Als passionierter Blogger hat man nur wenige Freuden im Leben. Eine kleine Annehmlichkeit bereitete mir vor einigen Wochen das Hamburger Label Audiolith und schickte mir ein Vorab-Exemplar des Albums „Eine Hand bricht die andere“ von Waving The Guns. Nun ist es endlich so weit und das Teil wird auf die Menschheit losgelassen.

Wir müssen sie nicht schlagen, damit sie ’ne Abreibung kriegen,
die Show heut Abend finanziert ’ne Abtreibungsklinik.

WTG – Endlich wird wieder getreten

Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Ich habe bis heute keinen Versuch unternommen etwas über diese Rostocker Band herauszufinden. Und wie mir gerade auffällt, braucht man dies auch gar nicht. Die Musik spricht nämlich Bände und folgt stets dem Maßstab, der an andere angelegt wird: „Übertreib‘ nicht deine Rolle!“

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, dass deine früher politische und den Underground betonende Lieblings-Band plötzlich den totalen Ausverkauf betreibt, und eine musikalische 180-Grad Wendung hinlegt. Okay, das Gefühl ist sehr subjektiv und selten berechtigt, aber man kennt es. Zumindest noch bei „Eine Hand bricht die andere“ sind solche Zweifel jedoch wenig angebracht. Denn das ganze ist nicht nur ‚Untergrund‘, sondern geht auch sonst keine Kompromisse ein.

Selten (oder nie?) besteht einer dieser scheppernden Boombap-Beats aus mehr als Drums, Bass und Sample. Was man fälschlicherweise als langweilig bezeichnen könnte, nenne ich Kohärenz. Oder Hip-Hop. Wenn man in der Spex landen sollte, dann nicht wegen der musikalischen Untermalung. Viel eher wegen der intelligenten Lyrics, die im Gegensatz zu den Beats, auch das Feuilleton ansprechen könnten. Liest sich schrecklich, aber was die Antilopen Gang kann, können Waving The Guns schon lange.

Geboten wird Battle-Rap. Auch gegen whack rappende Arschlöcher, aber vor allem gegen Arschlöcher im Allgemeinen. Jeder bekommt sein Fett weg. Nicht unwahrscheinlich, dass ein paar Querschläger auch den geneigten Zuhörer treffen. Die Zeilen sind aber weitaus mehr, als verbale Entgleisungen, sondern intelligente Punchlines, die häufig wahrer sind, als man sich gerne eingestehen würde.

Ich fress‘ Fleischabfälle während ihr euch Bio-Früchte holt,

die ihr euch leisten könnt, weil ich Fleischabfälle fress‘.

WTG – Mülltonne

Irgendwie erinnert dieser bewusst reduzierte Soundentwurf von Waving The Guns auch an aktuelle Berliner Gefährten wie MC Bomber. Nur ohne den Sexismus. Dafür intelligenter, konsequenter und ehrlicher. Und obendrauf hat man tatsächlich Spaß an dem Album. 12 Tracks sind auf „Eine Hand bricht die andere“ zu finden und gelungen ist jeder. Irgendwie kommt mir jetzt noch dieser blöde Werbetext in den Sinn: Sind sie zu stark, bist du zu schwach. Wer auf der Suche nach gutem Rap ist, ohne bei jeder zweite Zeile den Kopf schütteln zu müssen, hat hier seine Erfüllung gefunden.

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