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Dexy wo bist du? An diesem Samstag war die Antwort klar: auf dem Spektrum Festival in Hamburg. Dexter ist aus Stuttgart angereist, um sein neues Album „Haare nice, Socken fly“ live zu spielen – erst zum dritten Mal, wie er mir später noch verraten wird. Was besonders daran ist? Eigentlich steht der Typ eher hinter den Decks, als davor.

Nach Beats für alle deine Lieblingsrapper und Maggos Bruder, stept der Heilbronner also selbst ans Mic. Zeit für den ultimativen Realtalk im Backstage des Spektrums mit dem Posterboy an der MPC. Über das neue Album, Festival-Erlebnisse und neue Socken – was sonst? Viel Spaß mit unserem Interview mit Dexter!

Dein neues Album ist draußen. Wie zufrieden bist du mit der Reaktion? Die Kritik war ja überwiegend sehr positiv.

„Da kommen Leute und labern mich an!”

Ja, ich bin schon zufrieden. Das war ja für mich wieder nur ein Spaß-Projekt im Endeffekt. Ich bin auch kein Fan von Promo-Phasen – hört man wahrscheinlich auch auf dem Album – und deshalb haben wir die auch klein gehalten. Ich war die zwei Wochen, bevor das Album rauskam, im Urlaub und hab das gar nicht so mitverfolgt. Ich hatte auch gar kein Internet, das Label hat das alles übernommen. Dann war ich schon überrascht, dass viele Leute das gehört haben. Auch in Stuttgart auf der Straße plötzlich: Da kommen Leute und labern mich an! Das kam zwar ab und zu mal vor, aber nicht so wie jetzt. Auch, dass es dann eine Woche auf Platz 49 in den Charts war…

Da sind Rapper schon schlechter gechartet.

Ja, voll! Über den kommerziellen Erfolg bin ich sehr zufrieden. Aber auch was die Leute schreiben. Und die meisten Leute kapieren das Album ja auch so, wie es ist. Dass man ja alles nicht ernst nehmen muss, und dass es was Gemütliches ist und so. Von daher bin ich ziemlich zufrieden, wollte jetzt eine Zeit lang wieder nur Beats machen, aber mal gucken: vielleicht mach ich noch ein Rap-Album demnächst. Also ich bin top zufrieden einfach.

Hattest du denn im Vorfeld andere Ansprüche an dieses Projekt, als zum Beispiel an ein Kollabo-Album mit Fatoni oder Projekte, bei denen du einfach bloß Beats platzierst?

Ich hab eigentlich überhaupt gar keine Ansprüche, wenn ich Musik mache. Also Ansprüche an den Erfolg. Ich mach’s eh, weil es mir halt Bock macht, Musik zu machen. Das ist der Grund, warum ich’s mache. Man müsste lügen, wenn man jetzt sagt, mir wär es egal, wenn es sich nicht verkauft – das ist natürlich Quatsch. Wenn man aber seine paar Platten losbekommt und nicht draufzahlt, bin ich schon zufrieden. Ich habe nie große Erwartungen. Ich glaube, es gibt Leute, die machen Musik und denken sich währenddessen, ja, das könnte live funktionieren, oder das funktioniert nicht, das muss ich anders schreiben. So Gedanken hab ich nicht.

„Viele lassen sich reinreden von den Label-Leuten”

Viele lassen sich reinreden von den Label-Leuten: „Ne, das geht nicht, das ist keine Single“. Ich mach meine Musik und hau die raus. Ich bin froh, dass ich Leute habe, die das rausbringen. Und ich will natürlich nicht, dass die auf den Kosten sitzenbleiben. Dann will man ja auch ein bisschen Erfolg haben, damit man live spielen kann. Aber vornherein mach ich mir nie so große Gedanken. Für mich wäre das auch kein Problem, wenn ich nicht gebucht werden würde, das wäre für mich kein finanzieller Genickbruch, da ich ja immer noch meinen anderen Job mache.

Du hattest bereits gesagt, dass du das auch Album gemacht hast, um selbst live spielen zu können.

Ja, genau. Wenn ich Rap-Tracks gemacht habe, waren das immer Features. Das war immer ein Problem bei Live-Auftritten, dass man dann immer auf die Gäste angewiesen ist. Da habe ich schon drauf geachtet, dass ein paar Solo-Sachen dabei sind, damit man live spielen kann.

Foto: Saeed

Wie ist das jetzt, auf der Bühne zu stehen und nicht mehr hinten in der Kanzel?

Ist jetzt schon was anderes. Nicht so, dass ich das noch nie gemacht habe. Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber wir waren mal mit Blumentopf auf Tour – also Maniac und ich. Der ist aus Regensburg und wir haben auch schon eine Rap-Platte gemacht [„Raw Shit“ von 2010]. Das hat Blumentopf so gut gefallen, dass die uns dann mitgenommen haben. Von daher habe ich schon Bühnenerfahrung und mit Rappen hab ich auch angefangen. Aber eine komplette Show alleine, ohne Partner, nur mit DJ, da bin ich schon ein wenig aufgeregter als sonst.

„Ich find‘ es besser, wenn ich hinter dem DJ-Pult spiele.”

Gerade auf dem Splash-Festival war ich richtig aufgeregt. Da standen auch übelst viele Leute vor der Bühne, so wie ich es gar nicht erwartet hätte. Ich dachte schon, da kommen ein paar Leute. Aber das ist für mich schon was anderes. Ich find’s schon cool, aber ich find‘ es besser, wenn ich hinter dem DJ-Pult spiele.

Hat das auch damit zu tun, dass du sicherer bist vom Handwerk her?

Ja. Ich spiel‘ das Zeug jetzt zum dritten Mal live und die Textsicherheit ist jetzt auch nicht so… Und ich hab immer noch den Anspruch, das einigermaßen live zu rappen und keine Playback-Sachen zu machen. Ich habe kein Problem, wenn das andere machen – ist heutzutage ja Gang und Gäbe. Aber für mich wäre mir das zu langweilig. Ich will gut rappen, aber manchmal vergesse ich die Texte, dann mumble ich ein bisschen rum, dann komm ich wieder rein. Aber wenn die Anderen nur noch Playback-Shows machen, und du rappst live und verkackst ab und zu mal was, kann da keiner was sagen! Ich bin aber auch ein schlechter Typ im Proben, Vorbereiten und Texte lernen.

Wie sieht das bei dir aus mit Familie? Wird im Schlafzimmer geübt?

„Ich weiß ganz genau, da ist so viel Luft nach oben…”

Naja, ich hab ja mein Studio im Haus, also in unserer Wohnung. Ich mach den Beat an und guck‘, ob ich den Text kann… Ich kann die aber meistens ganz gut, da ich mein Zeug selber abmische und das dadurch nochmal hören muss. Aber das ist ja nicht das Einzige, was ich mache. Ich mach‘ halt Beats, ich misch‘ ab, ich produzier‘ Musik für Andere – das sind so viele Baustellen, dass ich gar nicht so viel Zeit habe, mich immer vorzubereiten. Ich könnte das ganze bestimmt krasser abchecken. Aber das ist halt meine Arbeitsweise. Ich muss mir jetzt keine Kostüme auf der Bühne anziehen, da steh‘ ich eh nicht so drauf.

Wir haben uns gerade schon bei RIN getroffen. Wie würdest du das Festival einordnen, falls du dir das Line-Up angeguckt hast?

Find ich gut, weil das einfach ein guter Querschnitt ist durch alle Subgenres von HipHop. RIN spielt hier neben Edgar Wasser. Mittlerweile ist das nicht mehr so gespalten und die Leute nehmen verschiedene Sachen an. Das finde ich tendenziell eine gute Entwicklung.

Warst du damals als Fan viel auf Festivals unterwegs?

„Für mich war es schon krass, wenn wir ins Jugendhaus Mitte gefahren sind”

Nie. Ich hab immer in der Nähe von Stuttgart gewohnt und für mich war es schon krass, wenn wir ins Jugendhaus Mitte gefahren sind, um Afrob zu sehen. Ich mein‘, das war ’99 oder 2000 oder so. Aber auf Festivals war ich nie. Ich weiß nicht warum, aber mein Freundeskreis hat das einfach nicht gemacht. Klar, in Stuttgart gab es das HipHop Open damals – da waren wir dann schon. Aber wir sind nie weiter weg auf Festivals gefahren. Keine Ahnung warum.

Hast du denn noch eine Festival-Story?

Ich hab‘ das zwar schon einmal im Interview erzählt, aber das fand ich echt ganz witzig: Im Splash-Backstage bin ich bei diesen Backstage-Containern rumgelaufen und dann kam ein Dude an, ein Ami, und hat suchend geguckt. Und ich wollte bloß freundlich sein und hab gefragt: „Can I help you? You look like you are searching for something“. Und er schaut mich nicht an und sagt nur „Traaavis“ [mit creepy Stimme]. Also er hat nach Travis Scott gesucht und war total verballert. Und ist einfach weitergelaufen. Das war irgendein Sidekick-Dude. Er hat mich nicht angeguckt, nix. Ich war voll hilfsbereit und er läuft einfach weiter. „Traavis“.

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Hatte der denn dort was zu suchen?

Keine Ahnung, das war wohl einer seiner Travelparty… Sonst gibt es diese klassische Story auf meinem ersten Splash 2008, da ist Jay-Z aufgetreten, aber das wissen auch viele: Der ist da mit seinem Maybach im Schlamm vorgefahren, alle mussten den Backstage verlassen. Nur er durfte da drin sein. Alle mussten rausgehen, auch Xavier Naidoo und Savas. Und er ist im ekeligsten Morast mit seinem krassen Auto vorgefahren und das war so richtig… Oh man ey, wie kann man sein?

Dein Album heißt „Haare nice, Socken fly“. Was war das letzte Paar Socken, dass du dir gekauft hast?

Das war in Kanada. Ich war vor einem Monat in Kanada und da hab‘ ich mir Socken gekauft. Da gab es so Socken, die hatten Länder-Themen: Hawaii, Mexiko… Hawaii-Chicks mit Röcken und Wellen und so drauf. Dann hab ich mir das gekauft. Und bei Mexiko so Totenköpfe. Bei England ist mir leider zu viel Fußball-Motiv drauf, deshalb kann ich die nicht anziehen. Das waren die letzten Socken, die ich mir gekauft hab‘ [lacht].

 Letzte Worte?

Bleibt sauber, nehmt nicht alles so ernst, chillt mehr!


Ich verabschiede mich von Dexter und sage kurz im Nebenzimmer Hallo, wo sich DJ Tereza bereits vorbereitet, um Dexter live zu unterstützen. Es dauert gar nicht mehr lange, bis die beiden schließlich in der Klüse auf der Bühne stehen und Dexter für mich unerwartet routiniert sein Set zum Besten gibt. Die Haare sitzen natürlich perfekt. Ein perfekter Abschluss für einen tollen Festivaltag.