Foto: Florian Senekowitsch

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„Eins, zwei, drei, vier! Es ist so schön bei dir! Fünf, sechs, sieben, acht! Ich bleib‘ die ganze Nacht!”

So simpel wie schön beginnen Wanda ihr neues Album mit dem Song „1, 2, 3, 4” – Moment, schon ein neues Wanda-Album? Und das, obwohl doch eigentlich noch immer dem halben deutschsprachigen Raum „Amore” im Ohr herumgeistert?! Tatsächlich, am Freitag schon gibt die Band uns ein dickes „Bussi”. Kein Jahr haben sie gebraucht, um ihrem aufmerksamkeitsstarken Erstling (den wir hier für euch besprachen) ein Geschwisterchen zu bescheren. Das familiäre Sinnbild fügt sich im Falle der Wiener recht gut ein, hatte der umwerfende Titeltrack ihrer ersten Platte doch so manche leicht inzestuöse Note, vorgetragen im ohnehin schon lasziven Wiener Dialekt von Sänger Marco Michael Wanda. Und tatsächlich ähneln sich die zwei Scheiben schon in ihrem Cover-Stil wie ein Zwillingspaar! Als hätten sie mit solcherlei Vergleichen schon gerechnet, heißt der zweite Song dann passend: „Meine beiden Schwestern”.

„Hin und wieder steh’n wir uns nah, genau so wie die Flaschen von gestern, meine beiden Schwestern, ich schau‘ dich gern von rechts an, hin und wieder steh’n wir uns nah.”

Ob nun von rechts oder wo auch immer: „Bussi” schaut sich das marginal ältere „Amore” jedenfalls ganz offensichtlich auch gerne an und sich einiges von ihm ab: Der wenig moderne Rocksound, die hymnenhaften Ohrwurm-Refrains über Frauen und Alkohol und natürlich Marco Michael Wandas einprägsame Stimme selbst geben uns in „Bussi” schnell das Gefühl zurück, das bereits auf dem Vorgänger so gut einschlug. Teils erinnern sogar ganze Songpassagen an bereits bekanntes Wanda-Material, so zum Beispiel in „Alarm!”, das stellenweise arg an „Jelinek” reminisziert. Tatsächlich entstanden die Songs auch bereits in der „Amore”-Schaffensphase, und so gehen Wanda gewissermaßen den Weg der frühen Tocotronic: bussiAuch die Hamburger lieferten einst schon nach wenigen Monaten mit „Nach der verlorenen Zeit” einen Nachfolger zu ihrem heiß gehandelten Debüt.

Gewohnt heiß geht es auch wieder bei Wanda zu: Ihre Vorabsingle „Bussi Baby” verlangt mit wirklich als sexy zu bezeichnenden Gitarrenlicks nach ebenjenem Bussi – und beschert der Gruppe auch gleich eine ordentliche Sexismusdebatte dank skandalträchtigem Video mit Antifeministin Ronja von Rönne. Von der soll man halten, was man will, Wanda jedenfalls trotzen dem allem, packen eine ähnliche Songatmosphäre auf „Gib mir alles” direkt nochmal aus und bereiten uns einen streicherverhangenen Himmel.

„Das wär‘ schön” beweist dann vollends, dass „Bussi” mehr ist, als die Weiterverwertung aussortierten „Amore”-Materials: Auf’s neue haben sie hier einen übergroßen Hit geschrieben, den man angesichts seiner einfachen Genialität wieder und wieder hören möchte – so ginge es bei diesem Track wahrscheinlich selbst einem Bruce Springsteen! Kurz vor Schluss nimmt Mr. Wanda dann nochmal einen tiefen Schluck aus der Flasche, um uns in „Andi und die spanischen Frauen” entgegenzukräzchen:

Ich leb‘ so viel wie du in einem Jahr an einem Tag! Ich sauf‘ so viel wie du in einem Jahr an einem Tag”

Das mag nun ein wenig den falschen Lebensstil propagieren, aber man muss hier einfach sagen: Gut so, Wanda! Wenn euer Suff uns solche Songs beschert, sind wir dabei! Und denen, die das nicht so sehen, wird zum Schluss in „Kein Herz im Hirn” noch ein deutliches „Es is‘ uns wurscht!” entgegengeranzt.

Dann ist sie vorbei, die neue Wanda, doch sie hat eines klar gezeigt: Diese Band hat schon so manches Herz im Sturm erobert, drückt all jenen nun nochmal zur Erinnerung ein „Bussi” drauf und ist dabei geblieben, wie wir sie kennengelernt haben. Ein Jahr nach der Liebe auf den ersten Blick enttäuschen uns Wanda nicht mit unnötigen Neuerfindungen und machen zunächst weitestgehend weiter, wie bisher. Das ist schön und darf so bleiben, denn mit solchen Liedern funktioniert das Quintett immer wieder hervorragend!

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