Who Killed Bruce Lee

Wer hat Bruce Lee umgebracht? Diese Frage lässt das Quartett von Who Killed Bruce Lee unbeantwortet. Sie wollen ihren Bandnamen auch gar nicht als ironische Frage verstanden wissen, sondern stattdessen viel mehr als Ausruf. Die Geschichte rund um diese junge Band ist dann allerdings auch ungleich spannender, denn mittels Crowdfunding hat es die Gruppe aus dem libanesischen Beirut letztlich geschafft, in Berlin ihr Debütalbum „Distant Rendezvous“ aufzunehmen.

Who Killed Bruce Lee - Distant Rendezvous

Die Band steht stellvertretend für das Ausrufezeichen einer gesamten jungen alternativen Rock-Kultur, die sich nach dem goldenen Zeitalter Beiruts bildet. Sie zeigen, dass großartige Rock-Musik aus jedem Ort der Welt kommen kann und sie exportieren diese Message in die gesamte Welt hinaus. Der Crowdfunding-Erfolg zeigt: Die Menschen vor Ort glauben daran, dass sie der Musikwelt diese neue, moderne Musikkultur Beiruts zeigen können. Ob die Band es nun also will oder nicht; es legt nahe, dass ein gewisser Druck auf ihren Schultern lastet. Merkt man es dem Album an? Niemals, so viel sei vorweg genommen.

„Distant Rendezvous“ ist ein Album voller Wendungen und klanglicher Atmosphären. Mal leichtfüßig tänzerisch, anschließend funky as hell, dann hart rockig und danach bedrückend gefährlich. Es ist bis zum letzten Rand vollgepackt mit verschiedensten Ideen. Eingängig, eigensinnig, mitreißend!

Von Frauen, Beirut und mehr

Der Opener „Room for Three“ fängt direkt ergreifend dunkel an und fängt den Hörer ein. Es geht um eine Dreiecksbeziehung, die Sänger Wassim Bou Malham mal durchlebte und von Gier gezeichnet war. Seine Vocals sind klar und mitreißend gesungen, die Instrumentalisierung weiß eine passende Atmosphäre zu schaffen.

Auch im weiteren Verlauf werden diese Themen weiterhin behandelt. „Wasted Time“ schlägt, wie schon der Opener, in die gleiche Kerbe einer zerstörerischen Beziehung. „Born Addicted“ hingegen porträtiert eine durchaus suchtgleiche Liebe, die genauso auf Frauen anwendbar sein kann, wie auch auf verschiedenste andere Dinge im Leben, denn jeder Mensch werde eben bereits süchtig geboren. „Let Me Know You’re Mine“ ist dann ein purer und animalischer Sex-Song, der durch das starke Gitarrenriff noch anrüchiger daherkommt.

Auch abseits zwischenmenschlicher Thematiken ist das Album lyrisch sehr interessant, wiederholt ist Beirut Hauptgegenstand der Texte. Im Titelsong „Distant Rendezvous“ ist das beispielsweise der Fall. Die Sehnsucht nach der goldenen Zeit ihrer Heimatstadt ist groß. Dass sich das „golden age“ und das moderne Beirut irgendwann mal treffen – ein „distant rendezvous“. Auch „Jungle“ behandelt die Stadt und ihre krassen Gegensätze: Von Weltoffenheit, Kultur, bis hin zu veralteten Moralvorstellungen und Anschlägen stellt die Stadt einen Dschungel der Gegensätze dar.

Ein bisschen von allem gefällig?

Musikalisch vereinen Who Killed Bruce Lee, wie bereits angemerkt, verschiedenste Ideen und stilistische Richtungen. Das erwähnte „Jungle“ experimentiert beispielsweise mit orientalischen Stimmungen und schafft so eine leichte und tanzbare Atmosphäre. „Mastercraft“ hingegen stellt Synthies und Funk-Elemente in den Mittelpunkt und passt so perfekt in den Indie-Club.

Andere Tracks sind dagegen sehr rockig geworden. „Born Addicted“ wirkt wie ein klassischer Stoner-Rock-Song, der gehörig Eier in der Hose hat, durchaus an die Queens of the Stone Age erinnert und durch die Kombination aus Monster-Riff und rhytmischem Gesang unheimlich eingängig ist. „Young Love“, ein ebenso klassischer Indie-Rock-Song, legt dann ordentlich an Tempo zu und hat wieder einmal ein Brett von Riff! Dass die Band dann in „Enemy at the Line“ auch noch Blues-Elemente gekonnt unterzubringen weiß, steigert den hohen Eindruck über ihre musikalische Vielfältigkeit nur noch weiter.

Und wo wir schon dabei sind: Der Closer „45 Hustlers“ geht in eine völlig andere Richtung und präsentiert sich unheimlich sphärisch. Ausholende, hallende Synthies werden von treibenden Drums nach vorne gepeitscht. In den Versen wiederum übernimmt eine drückende Bassline, die sich gewaschen hat, das Ruder. Im Chorus kommen dann alle Elemente zusammen und man hört so viele verschiedene Details, sodass man auch nach mehrmaligem Hören noch neue Kleinigkeiten findet.

Begeisternd, vielschichtig, treibend

Immer wieder merkt man Who Killed Bruce Lee an, dass sie jung und wild sind, sich in ihrer Sturm-und-Drang-Phase befinden. Sie probieren alles aus und gehen in die verschiedensten Richtungen. Einerseits mag dadurch der rote Faden etwas fehlen, da jeder Song etwas komplett anderes zu bieten hat; andererseits erfrischt die musikalische Vielfalt, die die Band in die elf Songs des Albums gepackt hat.

„Distant Rendezvous“ ist lyrisch interessant und anspruchsvoll und besitzt Ecken und Kanten. Dabei reißt es mit und lässt einen nicht mehr los. Das Album will in Dauerschleife gespielt werden und wird dabei nicht langweilig. Dadurch gehört es zweifelsohne zu den besseren Alben, die dieses Jahr bereits veröffentlicht wurden. Gleichzeitig lässt es ob der vielen genutzten Stilelemente die spannende Frage zu, in welche Richtung die Band in Zukunft gehen wird. Die Antwort hätte man am Liebsten schon jetzt, doch zunächst will das Debüt dann doch erstmal gebührend genossen werden.

Who Killed Bruce Lee: Deutschland-Tour

  • 03.03.2016 – Mannheim, 7er Club
  • 05.03.2016 – Lauda-Königshofen, Kulturschock
  • 11.03.2016 – Köln, Studio 672
  • 12.03.2016 – Dortmund, FZW
  • 13.03.2016 – Düsseldorf, Pitcher
  • 17.03.2016 – Hameln, K3 (Zusatz-Show)
  • 18.03.2016 – Hameln, K3
  • 19.03.2016 – Münster, Jovel
  • 31.03.2016 – Nürnberg, Club Stereo
  • 01.04.2016 – Stuttgart, dasCANN
  • 02.04.2016 – Biberach, Abdera
  • 04.04.2016 – Bamberg, Live-Club
  • 07.04.2016 – München, Backstage
  • 08.04.2016 – Immenstadt, Rainbow
  • 09.04.2016 – Lörrach, Between The Beats Festival
  • 14.04.2016 – Gießen, Uhlenspiegel
  • 15.04.2016 – Saarbrücken, Kleiner Klub/Garage
  • 16.04.2016 – Reutlingen, Franz K
  • 22.04.2016 – Bayreuth, Glashaus
  • 23.04.2016 – Aalen, Frapé
  • 28.04.2016 – Hannover, Lux
  • 29.04.2016 – Flensburg, Volksbad
  • 30.04.2016 – Bremen, Magazinkeller/Schlachthof
  • 01.05.2016 – Lübeck, Maifest
  • 06.05.2016 – Würzburg, B-Hof
  • 21.05.2016 – Oldenburg, Cadillac

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