Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Anfang letzten Jahres veröffentlichten Who Killed Bruce Lee aus Beirut ihr Debütalbum „Distant Rendezvous“, in naher Zukunft sollen die Arbeiten am Nachfolger anrollen. In der Zwischenzeit spielt das Quartett aber noch eine Menge Konzerte, denn anders kennt man sie nicht. Praktisch ununterbrochen ist die Band unterwegs. Bei ihrem Konzert im Flensburger Volksbad habe ich sie über den Tag hinweg begleitet.

Im Vorfeld vereinbarten wir, dass wir uns zwischen 14 und 15 Uhr am Volksbad treffen. Letzten Endes kam der Van dann kurz vor 16 Uhr an, aber hey: Gegenüber liegt der Hafen, da bekommt man die zeit wunderbar rum. Nach der herzlichen Begrüßung geht es dann also ins Volksbad und direkt an den Aufbau. Kaum waren das Drumset und die Amps aufgebaut, fingen Frontmann Wassim und Drummer Malek einen spontanen und extrem coolen Jam an, der über mehrere Minuten ging und eigentlich gar nicht hätte enden müssen. Hassib wechselt derweil zwischen Laptop und WhatsApp-Video hin und her, während Pascal sich begeistert den FOH von Clemens erklären lässt.

Irgendwann dann der Soundcheck, der deutlich länger andauern sollte, als ursprünglich erhofft. Es ergaben sich im Volksbad praktisch drei Bereiche, in denen sich der Sound jeweils anders anhörte und mit den Monitoren lief nicht alles problemlos. Die Öffnungszeit war auf 20 Uhr angesetzt und auf die Minute genau wurde der Soundcheck dann letztlich doch noch erfolgreich abgeschlossen. Jetzt also noch fix etwas essen und vor dem Auftritt die Lockerheit bewahren.

Zu Beginn des Konzertes fiel die Crowd vor allem durch eine gewisse Reserviertheit auf – etwas, das meistens zutrifft, wie ich im Nachhinein erfahre und auch zu meinen persönlichen Erfahrungen passt. Das Besondere an Who Killed Bruce Lee ist aber, dass sie sich davon niemals beirren lassen, sondern kontinuierlich weitermachen, bis sie die Zuschauer auf ihrer Seite haben.

Nach einigen Songs ist der Schalter dann umgelegt und beide Seiten finden immer mehr zueinander. Die Show wird zu einer richtigen Party, Wassim sucht zunehmend die Nähe zur überall tanzenden Crowd, macht am Ende des Sets beim Pogo-Pit mit und die Temperaturen im Volksbad steigen beträchtlich. Zwischendurch bietet sich einer aus der Crowd noch als Ehemann für den Frontmann an und überhaupt war all das ein einziges Fest.

Musikalisch beeindruckte mich das Quartett zudem ein weiteres Mal. Mit jedem Konzert werden sie immer noch ein Stückchen besser, aktuell spielen sie so tight, wie noch nie zuvor. Jeder Handgriff passt und auch einen neuen Song vom kommenden zweiten Album stellten die Mannen hier vor.

Nach dem Konzertende und einer kurzen Pause geht es für die Band dann an den Merchstand, wo sie für den guten Zweck übrigens auch Taschen verkaufen, die von Menschen mit Behinderung in der Lebenshilfe Bruchsal gefertigt wurden – eine noble Aktion, wie ich finde. Später sitzen wir noch ein wenig im Backstage und sinnieren über Gott und die Welt, bevor ich mich schließlich auf den Heimweg nach Hamburg mache. Gegen sechs Uhr morgens komme ich zu Hause an – ziemlich müde und kaputt, gelohnt hat sich all das aber ohne Frage!

Fotogalerie: Who Killed Bruce Lee im Volksbad

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