin ist Valentine kein unbeschriebenes Blatt: Im blutjungen Alter von 14 Jahren wurde bereits der Labelriese EMI auf sie aufmerksam und veröffentlichte zwei Jahre darauf ihr Debüt „Ocean Full Of Tears“. Zwei weitere Alben folgten, doch auch Unbehagen stellte sich bei Valentine ein, die das Mitspracherecht verlor und demnach mit 22 Jahren entschied, der Musikwelt und damit auch dem Major den Rücken zu kehren.

Nach erwähntem Mitwirken in der Bosse-Band hat sie nun die Leidenschaft zurückgewinnen können, auch selbst wieder Songs zu schreiben und aufzunehmen. Die fünf Stücke auf „Wild Heart“ entstanden in ihrer kleinen Einraumwohnung und erscheinen nun ebenso in bester DIY-Manier, ohne eine reinredende Plattenfirma. Und so wirkt „Wild Heart“ in seiner Frische fast wie ein Debüt, ein Neuanfang ist es allemal.

Die EP startet mit dem Titelsong, dessen Video euch Torge bereits vorstellte und der auf eine Weise Pop und Indie miteinander in Einklang bringt, die an Künstler wie BOY erinnert. Melancholisch und eingängig kommt „Wild Heart“ daher und zeigt direkt, dass Valentine weiß, wie sie ihre Stimme einzusetzen hat. Spätestens, wenn gegen Ende des Songs der C-Teil einsetzt und sich Orchestrales zur ansonsten recht akustischen Instrumentierung gesellt, geht der Song in einem im besten Sinne radiotauglichen Hit auf.

Dieser Eindruck setzt sich im nachfolgenden „Wasted“ fort, klarer Anwärter auf die zweite Singleauskopplung mit einem vor Pop-Appeal nur so strotzenden Refrain. Und wo hier zwar die Indie-Einflüsse etwas eingeschränkt wurden, hört man spätestens bei Titel 3 ihre Bandtätigkeit bei einem der beliebtesten Indietypen des Landes heraus: „Try“ passt stilistisch wie die Faust aufs Auge zu Herrn Bosses musikalischen Vorlieben und könnte nahtlos in eines seiner Livesets integriert werden. Super Tune, um in den frühen Abendstunden eines Festivals in der Sonne zu tanzen!

Bei „Pinch of Rebellion“ hält der Feelgood-Faktor an, das Tempo hingegen wird gedrosselt und so ein groovender Folk-Pop ausgepackt. Nur das recht beat-freie, abschließende „Hello Goodbye“ klinkt sich hier etwas aus, eine klassische Trennungsballade, die das mit dem ebenfalls eher melancholisch gelagerten „Wild Heart“ begonnene Werk stimmig abschließt und trotz Wehmut optimistisch in die Zukunft blicken lässt.

Valentine hat den Reset-Knopf gedrückt und zeigt sich auf ihrer jüngst erschienen EP frischer denn je. Fünf mal hochkarätige Popmusik bester Manier mit einem Wink in Richtung Independent wird uns hier geboten. Valentine ist ohne jeden Zweifel sehr talentiert und auch eigen genug, um es noch weit zu bringen. Dieses Mal hoffentlich ohne böse Erkenntnisse über die Musikindustrie.

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