Vor Kurzem noch in Brasilien unterwegs und am 20.01. kommt auch schon eine neue EP. „Split“ ist der Name und ist in Zusammenarbeit mit Marathonmann entstanden, der gesamte Erlös geht zugunsten Pro Asyl. Man kann also nicht behaupten, dass Radio Havanna auf der faulen Haut liegen.

Radio Havanna sind Fichte (Gesang), Arni (Gitarre), Olli (Bass) und Anfy (Drums). Seit 14 Jahren sind sie gemeinsam unterwegs. Ihre Musik ist anständiger Punkrock der sich „zu einer der wichtigsten politischen Sprachrohre der jungen Rockmusikszene Deutschlands entwickelt“ hat.

Ich habe das Quartett beim Aggropunk Fest im Hafenklang getroffen. Mit dabei waren auch Minipax und Fahnenflucht. Genug Gründe also, um den Jungs die ein oder andere Frage zu stellen, auch wenn ich zwischenzeitlich ein wenig aufgezogen wurde, aber es sei ihnen verziehen!

Euer Bandname ist von einem Rancid Song beeinflusst, wenn ihr die Chance dazu hättet, würdet ihr euch dann noch einmal umbenennen?

Fichte: Also ich würde es machen, aber ich glaube die anderen würden es nicht. Wenn wir jetzt bei unserem ersten Album stehen würden, würde ich einen anderen Namen bevorzugen. Einfach aus dem Grund, dass es schon öfter vorgekommen ist, dass wir als Kubanische Folklore Band wahrgenommen wurden. Das sind wir ja definitiv nicht. Radio Havanna klingt aber eben nicht nach Punkrock. Fahnenflucht klingt zum Beispiel nach Punkrock!
Arni: Also ich bin mit dem Namen nach wie vor zufrieden, ich glaube es hätte auch einfach schlimmer kommen können. Ich glaube es gibt Namen mit denen man unzufriedener sein kann, ich kann damit gut leben!

Ihr seid jetzt seit 14 Jahren dabei, habt ihr jemals an´s Aufhören gedacht?

Fichte: Jeden Tag auf´s Neue! (lacht) Ne, eigentlich nicht!

Ihr ward dieses Jahr (2016) auf einigen Festivals unterwegs, welches war das beste?

Arni: Bochum Total fand ich glaube ich das beste. Da waren wir jetzt schon zweimal und die Veranstalter sind sehr nett. Trotz der Tatsache, dass es dort ein bisschen drunter und drüber ging, war es gerade auch deswegen besonders cool da zu spielen und es Leute gab, die es sehr geschätzt haben, dass wir dort spielen und nicht einfach zuhause bleiben und dort Farbe bekennen und eine Aussage fällen. Ich fand das ziemlich geil!

Kurz bevor das Bochum Total startete, wurde von dem Veranstalter eine Nachricht verfasst, die an die arabischen Besucher gerichtet war. Von vielen wurde diese Nachricht als fremdenfeindlich aufgenommen. Kurz danach entschuldigte sich der Veranstalter und beteuerte, dass diese Nachricht falsch verstanden und möglicherweise falsch übersetzt wurde.

Ihr seid ja relativ wenig im Norden unterwegs gewesen, ich habe euch ein bisschen vermisst.

Arni: 2015 waren wir auf dem Deichbrand, aber vielleicht sind wir ja 2017 wieder mehr im Norden!

Gibt es ein Festival in Deutschland, auf das ihr auf jeden Fall noch wollt?

Fichte: Deichbrand!

Nochmal?

Arni: Ja wirklich! Deichbrand war sehr cool!
Fichte: Da gab´s nämlich n Pool im Backstage.
Arni: Ich finde auch, dass das Open Flair ein sehr schönes Festival ist. Das ist einfach sehr familiär und die ganze Stadt arbeitet mit. Da haben wir auch schon zweimal gespielt und da würde ich super gerne nochmal hin!

Was gefällt euch denn besonders am Norden?

Fichte: Das nordische Bier glaub ich!
Arni: Im Norden gibt´s echt gute Biere! Lübzer, Jever, Astra nicht, aber Haake-Beck.

Wenn ihr so von Ort zu Ort fahrt, gibt es da Unterschiede vom Publikum her?

Anfy: Das ist krass, da gibts meistens andere Leute, du kommst in eine andere Stadt und es ist immer jemand ganz anderes da.

Arni: Wir haben mal in der Schweiz gespielt, da haben Leute angefangen sich auszuziehen. Auf einem Sonntag! Das ist scheinbar das, was man in der Mittel Schweiz an einem Sonntag macht.

„Das sah ein bisschen so aus, als würden wir vor einem Saunaclub spielen.”

Das war echt ganz witzig.
Es gibt schon Unterschiede, weil die Leute in Großstädten es gewohnt sind, jeden Tag Konzerte zu sehen. Das merkt man auch. Manchmal spielt man in Städten wie in der Schweiz, da machen sich auch mal welche nackig.

Wenn ihr so durch die Gegend eiert, was läuft dann so bei euch im Bus?

Arni: Heute lief Milliarden, eine ganz grandiose Band aus Berlin.
Fichte: Vize Diktator läuft oft, auch eine Berliner Band. Wir bleiben eher so bei Berliner Luft und Berliner Bands. [Da Anfy einen Tag vorher Geburtstag hatte, gab es von mir eine Flasche Berliner Luft als Geschenk.]
Anfy: Da wissen wir, was wir haben.

Gibt es irgendwelche Trends in der deutschen Musikszene, die ihr gerade feiert?

Arni: Wir sind ja sone Art Nicht-Trendsetter. Also wenn du wissen willst, was nicht der Trend ist, dann musst du uns fragen. Wir weisen dir den Weg konstant durch den Nicht-Trend!

Ihr seid politisch sehr aktiv und du, Fichte, warst auch in Lampedusa, wie waren so deine Erfahrungen?

Fichte: Ich bin da ja mit einem Kameramann hin, um ein Video für „Schiffbruch“ zu drehen. Wir wollten Sea-Watch dort ein bisschen begleiten, um darauf aufmerksam zu machen, was die dort eigentlich leisten. Dann sind wir dort mit denen rum gefahren und haben uns die Insel angeguckt. Wir waren da jetzt nicht so krass in diesem Hilfsprojekt mit drin, sondern wollten halt einfach darauf aufmerksam machen, dass die eine super krass wichtige Arbeit dort leisten. Es ist schon krass, was auf dieser Insel abgeht, weil es ja eigentlich eine Italienische Urlaubsinsel ist. Man merkt auch, dass diese Insel touristisch eigentlich nur noch Italiener anzieht. Nationales Publikum gibt es einfach nicht mehr, weil die alle von der Flüchtlingskrise verschreckt sind. Es war auf jeden Fall ein krasses Erlebnis dort zu sein. Einen großen Respekt an alle die sich dort für die Sea-Watch engagieren und dort mitmachen.

Ihr habt vor einiger Zeit eine Schulklasse besucht, wie war das? Habt ihr da was für euch mitgenommen?

Arni: Man muss erst mal sagen, der Lehrer von dieser Klasse ist Schlagzeuger von einer befreundeten Punkrock Band, die gibt es aber nicht mehr, aber so haben wir uns kennengelernt und so kam es dazu. Wir waren aber schon ein bisschen aufgeregt weil, ich mein, das sind so junge Kids die jetzt erst mal nicht so sensibel sind für diese Art von Musik. Aber die waren unfassbar cool. Die hatten total geile Fragen.
Anfy: Die stellen sehr gute Fragen!

Im Gegensatz zu mir?

[Alle lachen]
Arni: Halt so, was war euer coolstes Konzert? Gab es schon mal Ausschreitungen oder so?
Anfy: Oder gibt es unterschiedliches Publikum bei Konzerten? [Zaunpfahl!!!]
Olli: Aber auch so ganz grundsätzliche Sachen. Wie kommt man überhaupt darauf Musik zu machen? Das ist einfach nicht selbstverständlich.
Arni: Das war halt wirklich überraschend, weil man gedacht hat, vielleicht können die gar nix damit anfangen und es wird eigentlich nur ein Krampf.
Fichte: Vor allem waren die auch die ganze Zeit sehr aufmerksam, wir waren da bestimmt 1,5 Stunden in diesem Klassenraum. Da denkt man ja, diese kleinen unter 10-jährigen fangen dann irgendwann an unruhig zu werden. Aber wie gesagt, die haben echt gute Fragen gestellt, auch im Bezug auf diesen Aktionstag „Gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ der da stattgefunden hat. Das war auf jeden Fall ein schöner Nachmittag!

Eure letzte Platte „Unsere Stadt brennt“ ist jetzt fast zwei Jahre alt, wann können wir denn mit etwas neuem rechnen?

Anfy: Alter! Stress!
Fichte: So halbe Stunde?
Arni: Genau, in einer halben Stunde kommt eins raus.

Und jetzt mal ernsthaft?

Arni: Also wir schreiben tatsächlich auch schon und wollen sehr, sehr gerne, dass es 2017 rauskommt. Wir werden alles daran setzten. Aber man kann immer schwer sagen, ob es doch mal länger dauert oder nicht.

Wollt ihr noch etwas loswerden?

Arni: Ja! Vielen, vielen Dank für die Berliner Luft, das ist sehr aufmerksam, man bekommt nicht immer was geschenkt!

So bin ich! Danke für dieses witzige Gespräch, wir sehen uns am 31.3. mit Massendefekt im Knust wieder! Vielleicht auch mit Berliner Luft im Gepäck…

Aggropunk Fest im Hafenklang

Wer noch einmal nachlesen möchte, wie es beim Aggropunk Fest war, kann dies hier nachholen:

Aggropunk Fest in Hamburg: Wenn Radio Havanna und Co. aufdrehen

Das Aggropunk Fest steht seit mittlerweile vier Jahren für deutschen Punkrock, der sich gewaschen hat. Auch in diesem Jahr fand es einmal mehr statt –... Weiterlesen →

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