Fotos: Charles Engelken | noisiv.de

Die dritte Band im Bunde, die ich auf dem Oakfield Festival interviewen durfte: Von Eden.

Von Eden ist eine Band, die eigentlich eher zufällig zueinander gefunden hat. Ausschlaggebender Punkt war der Film „Feuchtgebiete“, in dem Christoph Letkowski den Krankenpfleger spielte. Für den Film sollte er einen Song aufnehmen und brauchte natürlich ein paar Musiker dafür. So kamen dann Matthias, Nicolai und Philipp mit ins Boot und aus einer einmaligen Geschichte wurde Von Eden.

Mit Hilfe einer Crowdfunding Kampagne wurde das Album „Wir sind hier“ am 11. August veröffentlicht. Der Sound ist poppig, handgemacht und lädt zum Träumen ein.

Ich traf Christoph, Matthias, Nicolai und Philipp zum entspannten Interview und sprach mit Ihnen über ihr neues Album, wie sie zusammengefunden haben und mehr.

Ihr habt ja durch „Feuchtgebiete“ zusammengefunden, wie schnell stand der Entschluss fest, dass ihr das als Band weiterführen wollt?

Matthias: Ziemlich schnell! Als wir den Song „Land in Sicht“ für Feuchtgebiete aufgenommen haben – da gab es auch noch ein paar andere Songs, die in der Zeit entstanden sind, die wir mit aufgenommen haben – da war eigentlich ziemlich klar: Hey, das ist eine coole Sache, das ist irgendwie etwas ganz eigenes, es funktioniert super mit uns, lass uns doch als Band einfach weiter machen.

Und kanntet ihr euch untereinander denn auch schon? Oder kannte nur jeder von euch Christoph. 

Nicolai: Christoph, ja genau. Er ist quasi das Bindeglied. Was auch irgendwie cool an der Studio-Session war, dass wir nach ganz kurzer Zeit wirklich gackernd und lachend im Studio saßen und halt gemerkt haben, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben.

Nächste Woche (VÖ: 11.August) erscheint euer Album, welches durch Crowdfunding finanziert wurde, war es für euch von Vorteil, dass z. B. Christoph schon ein sehr bekannter Schauspieler ist? Ich denke andere Bands hätten das nicht so geschafft.

Christoph: Also wir hatten vorher alle die Hose voll. Weil wir uns ja vorher entschieden haben das zu machen und sind damit total ins Risiko gegangen. Wir wussten nicht, ob das was wird oder ob wir das schaffen. Wir brauchten tatsächlich eben diese 20.000 € um es „gut und sicher“ zu finanzieren. Und das Geld ist komplett weg, wir kriegen davon nichts. Auch wenn Jürgen Vogel in einem kleinen Werbevideo sagte, wir kaufen uns davon Eigentumswohnungen – not! Jeder hat dann sozusagen eine Arbeit gemacht und ich glaube, die Vorarbeit die wir halt geleistet haben – die vier Jahre, die es uns ja schon gibt – und diese Nachfrage, hat uns dann erfüllt zu sagen „wir vertrauen mal diesen Fans, diesen Meinungen und diesen Nachfragen und riskieren es jetzt“. Ob meine Bekanntheit … weiß ich nicht, ob es da jetzt eine Rolle spielt, keine Ahnung. Im besten Fall ja, aber ich hab es ja nicht über mich aufgezogen, dass ich eine Crowdfunding-Kampagne mache, sondern wir haben ja alle zusammen auch in dem Video dazu aufgerufen. Und dafür arbeiten wir ja seit Jahren, dass wir halt letztendlich unsere Musik sprechen lassen und das was wir machen, wird auch immer so wahrgenommen. Daher denke ich, sind wir, glaube ich, auf dem besten Wege, eine musikalische Relevanz zu haben.

Philipp: Das Ding ist ja schon, was ich halt auch schon merke, dass es manchmal Leute gibt mit denen ich geschrieben habe oder die ich irgendwoher kenne oder wieder treffe, die dann sagen „Ich hab neulich übrigens euren Sänger in einem Film gesehen“, wo es dann teilweise auch so ist, dass die das halt vorher gar nicht wussten. Natürlich ist es so, dass Christoph ein paar Türen aufmacht, die sonst nicht offen wären. So ist es für uns als eigentlich unbekannte Band einfacher in der Presse statt zu finden, als wenn Christoph nicht dabei wäre. Natürlich ist die Presse eher geneigt einen Artikel zu bringen, wenn sie schreiben können, dass Christoph in dieser Band ist – so wie Presse halt funktioniert, die denken halt, dass es interessanter wirkt.

Christoph: Ich bin auch total glücklich, dass z.B. bei den Tour-Plakaten – ich nenne jetzt keine Namen – aber ich verweise auf Kollegen … Ich bin total glücklich, dass auf den Plakaten nicht mein Gesicht in A1 zu sehen ist. Wir haben uns wirklich ein Cover überlegt, was für sich spricht und was im Grunde eine Band zeigt. Dafür sind wir angetreten, das ist unsere Idee, darum sind wir wahrscheinlich 90er Jahre Kinder und sagen „Hey, das ist irgendwie cool eine Band zu haben“. Wir fanden es immer cool und das ziehen wir jetzt durch und es dauert ewig, es dauert lange. Wir alle geben viel dafür auf und gucken mal wo die Reise hingeht.

Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen!

Für euer Album hattet ihr dann ja auch viel Zeit Songs auszuprobieren. Habt ihr z. B. Songs auf der Bühne ausprobiert, wo ihr dann danach gesagt habt, „Ok, das funktioniert nicht, die nehmen wir nicht mit aufs Album“?

Philipp: Das haben wir sicherlich gemacht, es gibt ja viel mehr Songs im Eden-Kanon als es jetzt auf dem Album gibt. Aber es war relativ schnell klar, was auf dem Album sein würde, weil es so in der Zusammenstellung einfach super zusammenpasst. Für uns fühlte sich alles so richtig an mit den Songs. Es gibt ein paar Songs, wo wahrscheinlich jeder von uns das Gefühl hat, „Ach, wäre schön wenn wir den Song noch aufgenommen hätten“ aber es gibt ja auch noch das zweite und dritte Album – oder wird es geben – und das sind halt Songs, die live auch funktionieren.

Matthias: Was uns wirklich sehr geholfen hat, war, dass wir mitten in der Album-Produktion auf Tour waren und die dann auf der Bühne noch mal gespielt haben und gemerkt haben: Das hat eigentlich total gut funktioniert, lass uns das doch so auf dem Album machen. Oder eine Idee, die man für die Tour hatte, die sich im Studio nicht so ausgezahlt hat. Es hat auf jeden Fall geholfen den Fokus noch mal auf andere Dinge zu legen und bestimmte Sachen noch mal zu überdenken.

Verfolgt ihr mit „Wir sind hier“ einen roten Faden auf dem Album?

Philipp: Du meinst, ob es ein Bindeglied gibt?

Ja, genau.

Nicolai: Eine Sache ist halt die Art von Sprache die Christoph benutzt – die finde ich sehr wiedererkennbar in allen Songs – und ansonsten ist es sehr interessant, denn ich kriege so gegensätzliche Kommentare von Leuten, denen ich das Album vorspiele. Manche sagen, ihnen sei es nicht unterschiedlich genug, die Songs seien alle so ähnlich und andere sagen „Ich verstehe gar nicht, wie ihr die ganzen so unterschiedlichen Songs auf ein Album packen konntet“. So weit geht die Wahrnehmung auseinander. Am Ende ist es ja doch sehr persönlich – für mich ist der rote Faden, dass es immer diese Folk-Instrumente gibt, also Mandoline, Banjo, Geige und so, das sind so Sachen … Wir haben halt einfach versucht mit diesen Instrumenten neuen Sound zu kreieren und damit trotzdem Pop-Musik zu machen, ohne dass es gleich nach altbackenem Folk klingt. Das ist das, was für mich an der Musik immer wieder spannend ist.

Christoph: Also von der Konzeption bis hin zum Artwork und so weiter und dem Album-Titel „Wir sind hier“ war natürlich auch die Idee, dem ganzen den Charakter zu geben, dass alles handgemacht ist. Wir haben ja teilweise die Songs zu über der Hälfte selbst produziert, haben alles mit unseren Händen eingespielt und es geht hin bis zum Artwork, welches tatsächlich gemalt ist. Das Cover ist von einem Freund Acryl auf Leinwand gemalt wurden und wir haben es abfotografiert. Und wenn man dann im Booklet blättert – gibt es ja auch Digital – sieht man den Prozess der Entstehung, was auch zu der Crowdfunding Kampagne passte. Die Namen der Menschen, die uns unterstützt haben stehen auch mit drin, alles mit Handschrift. Es war uns schon wichtig, dass wir dem eine gewisse Haptik geben. Das man wirklich merkt: Ok,es ist jetzt kein High-End/High-Gloss aus dem GQ abfotografiertes Produkt, was man da in den Händen hält. Wir sind zu HAW nach Hamburg gefahren und da in ein Atelier gegangen und haben da das Booklet-Shooting gemacht – das war uns auch wichtig, dass wir da letztendlich auch authentisch bleiben, für das was man dann in den Händen hält – sowohl Ohr als auch Auge, sodass alle Sinne ein bisschen darauf eingestimmt sind, dass man hier eine handgemachte Platte in den Händen hat.
Und was die Texte angeht, na ja, es geht halt im weitesten Sinne immer um Beziehungen, wir haben eine große Range wie Nic ja sagt. Wir haben auch politische Dinger drauf, aber letztlich sind Beziehungen immer das, was Leben ja ausmacht. Und darüber gehts so inhaltlich eigentlich am meisten. Wir versuchen halt unkitschig aber mit einem gesunden Selbstbewusstsein Herzensthemen anzusprechen, weil das ist, was mich bewegt, wenn ich sowas selber höre. Und das ist auch schwierig auf Deutsch, dass man da nicht voll in die Schlager-Falle tippt usw. … und da sind wir bestimmt auch noch nicht am Ende der Reise.

Du hast es ja eben schon selber gesagt, dass ihr mit Banjo und anderen Instrumenten Musik macht. Da fallt ihr hier auf dem Oakfield Festival ja schon ein bisschen aus der Reihe, oder?

Christoph: Darum haben wir das Banjo extra für das Oakfield zuhause gelassen und heute dann alles nur mit E-Gitarren.

Und die Mandoline?

Matthias: Die ist da!

Christoph: Nicht zu knapp!

Philipp: Die kann man Matthias auch nicht entreißen, wir haben es schon oft genug probiert.

Nicolai: Aber findest du das unpassend hier, mit Folk-Instrumenten?

Ich habe euch ja noch nie live gesehen, keine Ahnung.

Christoph: Live ist das total anders! (lacht)

Ja vielleicht! Ich sag euch das aber danach.

Nicolai: Wir gehen einfach hin und spielen unsere Mukke.

Philipp: An die glauben wir ja auch und deshalb stehen wir da und machen das. Wem es gefällt: cool! Und wem es nicht gefällt – auch cool. Solange ihr nicht mit Bierflaschen nach uns werft ist das eigentlich ok für uns.

Ihr kommt im weitesten Sinne fast alle aus Berlin, was ist die klischeehafteste Eigenschaft von euch?

Philipp: Fixie fahren?

Christoph: Kein Geld verdienen – wenn man mal ehrlich ist.

Matthias: Genau, kein Geld verdienen und ständig ein Projekt haben.

Nicolai: Richtig, ist das Berlin-mäßig?

Philipp: Wo ich immer merke, dass ich so Berlin-zivilisiert überall woanders schlecht auffalle, ist mit einem Bier jede Straße runter latschen. Also einfach ein Bier dabei haben und nicht drüber nachdenken, dass das komisch sein könnte für andere Leute.

Matthias: Ich würde nie auf die Idee kommen, dass das komisch ist.

Philipp: Siehst du! (alle lachen)

Nicolai: Es ist eher komisch, wenn man kein Bier dabei hat.

Wenn eure Band ein Tier wäre, welches wäre das?

Nicolai: Können wir nicht jeden einzeln fragen, wer welches Tier ist?

Natürlich!

Christoph: Es ist ja klar: Wir sind eine Schwalbe. Haben wir ja auch im Logo – für Kenner und Tierliebhaber.

Nicolai: Ich kann auch die bekiffte Hyäne!

Matthias: Ne, Antilope war das! Mach bekiffte Antilope draus!

Warum bekiffte Antilope?

Nicolai: Es war einfach nur ein Running-Gag, wenn es darum ging, neue Band-Fotos aufzunehmen.

Philipp: Genau, wir haben dann sehr herzliche Kommentare bekommen, wie alle auf den Fotos aussehen.

Und so seht ihr aus?

Nicolai: Ne, keine Ahnung. Mir wurde immer vorgeworfen, ich sähe aus wie ein verdutzter Habicht. Und dann habe ich ein Beweis-Foto geschickt, dass ich genauso gut wie eine bekiffte Antilope aussehen kann. (alle lachen)

Das wäre es von meiner Seite, ihr dürft gerne noch ein Schlusswort an unsere Leser richten!

Christoph: Hört mehr Musik, Freunde! Wir sehen uns auf der Tour!

Vielen Dank für das nette Interview und ganz viel Spaß auf eurer Tour!

Von Eden live auf
„Wir sind hier“-Tour

  • 25.09. – Leipzig, Täubchenthal
  • 26.09. – München, Backstage
  • 27.09. – Saarbrücken, Garage
  • 02.10. – Berlin, Musik & Frieden
  • 03.10. – Köln, Blue Shell
  • 04.10. – Hamburg, Nochtspeicher