Fotos: Babak Kidney, noisiv.de

Als wir die Ösi-Rocker von Wanda im Oktober letzten Jahres während des Kosmonaut.ZIP-Festivals zum Gespräch trafen, war uns nicht wirklich klar, warum die junge Band nach gerade mal zwei Studioalben eine Live-Platte („Amore, meine Stadt“) veröffentlicht. Davon abgesehen wurde im Interview mit Drummer Lukas Hasitschka und Bassist Ray Weber deutlich, dass die Wiener Band mit grundsympathischen und bodenständigen Typen besetzt ist. Dieser Eindruck sollte sich auch während des Konzerts bestätigen, aber dazu später. So viel sei verraten: Live-Gigs von Wanda sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Wanda im Video-Interview über Live-Konzerte und Albumpläne für 2017!

Es war Samstag, der 29. Oktober 2016. Trump war noch nicht gewählt, der Schnee noch in weiter Ferne und Killerclowns in nächster Nähe. Das Kosmonaut.ZIP-Festival... Weiterlesen →

Hamburg, an einem verregneten Sonntag Abend: Der Saal der Großen Freiheit 36 wurde in Dunkelheit getaucht, dramatische Streicher setzten ein, die Engel stiegen vom Himmel herab – Nein, Frontmann Marco Wanda und Co. kamen ganz lässig auf die Bühne gehopst und verteilten bestens gelaunt einige Becher Bier. Und das vor längst ausverkaufter Kulisse! Zuvor beseelte Tour-Support Ansa Sauermann noch das Publikum mit seichtem Rock n‘ Roll, wenig später sollte die Party aber auch schon losgehen und Wanda ließen ihre „Luzia“ auf das heiße Publikum los. Von Beginn an war das Publikum da und machte die Hansemetropole für einen Abend zum Wiener Prater.

Wanda sind eine erstaunliche Band. Der Sänger, die Texte, der Sound. Noch erstaunlicher ist aber, dass Wanda noch das gefühlt 1000. Konzert genießen können und sich geben wie pubertierende Vorstadt-Jungs, deren Traum von einem Gig im Schulzentrum gerade wahr geworden ist: Es wird sich inmitten der Songs umarmt, abgeklatscht und zugelächelt. Wenn Marco Wanda sagt: „Hamburg, es ist so schön bei euch“, dann glaubt man das. Ekstatische Performances der großen Singles „Schick mir die Post“ (mit einer extra Portion Blues im Intro!), dem Überhit „Bologna“ oder „Meine beiden Schwestern“ wurden selbst vom Hamburger Sonntagspublikum angenommen und zurückgegeben. Eine Atmosphäre zum Anfassen.

Unvergessen bleiben auch die (relativ) ruhigen Momente der Setlist. „Mona Lisa der Lobau“ oder „Auseinandergehen ist schwer“ ergriffen das Herz auch bei diesem Tourstopp mit einer spielerischen Leichtigkeit. Neue Stücke aus der kommenden, noch namenlose Platte, gab es an dem Abend zwar keine zu hören – so wirklich vermisst hat sie aber auch niemand. Einzig und allein die Rufe nach „1, 2, 3, 4“ – der Lead-Single des Nachfolgealbums „Bussi“ – wollten partout kein Ende nehmen. In der Zugabe kamen die Fans dann auf ihre Kosten.

Musikalischer Höhepunkt war – wie so häufig auf Konzerten der Band – die ausgedehnte Version von „Ich will Schnaps“, die dann auch zeigte, was die Jungs tatsächlich drauf haben: Ein Schauspiel zwischen The Doors, Nirvana und Blues, ein Pendeln zwischen den Jahrzehnten und den musikalischen Einflüssen der Band. Sänger Marco sprang ins Publikum, fand sich plötzlich im Moshpit wieder und genoss das Bad in der Menge. Vollgeschwitzt und ausgepowert, fand sich die Truppe nach dem Ende des Konzerts noch am Merchstand wieder – und versprach, wie auch schon beim „Kosmonaut.ZIP“, wiederzukommen. Sehr gerne, Wanda!

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