Ende Oktober erschien über Problembär Records dieser entzückende Import aus Wien. In Windeseile war das Herz der Szene und des Feuilletons erobert, die LP ausverkauft und die ersten Songzitate wurden auf die Tumblr-Dashboards gespült:

„Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag für Amore!“

Mit dem Debütalbum von Wanda scheint gerade eine Indie-Erfolgsgeschichte zu beginnen, wie man sie zuletzt schon bei ihren Landsmännern von Bilderbuch beobachten konnte. Musikalisch weht bei Wanda allerdings ein anderer Wind. Ein User des Rolling Stone Forums ordnet sie passend zwischen „Es lebe der Sport“ und „What a Waster“ ein. Sänger Marco Michael Wanda fröhnt in Wiener Mundart dem Schnaps und der Liebe, seine Band spielt dazu angenehmen Indie-esken Rock ohne viel Schnickschnack. Ohne Scham zu zeigen oder Fremdscham auszulösen röhrt der bandnamengebende Songwriter Zeilen wie „Mein Glied unterwirft sich der Diktatur deines Mundes, Baby!“ ins Mikro. Seine Stimme erinnert dabei beispielsweise an Moneybrother – rau und öfter kurz vorm Schreien, fast punkig, aber nie unkontrolliert.

Was hier von Wanda dargeboten wird, ist stellenweise ganz nah dran am Urvater des Austropop – Falco. Die Texte sind durchtränkt vom Charme der Bohème wie von einer proletarischen Simplizität. Das lyrische Ich der Songtexte denkt, wenn es traurig ist, jeder Mensch ist ein Oaschloch, verliebt sich in Damen, deren Zähne schneeweiß sind, obwohl sie ständig rauchen und gibt sein Verlangen nach Fusel zu verstehen:

Und wenn du weißt, wo man um diese Zeit noch saufen kann, ja wenn du weißt, wohin – da gehen wir hin! Ich will Schnaps! Wenn du mich liebst, gib mir Schnaps!

Unzählige Zeilen ließen sind hier nennen. „Amore“ ist voller T-Shirt-Slogans und Lebensmottos. Und wer das früher an der Hamburger Schule geliebt hat, dem sei dieser musikalische Trip nach Wien und von dort gleich weiter nach Bologna dringendst ans Herz gelegt. Was für eine Platte!

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