Foto: Knut Lehmann

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Kommen wir nun zu einer urst coolen Band aus Berlin! Moment, so redet wirklich kein Mensch mehr, lassen wir das. Doch mit solchen unseriösen Einleitungen müssen sich diese fünf Herren wohl desöfteren herumschlagen, wenn sie ihre neue Band schon Van Urst nennen! Neu will heißen: Die Bandmitglieder sind keine unbeschriebenen Blätter mehr und haben schon ordentlich Studio- und Bühnenerfahrungen in anderen Konstellationen sammeln können. So ist Drummer Matthias Horn auch bei den Postrockern von SDNMT Gründungsmitglied, während Sänger und Gitarrist Thomas Kastning bei der Indie-Kombo Kate Mosh aktiv war und die beiden genannten Musiker somit Labelmates bei Sinnbus waren. Von nun an wird auf Flight 13 gemeinsame Sache gemacht: Am heutigen Tag erscheint das selbstbetitelte Debütalbum von Van Urst.

Die Frage How to start a song” sollten sich die erfahrenen Bandmitglieder desöfteren bereits selbst beantwortet haben und stellen sie dann doch gleich zu Beginn ihrer Platte. Dass eine solche Kreativblockade scheinbar auch etwas ausarten kann, zeigt die Songstruktur: Was als minimalistischer Uptempo-Beat aus Drums und dreckigen Indie-Riffs beginnt, entwickelt sich langsam aber sicher zur gitarrenverhangenen Postpunk-Ekstase. VanUrst_LP_CoverEin Faible für ausufernde Outros zeigt das Quintett ohnehin auf seinem Debüt: Stets lassen ihre 9 Songs sich genügend Zeit, um zu reifen und Atmosphäre aufzubauen, deren Spannung sich gen Ende in Epik entlädt. Und das glücklicherweise ganz ohne Stadionrock-Gefühle: Durch ihren rotzigen Sound und krautrock-eskes Gefrickel halten sich Van Urst auf voller Länge interessant!

Sie lassen sich dabei nicht von Genregrenzen und ebenso wenig von Sprachbarrieren einengen: Mit „Eine Runde noch” ist auch ein deutschsprachiger Song vertreten, der Erinnerungen an Bands wie Adolar weckt. Mal schreiend, mal fast sprechsingend bewegt sich Kastning am Zahn der Zeit:

„Ich baue mir mein eigenenes Scheiß-Panoptikum, behalt‘ mich stets gut im Auge. Ich richte mich, ich richte mich!
Hier mein Feedback vom Vergessen und vergesse zuerst mich und dann die Umstände auch.”

Mit groovenden Stücken wie „Metaphors killed my baby” und schnellen Noise-Attacken wie „Bald tarsiers” spielen sich Van Urst experimentell durch ihren Erstling. Zwischen anspruchsvollen Songaufbauten und einer gesunden Scheiß-drauf-Attitüde erwächst hier eine hochspannende Band mit tollem Soundbild, die man definitiv im Blick behalten sollte. Über die langwährende Stille von The Robocop Kraus tröstet „Van Urst” uns mit einem an die Nürnberger Gruppe erinnernden Stil hinweg und wir wollen schwer hoffen, dass sich die fünf Köpfe nicht all zu bald wieder anders zusammenpuzzlen – denn als Van Urst funktionieren sie hervorragend miteinander!