Heimkommen

Foto: YouTube / Edeka

In Hamburg knallten schon vor Silvester die großen Korken: die Werbeagentur Jung von Matt hat mit einem Werbespot für die EDEKA-Gruppe einen weltweiten viralen Hit landen können. #heimkommen ist die rührende Geschichte eines alternden Großvaters, der seinen eigenen Tod vortäuscht, um endlich mal wieder Besuch von den Familienmitgliedern zu erhalten.

43 Millionen Menschen haben den Clip seit ende November geklickt, aus den sozialen Netzwerken war „This German Christmas Ad“ (9GAG) nicht mehr wegzudenken. Musikalisch begleitet wird der emotionale Spot von der Bremer Songwriterin Neele Ternes. Die Popsängerin aus der Hansestadt war mit Dad u.a. auch in der grandiosen Parodie von Circus Halligalli zu hören, nun ist auch das offizielle Video zum klassischen Popstück erschienen. Wir baten die Künstlerin zum Mail-Interview.

Neele Ternes wuchs als Tochter eines Geigers und Konzertmeisters in Bremen auf, studierte dort Jazzgesang und Gesangspädagogik und ließ sich idealerweise zum Vocalcoach ausbilden. Als ob das noch nicht alles wär, beherrscht die gelernte Musikerin das Klavier im Schlaf und arbeitet als Studiomusikerin für andere Künstler. Im noisiv.de-Interview sprachen wir mit Neele u.a. über ihre Gedanken zur Halligalli-Parodie von #heimkommen, der Arbeit mit Produzent Florian Lakenmacher und Ohrwürmern aus der Werbung!

Neele Ternes 02

Grüß dich, Neele! Das Thema deines Spots ist u.a. auch Weihnachten. Erwarten deine Familienmitglieder und Freunde jetzt eigentlich besondere Geschenke von dir?
Klar, die kriegen jetzt alle meine Single! (lacht)

Das Stück Dad ist unverkennbar an die Väter dieser Welt gerichtet. Wie hat dein Vater reagiert, als er das Stück das erste Mal gehört hat?
Besonders berührt haben ihn die Emotionen, die ich mit meiner Stimme in diesem Song zum Ausdruck gebracht habe.

Joko & Klaas sind für ihre derben Aktionen berühmt-berüchtigt – nun wurdest du selber Teil einer solchen Aktion. Was hälst du persönlich von der #heimkommen-Parodie?
Bei einer so erfolgreichen Werbekampagne und der kontroversen Diskussion darüber, muss man einfach auch mit Parodien rechnen. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Produziert hat das Stück Florian Lakenmacher von Supreme Music. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen Euch? Und wo nimmst du deine Einflüsse her?
Florian und ich kennen uns schon seit einigen Jahren und arbeiteten auch in der Vergangenheit immer sehr gut zusammen. Florian rief mich spontan an und erzählte mir von seiner musikalische Idee zu dem Werbespot. Ich fand seine Komposition großartig und hatte sofort einen Bezug dazu. Nachdem wir bemerkten, dass das Interesse an der Musik immer größer wurde, haben wir uns gemeinsam entschlossen einen ganzen Song daraus zu machen. So ist Dad entstanden. Was die musikalischen Einflüsse anbelangt, so lass ich mich von ganz unterschiedlichen Musikrichtungen inspirieren. Ich versuche aber immer auch bei mir und meinen eigenen Vorstellungen zu bleiben.

Wird es weitere Kollaborationen von Euch geben? Ein Album vielleicht? Wann dürfen wir denn mit deinem ersten Album rechnen?
Ja, ganz bestimmt. Doch zunächst konzentriere ich mich natürlich auf meine Single Dad, die ja erst vor einer Woche erschienen ist. Natürlich ist einer meiner Vorsätze für das Jahr 2016 ein Album rauszubringen. Schau’n wir mal!

Wie würdest du deinen Erfolg einschätzen, vor dem Hintergrund das Popstars vorzugsweise nur noch in Castingshows herangezüchtet werden?
Für viele ist eine Castingshow vielleicht die einzige Möglichkeit auf ihr gesangliches Talent aufmerksam zu machen. Ich hatte das Glück durch eine Werbekampagne als Sängerin bekannt zu werden, aber wer weiß, wie sich das entwickelt. Mir ist natürlich bewusst, dass so ein Hype auch schnell wieder vorbeigehen kann.

Neele Ternes 01

Von allen Konzertclubs und -hallen in Deutschland – auf welcher Bühne würdest du unbedingt mal stehen und performen wollen?
Das kann ich gar nicht sagen. Ich bevorzuge eher die intime Atmosphäre kleinerer Clubs mit direktem Kontakt zum Publikum, von daher könnte ich auch in einem Wohnzimmer auftreten.

Neele Ternes auf Facebook!

Bald schon haben wirs 2016! Werden irgendwelche Platten herauskommen auf die du dich persönlich am Meisten freust?
Es gibt ein paar Bands, die ich ganz cool finde wie zum Beispiel Little Dragon oder Junip. Mal schauen was da so kommt im nächsten Jahr!

Last but not least: du steckst mit deinem Song derzeit in den Köpfen vieler Menschen. Gibt es Songs aus der Werbung die du auch niemals vergessen wirst?
Da gibt es mehrere. Einer, der mir jetzt spontan einfällt, ist der Song Elation von der Band Isbells aus der TV-Werbung von Trivago aus dem Jahr 2014.

Vielen Dank für das Interview!

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